Space-Shuttle-Start Raumfähre "Atlantis" hebt zum letzten Mal ab

Der letzte Start eines Space Shuttles ist geglückt: Um 17.29 Uhr hob die "Atlantis" vom Weltraumbahnhof in Florida ab. Hunderttausende Zuschauer vor Ort bezeugten das Ende einer Ära. Jetzt ist die Raumfähre schon im All.

AP

Cape Canaveral - Zum Schluss wurde es immer spannender: Die Nasa hatte den Countdown 31 Sekunden vor dem Start wegen "technischer Probleme" angehalten. Kurz danach ging es dann doch los: Zum letzten Mal ist ein amerikanischer Space-Shuttle ins All gestartet. Die "Atlantis" hob um 17.29 Uhr ins All zur finalen Mission ab.

Nach neun Minuten trennte sich die Raumfähre von ihrer Antriebsrakete und erreichte sicher das Weltall. Sie fliegt zunächst in einer elliptischen Umlaufbahn in etwa 150 Kilometern Höhe um die Erde, bevor sie am Sonntagvormittag an der Internationalen Raumstation ISS etwa 380 Kilometer über der Erde andocken soll.

Das Ende des Space-Shuttle-Zeitalters hat die Welt in den Bann gezogen. Rund um den Globus warteten die Menschen auf den letzten Start der Raumfähre "Atlantis". Viele Zuschauer kamen extra nach Florida.

Der Start des Space Shuttle hatte bis zum Schluss für Hochspannung gesorgt. Die riesigen Außentanks waren in der Nacht befüllt worden. Der Shuttle-Kommandant Chris Ferguson ging als erster der vierköpfigen Crew an Bord der Raumfähre. Die Einstiegsluke wurde verschlossen. Doch noch kurz vor dem geplanten Abflug der Raumfähre "Atlantis" am Freitag war ungewiss, ob das Wetter rund um den Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida die Mission noch stoppen würde.

Rund eine Stunde vor dem Start meldete die Nasa "grüne" Wetterkonditionen, offiziell jedoch lag das Risiko für einen Abbruch des Countdowns weiterhin bei 70 Prozent. Dennoch liefen die Startvorbereitungen weiter. Feuchtes Tropenwetter aus der Karibik hatte in den Vortagen dicke Wolken über die Atlantikküste nach Florida geschoben, die auch am Freitag den Himmel verdunkelten. Heftiger Regen und Gewitter hatten den "Atlantis"-Flug zuletzt unwahrscheinlich erscheinen lassen, weil sie eine Notlandung des Shuttle im Falle einer Störung zu gefährlich machen würden.

Am Donnerstag waren gar zwei Blitze in der Nähe der Startrampe eingeschlagen, sie fügten der Elektronik der Raumfähre aber keinen Schaden zu, wie die Nasa nach ausführlichen Tests feststellte. Auch sonst zeigte sich die "Atlantis" in Topform für ihre historische Abschiedsmission.

Der zwölftägige Flug zur Internationalen Raumstation ISS schließt nach rund drei Jahrzehnten das Shuttle-Programm ab. Er besiegelt auch zumindest vorübergehend das Ende der bemannten Raumfahrt in den USA.

Um sich das Ereignis nicht entgehen zu lassen, waren vor dem Start Hunderttausende in die Region um das Kennedy Space Center gereist. Einige Schaulustige reservierten sich die Plätze mit der besten Sicht auf den Himmel über dem Weltraumbahnhof weit im Voraus. Bereits am Donnerstagabend waren etwa in der 40.000-Einwohner-Stadt Titusville Campingplätze, öffentliche Rasenflächen und Betonparkplätze von Supermärkten mit Zelten und Wohnmobilen übersät.

Fotostrecke

25  Bilder
Space Shuttles: Letzter Vorhang für die Raumfähren
Viele Besucher fanden keine Stelle mehr und mussten die regnerische Nacht im Auto oder im Freien auf Stühlen sitzend verbringen. Weit und breit waren keine Hotelzimmer verfügbar. Der Verkehr auf den Straßen stockte schon um 6 Uhr morgens (Ortszeit).

Ziel der 135. Shuttle-Mission ist es, einen Jahresvorrat von mehr als 3,8 Tonnen Proviant, Ausrüstung und Ersatzteile zur ISS zu bringen. Zudem soll eine neue Methode getestet werden, Satelliten im Weltall von Robotern betanken zu lassen.

Als weiteres Experiment ist geplant, mit neu entwickelten Plastikbehältern menschliches Urin in Trinkwasser zu verwandeln. Außerdem wollen die Astronauten eine schwergewichtige defekte Kühlpumpe von der ISS mit nach Hause bringen - ein Transportvorhaben, das für die Menschheit ohne Shuttle künftig nicht mehr möglich sein wird.

