Space Shuttle Start der "Discovery" gefährdet

Der Raumfähre "Discovery" drohen erneut Probleme: Schlechtes Wetter könnte den für Samstag geplanten Start verhindern. Zudem kämpft die Nasa noch immer mit denselben technischen Schwierigkeiten, die 2003 den Absturz der Raumfähre "Columbia" verursacht haben.

Houston - Läuft alles nach Plan, wird die "Discovery" mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter an Bord am Samstag um 21.49 Uhr MESZ die Reise zur Internationalen Raumstation (ISS) beginnen. Doch über dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida braut sich einiges zusammen. Nasa-Meteorologin Kathy Winters erklärte, für Samstag würden mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit Wolken erwartet, die auch Gewitter mit sich bringen könnten.

Damit könne ein Start während des Zeitfensters von nur zehn Minuten unmöglich werden. Die Aussichten für Sonntag und Montag waren nicht besser, für den Rest der Woche sogar schlechter. Sollte es der US-Raumfahrtbehörde Nasa nicht gelingen, die Raumfähre bis zum 19. Juli abheben zu lassen, würde sich das nächste Startfenster erst Ende August öffnen. Auch der deutsche Astronaut Thomas Reiter, der mit der "Discovery" zu einem sechsmonatigen Aufenthalt an Bord der ISS fliegen soll, müsste dann erneut auf seinen Einsatz warten.

Nasa-Sprecher Jeff Spaulding erklärte, es gebe keine technischen Probleme, die einen Start behindern könnten. Die Raumfahrtbehörde werde maximal vier Startversuche in den fünf Tagen ab Samstag unternehmen. Der offizielle Countdown hat in der Nacht zum Donnerstag begonnen.

Ingenieure rechnen erneut mit Schaumstoff-Brocken

Unterdessen herrschen innerhalb der Nasa weiterhin Zweifel darüber, wie sicher die Space Shuttles sind. Trotz Investitionen von mehr als einer Milliarde Dollar ist es den Technikern nicht gelungen, zu verhindern, dass sich beim Start Isolierschaum vom Haupttank des Shuttles ablöst. Beschädigungen durch solche Schaumstücke hatten am 1. Februar 2003 zum Absturz der Raumfähre "Columbia" beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre und damit zur vorläufigen Einstellung des Shuttle-Programms geführt.

Der Tank wurde zwar schon für den Start der "Discovery" im vergangenen Jahr überarbeitet. Geholfen hat es aber nicht viel: Auch danach löste sich wieder Isolierschaum. Jetzt wurden weitere 35 Kilogramm des Materials eingespart - die Nasa spricht von den größten aerodynamischen Veränderungen seit dem Beginn des Shuttle-Programms.

Aber auch dieses Mal ist damit zu rechnen, dass wieder Stücke abbrechen. "Wir erwarten das", sagt der für den Zusatztank verantwortliche Nasa-Manager John Chapman. "Unser Ziel ist es, dafür zu sorgen, dass sie klein genug sind, damit sie keinen Schaden anrichten können."

Bedenken innerhalb der Nasa

Sicherheitschef Bryan O'Connor und Chefingenieur Chris Scolese haben wegen der Schaumstoffteile ernsthafte Bedenken gegen einen Start am 1. Juli geltend gemacht. Sie hätten es vorgezogen, die nach wie vor bestehenden Probleme zu lösen, bevor man die Raumfähre wieder auf die Reise schickt, betonten sie in einer Erklärung. Doch Nasa-Chef Michael Griffin habe sich über die Bedenken hinweggesetzt und dieses Risiko "sehenden Auges" auf sich genommen, kritisierten O'Connor und Scolese.

Auch an anderen Stellen des Shuttles hatte es zuletzt Probleme gegeben. So hat ein Sensor am Tank verhindert, dass die "Discovery" bereits wie ursprünglich geplant im Mai starten konnte. Die Nasa hat inzwischen sogar Maßnahmen gegen Geier und andere Großvögel ergriffen, damit es zu keinen Kollisionen mit einer startenden Raumfähre kommt.

Sollte die "Discovery" doch beim Start beschädigt werden, müssten die Astronauten 81 Tage an Bord der ISS bleiben. So viel Zeit braucht die Nasa, um die nächste Raumfähre für eine Rettungsmission startklar zu machen. Planmäßig soll die "Atlantis" Ende Juli zur Startrampe rollen. Ein größeres Unglück würde aber wohl auch das Aus für das Raumfährenprogramm bedeuten. Neue bemannte Raumfahrzeuge wird es bei der Nasa frühestens 2014 geben.

Großes Forschungsprogramm für Reiter

Sollte alles wie geplant verlaufen, wäre Thomas Reiter der zweite der zehn deutschen Astronauten, der mehr als einmal ins All fliegen darf. Mit drei Missionen ist Ulf Merbold der bisher einzige Mehrfachflieger. Reiter bringt für diesen ersten Langzeitflug eines Westeuropäers in der ISS die denkbar besten Voraussetzungen mit. Denn von September 1995 bis Ende Februar 1996 war er bereits 179 Tage in der Raumstation MIR unterwegs.

Diese Erfahrungen mit der russischen Technik und Mentalität, gepaart mit dem rund fünfjährigen ISS-Spezialtraining, machen den 48-Jährigen zu einem vollwertigen dritten Crewmitglied. Damit hätte die Stammbesatzung wieder die Normalstärke aus der Zeit vor der "Columbia"-Katastrophe. Die Russen hoffen, spätestens 2009 die Station mit sechs Astronauten betreiben und damit auch deren Forschungspotential voll nutzen zu können.

Reiter soll bei seiner "Astrolab"-Mission im Auftrag der Europäischen Weltraumorganisation Esa ein umfangreiches wissenschaftliches Programm absolvieren. Dabei geht es um Bereiche wie Humanphysiologie, Plasmaphysik und Strahlungsdosimetrie. Zudem wird der ehemalige Kampfjet-Pilot an der Inbetriebnahme mehrerer Esa-Experimente zur Untersuchung der Lungenfunktion und zur Pflanzenzucht in der Schwerelosigkeit mitwirken.

Eine neue europäische Kühlbox für Temperaturen bis minus 80 Grad Celsius dient künftig der Konservierung biologischer Proben. Außerdem sind Technologiedemonstrationen, industrielle Experimente und Bildungsvorhaben geplant. Die Kontrolle der Mission erfolgt von Oberpfaffenhofen bei München aus. Als zweiter Bordingenieur hilft der Deutsche bei der Wartung der Station und steigt auch einmal in den freien Raum aus. Der TV-Sender Phoenix will den Weltraumspaziergang am 3. August live übertragen.

mbe/AP/dpa/ddp

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