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07. September 2017, 12:57 Uhr

Raumgleiter "X-37B"

SpaceX transportiert geheimen Luftwaffen-Shuttle ins All

Erstmals arbeitet SpaceX für das US-Militär: Die Firma von Tech-Milliardär Elon Musk soll den geheimen Raumgleiter "X-37B" ins All bringen. Über die genaue Mission lässt sich nur spekulieren.

Es dürfte ein spannender und ausgesprochen wichtiger Auftrag für Elon Musk und sein privates Raumfahrtunternehmen SpaceX sein: Erstmals soll eine wiederverwendbare Rakete seiner Firma für das US-Militär fliegen. Bei guten Bedingungen wird eine "Falcon 9" am Donnerstagnachmittag vom Kennedy Space Center, dem Weltraumbahnhof der Nasa auf Merritt Island in Florida, den Weltraumshuttle "X-37B" in den Orbit bringen.

Was die Mission des unbemannten Fliegers sein wird, darüber lässt sich einmal mehr nur spekulieren. Laut verschiedenen Medienberichten sollen für etwa ein Jahr lang die Elektronik sowie Wärmespeicher an Bord getestet werden. Zuletzt war eine zweijährige "X-37B"-Geheimmission im Mai zu Ende gegangen. Auch damals unterlagen Kosten, Ziel der Mission und Informationen zu möglichen Experimenten im Orbit der Geheimhaltung.

Das Miniraumschiff ähnelt einem Spaceshuttle, ist aber deutlich kleiner. Das Flugzeug ist nur knapp neun Meter lang, fünf Tonnen schwer und hat eine Spannweite von viereinhalb Metern. Die Lithiumbatterien an Bord werden mit Solarenergie aufgeladen.

"X-37B" war ursprünglich ein Projekt der Nasa, 2004 hatte es das Pentagon übernommen. Experten rätseln schon länger über die Aufgaben des Shuttles. Es könnte als Aufklärungsgerät, zur Reparatur, zum Transport oder gar zum Kapern von Satelliten dienen. Auch eine Anwendung als unbemannter Kampfbomber, der vom Weltall aus zuschlagen könnte, wird für möglich gehalten.

Seit einiger Zeit steht der Raumgleiter unter Verantwortung des Rapid Capabilities Office der U.S. Air Force. Dessen Aufgabe: die Entwicklung und Einführung neuer Waffensysteme.

Für SpaceX stellt der Start gleich eine doppelte Premiere da: Zum einen hat eine "Falcon 9" noch nie einen Raumgleiter transportiert. Und auch für die U.S. Air Force war das Unternehmen noch nicht im Einsatz. Letzte Woche hatte SpaceX bei der "Falcon 9" einen Triebwerkstest durchgeführt. Die vier vorigen "X-37B"-Missionen wurden alle mit einer Atlas-5-Rakete durchgeführt.

Unklar ist aber, ob die Mission planmäßig beginnen kann. Nur bei guten Wetterbedingungen werden die Ingenieure einem Start zustimmen. Sollte es am Donnerstag nicht passen und der Startversuch auf Freitag verschoben werden, könnte auch Hurrikan "Irma" den Plänen einen Strich durch die Rechnung machen. Voraussichtlich zum Wochenende wird der Sturm Florida erreichen.

Video: Geheime Mission im All

joe

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