Spektakuläre Beobachtung Stern im Kraftfeld zerfetzt

Röntgenteleskope wurden Zeugen, wie ein Schwarzes Loch einen Stern regelrecht auffraß. Der Stern wurde im starken Gravitationsfeld zerrissen - seine Reste flammten zu einem gigantischen Röntgenfeuer auf.



Die Beobachtung der großen Sternenfressens war ein Zufallstreffer, wie Eugen Hintsches von der Max-Planck-Gesellschaft berichtet: "Wir konnten das Schwarze Loch direkt bei seiner Mahlzeit beobachten." Erstmals fingen Astronomen dabei spektakuläre Bilder von der teilweisen Zerstörung eines Sterns ein.

Mit Hilfe der Röntgenteleskope XMM-Newton von der Europäischen Raumfahrtagentur Esa und Chandra von der Nasa konnten die Wissenschaftler verfolgen, wie ein Schwarzes Loch einen Stern teilweise zerstörte und verschluckte. Die ersten Aufnahmen stammen aus dem Jahr 1992.

Beim Vergleich mit aktuellen Röntgenbildern entdeckten Astronomen das Phänomen, das bereits seit langem in der Theorie vorhergesagt, aber nie bestätigt worden war. Die Astronomen gehen davon aus, dass der Stern von einem anderen Himmelskörper aus der Bahn geworfen wurde und dem Schwarzen Loch zu nahe kam.

Daraufhin sei der Stern von den enormen Gravitationskräften des Schwarzen Lochs stark deformiert worden, bis er endgültig zerriss. Beim Einströmen in das Schwarze Loch heizten sich seine Überreste enorm auf - die ausgesandte Röntgenstrahlung war noch in der Erd-Satellitenumlaufbahn nachweisbar. Im All kreisende Röntgenteleskope registrierten den gewaltigen Ausbruch an Strahlung wie den "letzten Hilfeschrei" eines sterbenden Sterns.

Nach Schätzungen der Wissenschaftler ist die Masse des Schwarzen Lochs in der Galaxie RXJ1242-11 100 Millionen Mal größer als die der Sonne. Der teilweise verschluckte Stern entsprach in etwa der Größe der Sonne.

Die nun beobachtete Sternenmahlzeit beweist, dass in der Mitte der Galaxie ein Schwarzes Loch liegt. Der Kern der beobachteten Galaxie ist, wie bei den allermeisten, dunkel. Die Galaxie RXJ1242-11 galt unter Astronomen bislang als ein vergleichsweise unauffälliges Objekt im Weltall.

"Möglicherweise sitzt in jeder Galaxie im Zentrum als Herz ein Schwarzes Loch, das nur vor sich herumhungert", erklärte Hintsches. Schwarze Löcher seien "aber nur beobachtbar, wenn ihnen Sterne zu nahe kommen oder sie gerade bei der Mahlzeit sind".

In ihren Theorien seien die Astrophysiker schon lange davon ausgegangen, dass Schwarze Löcher nicht nur in den wenigen aktiven Galaxien zu finden seien. Die jetzige Beobachtung sei jedoch der erste klare Nachweis, dass dieser vorhergesagte Prozess tatsächlich in der Natur vorkomme, sagte Hintsches. Offenbar gibt es im Universum viel mehr Schwarze Löcher als bisher angenommen.

Das beobachtete Sternenfressen könnte nach Meinung der Wissenschaftler auch in unserer Galaxie stattfinden - nach ihren Berechnungen etwa alle 10.000 Jahre. Dabei würde sich das Zentrum der Milchstraße um den Faktor 100 Milliarden ausweiten. Das Leben auf der Erde soll nach Auskunft der Astrophysiker dabei jedoch nicht in Gefahr sein, lediglich die Röntgenteleskope im All dürften von der starken Röntgenstrahlung zerstört werden, sofern sie direkt in die Quelle blicken.

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