Vor dem Flug von Astronaut Maurer SpaceX versucht, Raumschiff-Toilette zu reparieren

Vor dem Start von Esa-Astronaut Matthias Maurer kämpft SpaceX noch mit einem Problem: An Bord der Kapsel ist die Toilette defekt. Schlimmer wiegt: Auch ein Raumschiff im All ist betroffen.
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Crew-Dragon-Kapsel auf einer »Falcon 9«-Rakete

Foto: MIKE BLAKE/ REUTERS

Kurz vor seinem geplanten Start zur Internationalen Raumstation ISS ist der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer  am Weltraumbahnhof Cape Canaveral angekommen. Maurer und seine drei Nasa-Kollegen Thomas Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron der »Crew-3« wurden per Flugzeug zum Weltraumbahnhof im US-Bundesstaat Florida gebracht. Am Sonntag um 2.21 Uhr Ortszeit (7.21 Uhr MEZ) soll Maurer, so der Plan, mit der »Crew Dragon« der Raumfahrtfirma SpaceX von Elon Musk als zwölfter Deutscher ins All fliegen.

Doch davor muss SpaceX noch ein Problem beheben. Derzeit gibt es Lecks in den Toiletten. Bereits während des Fluges von SpaceX im letzten Monat löste sich während der dreitägigen Mission ein Schlauch – Urin gelangte offenbar in die Nähe von Ventilatoren und unter den Fußboden des Raumschiffs, sagte William Gerstenmaier am Montagabend gegenüber Reportern. Er ist Vizepräsident von SpaceX und hat früher für die Nasa gearbeitet.

Zunächst hatte SpaceX keine Details zu dem Zwischenfall bekannt gegeben. Doch nun äußerte sich das Unternehmen offener. Weder die Crew noch das Unternehmen habe zunächst etwas von dem Problem bemerkt. Erst bei der nachträglichen Inspektion zeigte sich das Toilettenproblem.

Als dauerhafte Lösung habe man den Urinspülschlauch in der Kapsel, mit der Maurer fliegen soll, angeschweißt. Die Nasa ist noch nicht ganz fertig mit der Überprüfung der in letzter Minute vorgenommenen Korrektur. Astronaut Raja Chari, der Kommandant des Raumschiffs, sagte, er habe volles Vertrauen in die Reparaturen. SpaceX habe sich schnell des Problems angenommen und Hunderte von Mitarbeitern eingesetzt, um die Sicherheit der Besatzung zu gewährleisten.

Auch bei einer Kapsel, die derzeit an die ISS angedockt ist, gibt es ähnliche Probleme. Dort habe sich weniger Urin unter den Bodenplatten angesammelt, sagte Gerstenmaier. Das liegt daran, dass die damalige Besatzung nur einen Tag in der Kapsel verbrachte, bevor sie an der Raumstation ankam. Dem Urinproblem kamen die Astronauten von der Station auf die Spur, als sie den Unterbodenraum mit einem Endoskop – ein Kabel mit einer winzigen Kamera am Ende – untersuchten.

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SpaceX führt derzeit Tests auf der Erde durch, um sicherzustellen, dass der Urin in der Raumkapsel nicht zu Korrosion geführt hat, so Gerstenmaier. Jeder Schaden könnte die Astronauten bei ihrem Rückflug zur Erde im nächsten Monat gefährden. Die abschließenden Tests sollten im Laufe dieser Woche abgeschlossen sein, sagte er. Bisher sieht es nicht danach aus, als könnte der Urin das Raumschiff beschädigt haben. Dieser Verdacht lag zunächst nah, weil im All Urin mit einer potenziell korrosiven Verbindung versetzt wird, um das geruchsintensive Ammoniak abzubauen.

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Der Start am Sonntag wird der vierte Start von SpaceX mit Nasa-Astronauten und der fünfte Passagierflug insgesamt sein. Die US-Astronauten flogen davor mit russischen Raketen, bis SpaceX im vergangenen Jahr diese Aufgabe übernahm. Eigentlich soll auch die »Starliner«-Kapsel von Boeing Astronauten zur ISS bringen. Doch das Projekt hinkt hinter dem Zeitplan hinterher und hat mit technischen Problemen zu kämpfen. Ein erneuter Testflug ohne Besatzung ist wegen defekter Ventile bis zum nächsten Jahr verschoben worden.

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Auf der ISS soll Maurer in rund 400 Kilometern Höhe etwa sechs Monate lang zahlreiche Experimente durchführen und auch einen Außeneinsatz absolvieren. Die letzten Untersuchungen vor dem Start seien bisher alle sehr gut verlaufen, sagte Nasa-Manager Bob Cabana.

joe/AP/dpa