Spektakuläres Foto Sternenleiche unter zerfetztem Schleier

Vor fast 1000 Jahren flammte am Himmel über der Erde eine gewaltige Explosion auf. Im All hatte sich ein Stern in einer Supernova selbst entleibt - und hinterließ den Krebsnebel. Fotos des "Hubble"-Teleskops zeigen die kosmische Leiche jetzt detailreicher als je zuvor.


Ein zerfetzter, glühender Schleier über einer zermalmten Leiche war alles, was von dem einst stattlichen Stern übrig blieb. Vor rund 7500 Jahren entleibte sich der glühende Riese in einer Supernova und schleuderte seine Außenhülle ins All hinaus. Übrig blieb der Kern des Sterns, von seiner eigenen, enormen Schwerkraft zu einem Winzling zerquetscht.

Krebsnebel: Reste einer Supernova
NASA, ESA and Allison Loll/Jeff Hester

Krebsnebel: Reste einer Supernova

Die Explosion war so heftig, dass sie selbst auf der Erde noch zu sehen war - 6500 Lichtjahre oder knapp 62 Billiarden Kilometer entfernt. Japanische und chinesische Astronomen berichteten im Jahr 1054 von einem hellen Stern am Himmel, den sie nie zuvor gesehen hatten. Hätten die Forscher schon damals leistungsstarke Teleskope besessen, hätten sie beobachten können, wie die Reste des explodierten Sterns mit ungeheurer Geschwindigkeit ins All fliegen.

Der Krebsnebel, unter Astronomen auch unter der Kennung M1 oder NGC 1952 bekannt, gehört zu den am besten studierten und interessantesten Erscheinungen im All. Seine faserigen Strukturen sind die zerrissenen Reste des Sterns, die größtenteils aus Wasserstoff bestehen.

Der Kern des früheren Sterns, ein schnell rotierender Pulsar, ist nach Angaben des "Hubble"-Informationszentrums in Garching der Dynamo, der das bläuliche Leuchten im Innern des Nebels verursacht: Elektronen wirbeln fast mit Lichtgeschwindigkeit entlang der Magnetfeldlinien des Neutronensterns. Wie ein Leuchtturm schickt der Pulsar zwei Strahlenbündel ins All, die aufgrund der schnellen Drehung scheinbar 30 Mal pro Sekunde aufblitzen.

Die neue Aufnahme ist eine Kombination aus "Hubble"-Fotos der Jahre 1999 und 2000, die ein Bild des Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte in Chile überlagern. Die bei der Supernova weggeschleuderten Elemente leuchten in unterschiedlichen Farben: Blau für elektrisch neutralen Sauerstoff, Grün für einfach ionisierten geladenen Schwefel und Rot auf doppelt ionisierten Sauerstoff.

Seinen Namen erhielt der Krebsnebel aufgrund einer Zeichnung, die der irische Astronom William Parsons, auch als Lord Rosse bekannt, 1844 anfertigte. In seinem 91-Zentimeter-Teleskop schien der Nebel die Form eines Krebses mit einem länglichem Körper und zwei zangenartigen Armen zu haben.

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