Cape Canaveral SpaceX-Kapsel explodiert bei Bodentest

Bei einem Test des US-Unternehmens SpaceX wurde eine Raumkapsel zerstört. Der Unfall dürfte bemannte Flüge mit US-Technik verzögern - und die Amerikaner zwingen, weiter auf russische Hilfe zu setzen.

Rauchwolken über der Air Force Station in Cape Canaveral nach dem missglücktem SpaceX-Test
Craig Bailey / Florida Today via AP

Rauchwolken über der Air Force Station in Cape Canaveral nach dem missglücktem SpaceX-Test


Eigentlich war Craig Bailey am Cocoa Beach in Florida, um die Surfer zu fotografieren. Doch um 15.30 Uhr Ortszeit entwickelte sich vor seinen Augen ein ungleich spannenderes Motiv: Über der nahe gelegenen Cape Canaveral Air Force Base stiegen Rauchwolken auf. Am Nachmittag hatte es augenscheinlich ein Problem am Teststand des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX gegeben. Mittlerweile ist zumindest in groben Zügen klar, was vorgefallen ist: Bei einem missglückten Test ist eine "Crew Dragon"-Raumkapsel explodiert, Menschen kamen nicht zu Schaden.

Die genauen Umstände des Vorfalls an der "Landing Zone 1" von SpaceX werden derzeit untersucht. Auf den Twitter-Kanälen von SpaceX und Firmengründer Elon Musk gab es bisher noch keine Informationen zu den Hintergründen. US-Medien zitieren aber aus einem Statement des Unternehmens, wonach es eine "Anomalie auf dem Teststand" gegeben habe.

Nach der Explosion schrieb Nasa-Chef Jim Bridenstine auf Twitter, solche Vorfälle seien ja genau "der Grund, warum wir testen". Man werde den Vorfall nun gemeinsam mit SpaceX untersuchen. "Wir werden lernen, die nötigen Veränderungen vornehmen und unser Commercial Crew Program sicher voranbringen."

Die SpaceX-Ingenieure waren gerade dabei, einen wichtigen Test vorzubereiten, der für später im Jahr geplant war. Dabei sollte die Kapsel zeigen, dass sie sich notfalls vor oder während des Starts von einer explodierten Rakete trennen und die Besatzung an Bord in Sicherheit bringen kann. Die "Crew Dragon" kann für dieses Manöver auf acht spezielle Triebwerke namens "Super Draco" zurückgreifen. Womöglich hat es mit ihnen nun Probleme gegeben.

Damit Menschen überhaupt mit der "Crew Dragon" fliegen dürfen, muss SpaceX die Technik für einen Startabbruch vorher erfolgreich demonstrieren. Ein erster bemannter Flug war ursprünglich für Juli 2019 vorgesehen. Nun hat das gesamte Vorhaben nicht nur einen Rückschlag erlitten, sondern es fehlt auch eine Kapsel.

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Die Firma von Elon Musk muss sich nun überlegen, ob eine neue Kapsel für den geplanten Startabbruch-Test genutzt werden soll - oder ob das Modell verwendet wird, das eigentlich für den ersten Flug mit den Nasa-Astronauten Bob Behnken und Doug Hurley an Bord vorgesehen war. Dann müsste zügig ein Ersatz für diese Mission bereitgestellt werden. Denn eine bereits geflogene Kapsel, die einen Startabbruch-Test hinter sich hat, wird bei SpaceX nicht wieder für den Astronautentransport eingesetzt.

Die beiden Unternehmen SpaceX und Boeing arbeiten daran, möglichst schnell US-Astronauten wieder mit eigener Technik und von eigenem Grund und Boden aus ins All zu bringen. Sie haben dafür eine milliardenschwere Förderung von der Nasa bekommen. Seit dem Ende des Space-Shuttle-Programms im Jahr 2011 sind die Amerikaner auf russische Hilfe beim Zugang zum All angewiesen. Sie kaufen Mitfluggelegenheiten in "Sojus"-Kapseln, die vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan starten. So kommen auch Europäer, Kanadier und Japaner zur Internationalen Raumstation.

Bei Boeing hatte es bei einem unbemannten Test der "CST-100 Starliner"-Kapsel ebenfalls Probleme gegeben. Dadurch gilt es als wahrscheinlich, dass der erste bemannte Flug mit dem Raumschiff frühestens im kommenden Jahr stattfinden kann. Auch bei SpaceX dürfte es nun eine längere Verschiebung geben. Bei der Nasa ist man zumindest nicht unvorbereitet. Erst kürzlich hat die Behörde in Russland zwei weitere "Sojus"-Mitfluggelegenheiten eingekauft, für den Herbst dieses Jahres und das Frühjahr 2020.

chs

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