Recycelte Rakete und Raumschiff Vier Astronauten mit »Crew Dragon« zur ISS gestartet

SpaceX hat Astronauten in einer gebrauchten Rakete und Raumkapsel auf den Weg zur Internationalen Raumstation ISS geschickt. China startet derweil mit dem Bau eines eigenen Außenpostens im All.
»Falcon 9« vor dem Start auf dem Gelände des Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida

»Falcon 9« vor dem Start auf dem Gelände des Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida

Foto: THOM BAUR / REUTERS

Drei Männer und eine Frau sind mit einem »Crew Dragon« des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX zur Internationalen Raumstation ISS aufgebrochen. Die Astronauten und die Astronautin seien am Freitagmorgen Ortszeit mithilfe einer »Falcon 9«-Trägerrakete vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida aus gestartet, teilten SpaceX und die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit.

SpaceX verwendet bei dem Flug eine gebrauchte Raumkapsel und Rakete wieder. Wegen ungünstiger Wettervorhersagen war der ursprünglich für Donnerstag geplante Start auf Freitag verschoben worden. Am Samstag werden die vier Astronauten an der ISS erwartet.

Die Crew vor dem Start

Die Crew vor dem Start

Foto: NASA/Aubrey Gemignani HANDOUT / EPA

Die »Crew-2« setzt sich aus den beiden US-Astronauten Shane Kimbrough und Megan McArthur sowie ihrem japanischen Kollegen Akihiko Hoshide und dem Franzosen Thomas Pesquet zusammen. Pesquet ist der erste Astronaut der europäischen Weltraumorganisation Esa, der an Bord eines »Crew Dragon« zur ISS fliegt.

Es handelt sich um die zweite Crew, die von SpaceX zur ISS befördert wird. Die erste – die US-Astronauten Michael Hopkins, Victor Glover und Shannon Walker sowie ihr japanischer Kollege Soichi Noguchi – hatte im November an der ISS angedockt. Sie sollen Ende April zur Erde zurückkehren.

»Crew-1« war die erste, die regulär mit dem »Crew Dragon« zur ISS flog, nachdem ein bemannter Test im vergangenen Frühjahr erfolgreich verlaufen war. Der Test war nach fast neunjähriger Pause das erste Mal, dass Astronauten wieder von amerikanischem Boden aus in den Orbit starteten – und überhaupt das erste Mal, dass sie von einem privaten Raumfahrtunternehmen befördert wurden. SpaceX hatte zuvor nur Fracht zur ISS transportiert.

Chinesische Raumstation könnte ISS ablösen

Während die Amerikaner den Transport zur in die Jahre gekommenen ISS, an der auch Russen und Europäer beteiligt sind, neu organisieren, arbeitet China inzwischen am Bau einer eigenen Raumstation. Wenn die veraltete ISS in den kommenden Jahren ihren Dienst einstellen wird, wäre China danach die einzige Nation, die einen Außenposten im All betreibt. Russland und die USA denken allerdings auch über eigene Raumstationen nach. Zuerst muss jedoch geklärt werden, wie es mit der ISS weitergeht.

Für das chinesische Projekt sind in den nächsten Wochen drei Raumflüge vorgesehen. Zuerst soll das Kernmodul »Tianhe« (Himmlische Harmonie) an Bord einer Rakete vom Typ »Langer Marsch 5B« vom Raumfahrtbahnhof Wenchang auf der Insel Hainan in Südchina ins Weltall gebracht werden. US-Experten rechnen am nächsten Donnerstag mit dem Start, offiziell ist der Termin aber noch unbestätigt. »Um 2022 herum« soll die Raumstation fertig sein.

»Tianhe« ist 16,6 Meter lang und hat einen Durchmesser von 4,2 Metern. Das Kernmodul sorgt für Strom und Antrieb, bietet Unterkünfte für drei Astronauten, die bis zu sechs Monate an Bord bleiben können. Zwei weitere Teile für wissenschaftliche Experimente werden t-förmig angebaut.

»Der wesentliche Unterschied zur ISS ist, dass sonst keiner mitmacht«, sagte der frühere deutsche Astronaut Reinhold Ewald, heute Professor an der Universität Stuttgart. Weder beim Bau noch beim Betrieb sind andere Länder beteiligt. Zumindest bei den geplanten wissenschaftlichen Experimenten ist eines Tages aber eine internationale Kooperation unter anderem mit Deutschland vorgesehen – mit dem Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching.

Deutlich kleiner als die ISS

Mit rund 90 Tonnen wird Chinas Raumstation, die nach der Fertigstellung Tiangong (Himmelspalast) heißen soll, deutlich kleiner als die 240 Tonnen schwere ISS. Kurz nach dem Start des chinesischen Kernmoduls könnte im Mai das Cargo-Raumschiff »Tianzhou 2« mit Treibstoff und Versorgungsgütern folgen. Auch bereiten sich drei Astronauten vor, an Bord von »Shenzhou 12« möglicherweise im Juni zu »Tianhe« zu fliegen.

Die Bauphase erfordert einen dichten Flugplan: Insgesamt sind elf Flüge geplant – drei Flüge mit Modulen, vier Frachtmissionen und vier bemannte Raumflüge, wie das chinesische Raumfahrtprogramm mitteilte.

Mit seinen beiden vorherigen Raumlaboren »Tiangong 1« und »Tiangong 2« hat sich China an das Vorhaben herangetastet. Es wurden Auftankmanöver sowie Weltraumspaziergänge geübt. Eigentlich sollte der Bau der Raumstation schon früher starten, aber Probleme mit der nötigen neuen Trägerrakete sorgten für Verzögerungen. Die Bauphase wurde dafür jetzt verdichtet, um wie ursprünglich geplant, 2022 fertig zu werden.

jme/dpa
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