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23. März 2007, 08:34 Uhr

Spektakuläre Bilder

Gewaltige Eruptionen auf der Sonne

Auf der Sonnenoberfläche geht es turbulenter zu als bislang angenommen: Bilder eines neuen Teleskops zeigen Gassäulen, die rasant durcheinanderwirbeln. Forscher sprechen von einer neuen Ära in der Sonnenforschung - und hoffen präzise Weltraum-Wettervorhersagen.

Im Magnetfeld der Sonne ist offenbar viel mehr Dynamik, als Wissenschaftler bisher glaubten. Auf Röntgenaufnahmen des Weltraumteleskops "Hinode" winden sich Gassäulen umeinander. Videos dokumentieren, wie turbulent sich die dünnen Strukturen auf unserem Zentralgestirn bewegen.

Die aufsteigenden Gassäulen spielen eine entscheidende Rolle beim sogenannten Weltraumwetter. Bei ihrer Wechselwirkung mit dem Magnetfeld der Sonne werden gewaltige Energiemengen frei. Dadurch ausgelöste Sonnenstürme oder Eruptionen können Auswirkungen bis zur Erde haben: Satelliten werden außer Gefecht gesetzt, der Funkverkehr gestört oder elektrische Leitungsnetze lahmgelegt.

"Theoretiker haben vorhergesagt, dass gewundene Magnetfelder existieren könnten", sagte Leon Golub vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics. Mit dem Röntgenteleskop von "Hinode" könne man diese zum ersten Mal deutlich sehen.

Das Teleskop, ein Gemeinschaftsprojekt der Raumfahrtbehörden Europas, Japans und der USA, war im vergangenen September ins All geschossen worden. Es soll neue Erkenntnisse über die Abläufe auf der Sonne liefern.

Astronomen feierten die nun publizierten Fotos und Videos als großen Erfolg: "Zum ersten Mal können wir kleine Spots von heißem Gas ausmachen, die in der magnetisierten Sonnenatmosphäre aufsteigen und absinken", sagte Nasa-Wissenschaftler Dick Fisher. Die Bilder markierten den Beginn einer neuen Ära in der Erforschung der Prozesse auf der Sonne, welche die Erde, Satelliten und das gesamte Sonnensystem beeinflussten.

Das Teleskop werde eine Vielzahl neuer Erkenntnisse ermöglichen, ergänzte Golub auf einer Pressekonferenz. "Alles, was wir über Röntgenaufnahmen von der Sonne zu wissen glaubten, ist veraltet."

Die Wissenschaftler wollen nicht allein die Vorgänge auf der Sonne besser verstehen. Sie hoffen auch darauf, eines Tages das Weltraumwetter vorhersagen zu können, um beispielsweise den Ausfall von Satelliten zu verhindern.

hda/rtr

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