"SpaceShipOne" Vor zehn Jahren begann Ära privater Raumfahrt

In der Mojave-Wüste Kaliforniens schrieb "SpaceShipOne" im Juni 2004 Raumfahrt-Geschichte: Das Experimentalflugzeug absolvierte den allerersten privaten bemannten Weltraumflug. Seitdem steigen immer mehr Firmen ins Geschäft mit der Raumfahrt ein.

Getty Images

New York - Auf den ersten Blick erinnert die Form von "SpaceShipOne" an einen Fisch mit Flügeln. Dazu ist das Experimentalflugzeug, das heute im Raumfahrt-Museum in Washington ausgestellt ist, mit schwarzen und blauen Punkten und Sternen verziert. Aber so harmlos "SpaceShipOne" auch aussieht, das Flugzeug mit Raketentriebwerk hat Raumfahrtgeschichte geschrieben: Am kommenden Samstag (21. Juni) vor genau zehn Jahren absolvierte es den ersten privaten bemannten Weltraumflug überhaupt.

Tausende Zuschauer, darunter auch der frühere US-Astronaut Buzz Aldrin, verfolgten damals an einem frühen Montagmorgen, wie das Trägerflugzeug "White Knight" in der Mojave-Wüste im US-Bundesstaat Kalifornien startete. In rund 14 Kilometern Höhe wurde "SpaceShipOne" ausgeklinkt.

Im Cockpit des Experimentalfliegers saß der in Südafrika geborene Michael "Mike" Melvill, ein erfahrenere Testpilot. Er zündete das Raketentriebwerk, beschleunigte auf dreifache Schallgeschwindigkeit und brachte "SpaceShipOne" auf eine Höhe von knapp 110 Kilometern. "Die Welt ist heute Zeuge vom Anbruch einer neuen Raumfahrt-Ära geworden", jubelt Scaled Composites, die Firma hinter "SpaceShipOne" danach per Pressemitteilung.

Aber auch wenn Melvill den Flieger sicher landen konnte, war nicht alles glatt gelaufen: Teile der Außenverkleidung verformten sich während des Flugs, die Steuerung wurde dadurch zeitweise schwierig. Außerdem zündete der Raketenantrieb nicht so lange wie geplant, so dass "SpaceShipOne" nicht so hoch fliegen konnte wie ursprünglich gedacht. Aber: Die bei 100 Kilometern liegende Weltraumgrenze war überschritten und der historische Flug damit geschafft.

Goldenes Zeitalter des privaten Weltraumtourismus?

Und weil das dem Experimentalflugzeug wenige Monate später gleich noch zweimal kurz hintereinander gelang, gab es Geld. Zehn Millionen Dollar hatte die US-amerikanische X-Prize Foundation demjenigen versprochen, der ein bemanntes Fluggerät innerhalb von 14 Tagen zweimal über die 100-Kilometer-Marke bringt. Der US-Luftfahrtingenieur und Scaled Composites-Gründer Burt Rutan hatte sich daraufhin mit finanzieller Hilfe von Microsoft-Mitgründer Paul Allen an die Arbeit gemacht und war nun am Ziel.

"Der erfolgreiche Start hat demonstriert, dass auch die letzte Grenze jetzt offen für private Unternehmen ist", verkündeten die beiden nach dem historischen Erstflug voller Aufbruchstimmung. Das goldene Zeitalter des privaten Weltraumtourismus schien zum Greifen nah.

Doch zehn Jahre später scheint alle Aufbruchstimmung verpufft. Anstelle dessen haben sich Enttäuschung und Frust breitgemacht. Trotz zahlreicher Ankündigungen gibt es noch immer keinen funktionierenden Weltraumtourismus. Die Technik hat sich entgegen der von "SpaceShipOne" geweckten Hoffnungen doch als zu komplex erwiesen. Forschung und Entwicklung ziehen sich hin.

ISS wird von Privatfirmen angeflogen

An vorderster Front steht inzwischen der britische Unternehmer Richard Branson, der sich mit "SpaceShipOne"-Entwickler Rutan zusammengetan hat. Ihre Firma Virgin Galactic hatte eigentlich schon für 2011 die ersten privaten Weltraumflüge mit dem Nachfolgemodell "SpaceShipTwo" von einem Weltraumflughafen im US-Bundesstaat New Mexico aus angekündigt. Mehr als 600 Menschen, darunter viele Prominente, haben nach Angaben der Firma bereits Tickets für jeweils 250.000 Dollar (etwa 180.000 Euro) gekauft.