Nach der "Atlantis"-Rückkehr, die für den 20. Juli vorgesehen ist, verfügen die USA auf Jahre hinaus über keine Weltraumvehikel mehr, die Astronauten ins All befördern können. Die Nasa ist dann für ihre Astronauten auf Mitfluggelegenheiten in den russischen "Sojus"-Kapseln angewiesen. Große Fracht aus dem All kann künftig überhaupt nicht mehr zur Erde zurückgebracht werden.

boj/dpa

insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
stesoell 08.07.2011
1. ^^
Godspeed Atlantis! Es wird weitegehen. So oder so :)
roadrunner1962 08.07.2011
2. War eine lange Zeit...
Ich habe ALLE Liftoffs der Shuttles gesehen - bis auf einen. Am 28.01.1986 hatte ich mündliche Abschlussprüfung als Bankkaufmann. Ich bekam eine Eins, aber das hat dann abends außer meiner Mutter keinen mehr interessiert.... Zwei Mal habe ich sogar versucht in Florida dabei zu sein, hat leider nie eklappt, der Start wurde beide Male verschoben :-(
Michael Giertz, 08.07.2011
3. Idealistisch betrachtet ...
Zitat von stesoellGodspeed Atlantis! Es wird weitegehen. So oder so :)
Ja, aber ohne bemannte Raumfahrt der Amerikaner. Interessant ist ja, dass eigentlich die NASA irgendwie zum Militär gehört und damit wohl auch aus dem Militärbudget ihre Gelder gewinnt. Ich frage mich, wieso es sich die USA leisten kann, ein Hightech-Militär zu unterhalten, in dem EIN "Soldat der Zukunft" allein mehrere hunderttausend Euro kostet, aber nichtmal die Peanuts für die NASA bereitstellen will. Gut, ich bin da Idealist, für mich liegt die Zukunft der Menschheit AUCH im Universum, auch wenn diese Zukunft wohl zu meinen Lebzeiten nicht mehr eintreten wird (ich bin 29). Die Amerikaner ziehen sich aus dem Geschäft zurück und überlassen anderen das Feld - aus rein wirtschaftlicher Sicht nur kurzfristig eine richtige Entscheidung, langfristig aber eine Katastrophe. Aber hey, ich bin halt nur Idealist. Idealisten irren. Und wenn es so weitergeht wie bisher, brauchen wir keine Raumschiffe mehr ...
hinderschannes 08.07.2011
4. Nei...
Zitat von Michael GiertzJa, aber ohne bemannte Raumfahrt der Amerikaner. Interessant ist ja, dass eigentlich die NASA irgendwie zum Militär gehört und damit wohl auch aus dem Militärbudget ihre Gelder gewinnt. Ich frage mich, wieso es sich die USA leisten kann, ein Hightech-Militär zu unterhalten, in dem EIN "Soldat der Zukunft" allein mehrere hunderttausend Euro kostet, aber nichtmal die Peanuts für die NASA bereitstellen will. Gut, ich bin da Idealist, für mich liegt die Zukunft der Menschheit AUCH im Universum, auch wenn diese Zukunft wohl zu meinen Lebzeiten nicht mehr eintreten wird (ich bin 29). Die Amerikaner ziehen sich aus dem Geschäft zurück und überlassen anderen das Feld - aus rein wirtschaftlicher Sicht nur kurzfristig eine richtige Entscheidung, langfristig aber eine Katastrophe. Aber hey, ich bin halt nur Idealist. Idealisten irren. Und wenn es so weitergeht wie bisher, brauchen wir keine Raumschiffe mehr ...
du bist kein Idealist, du bist ein fehlgeleiterter Phantast und aberwitziger Geldverschwender. Aber du bsit ja nicht ganz mit deinem Leiden allein.
Mimimat 08.07.2011
5. ....
Bei aller Wehmut: Das Hauptziel der Shuttlemissinen, nämlich eine kostengünstige Alternative zur Trägerrakete darzustellen, wurde nie erreicht. Von daher wäre es vermutlich besser gewesen, die Gelder (ca. 1 Mia pro Start) in die Entwicklung eines wirklich innovativen Raumfahrzeuges zu stecken. Was möglich ist, zeigt z.B. Space Ship One, welches mit sehr viel weniger Geld entwickelt wurde. Ok - es fliegt längst nicht so hoch und ist auch kleiner - aber es zeigt in die richtige Richtung. Wie auch immer: Ich bin optimistisch, dass die NaSa jetzt den Weg für neue Ideen frei hat, wenn denn die Gelder weiter fliessen werden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.