Geflogen ist von ihnen allerdings noch niemand. Ende 2014 sollen die ersten starten, heißt es inzwischen. Experten sind skeptisch, aber Branson verbreitet weiter Daueroptimismus. Ja, es habe alles länger gedauert als gedacht, sagte der Milliardär jüngst. "Aber wir sind sehr nah dran, endlich auf und davon zu sein."

Auch wenn Virgin Galactic derzeit noch mit technischen Problemen kämpft, haben zumindest in der unbemannten Raumfahrt Privatfirmen längst bewiesen, dass auch sie es bis ins Weltall schaffen. Die Privatfirmen SpaceX und Orbital Sciences fliegen für die Nasa Nachschub zur ISS, seit die US-Raumfahrtbehörde ihr Shuttle-Programm 2011 nach 30 Jahren eingestellt hat. Der erste Versorgungsflug fand 2012 statt - SpaceX schrieb damals mit der ersten privaten Transportmission zur ISS Raumfahrtgeschichte. Insgesamt soll es zwölf Versorgungsflüge von SpaceX geben. Der Vertrag mit der NASA beläuft sich auf mehr als 1,1 Milliarden Euro.

Zuletzt hatte im April der SpaceX-Raumfrachter "Dragon" an die Internationale Raumstation ISS angedockt. An Bord waren rund 2300 Kilogramm Versorgungsgüter, darunter auch Material für verschiedene Experimente. Unter anderem soll eine Zucht von Pflanzen vorangetrieben werden, aus denen sich die ISS-Besatzung später Salate zubereiten soll.

hda/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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varesino 16.06.2014
1. OOPS schon 10 Jahre ...
10 Jahre für die Serienreifmachung eines Weltraum-Hüpfers. Ich dachte die Privat-Wirtschaft kriegt alles schneller und billiger hin als die Raumfahrt-Agenturen. Die Kapseln werden ja noch schön mit dem Roboter-Arm eingefangen. Mal sehen wie lange es dauert bis SpaceX und Co. brauchen um automatisch anzudocken, wie ein ATV z. Bsp.. Zum Glück scheint Geld bisher kein Problem zu sein.
Grzegorzyk 16.06.2014
2. Lieber etwas später...
...dafür aber gründlich. Angenommen, es hätte bereits in halb getesteten Systemen Touristenflüge gegeben, bei einem Unfall wäre das Lamento groß.
hman2 16.06.2014
3. Soso
Zitat von sysopGetty ImagesIn der Mojave-Wüste Kaliforniens schrieb "SpaceShipOne" im Juni 2004 Raumfahrt-Geschichte: Das Experimentalflugzeug absolvierte den allerersten privaten bemannten Weltraumflug. Seitdem steigen immer mehr Firmen ins Geschäft mit der Raumfahrt ein. http://www.spiegel.de/wissenschaft/weltall/spaceshipone-vor-zehn-jahren-begann-aera-privater-raumfahrt-a-975390.html
Soso. Was die so alles "Weltraum" nennen. Da war ja der erste Hüpfer der NASA, nachdem Gagarin die Erste schon umrundet hatte, noch deutlich anspruchsvoller...
varesino 16.06.2014
4. Warum?
Zitat von Grzegorzyk...dafür aber gründlich. Angenommen, es hätte bereits in halb getesteten Systemen Touristenflüge gegeben, bei einem Unfall wäre das Lamento groß.
Für Abenteuer Touris reicht normalerweise ein Formblatt: http://en.wikipedia.org/wiki/Liability_waiver Und eine Risiko-Lebensversicherung. Es wird doch niemand gezwungen da mit zu fliegen.
th50us 16.06.2014
5. Kármán-Linie
Die Grenze zwischen der normalen Atmosphäre und dem Weltraum wurde mit der Kármán-Linie auf ca 100 km festgelegt, so dass jeder, der diese Grenze überschreitet, sich im Weltraum befinden. Die genaue Definition kann in Wikipedia nachgelesen werden.
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