Spionagevorwürfe Südkoreaner darf nicht ins All starten

Eigentlich sollte der Südkoreaner Ko San im April mit einer russischen Sojus-Kapsel zur ISS fliegen. Doch nun muss er am Boden bleiben - angeblich weil er gegen mehrere interne Regeln der Russen verstoßen hat. Offenbar geht es um Industriespionage.


Seoul - Ko San war so dicht dran. Gegen 36.000 Südkoreaner hatte sich der Computerexperte und Hobbyboxer in einem Wettbewerb durchgesetzt, um erster Astronaut seines Landes zu werden. Anschließend hatte er sich monatelang in einem komplizierten Trainingsprogramm in Südkorea und Russland geschunden.

Koreanische Raumfahrt-Kandidaten Ko San (links) und Yi Son Yeon (rechts): Spionagevorwürfe der Russen
REUTERS

Koreanische Raumfahrt-Kandidaten Ko San (links) und Yi Son Yeon (rechts): Spionagevorwürfe der Russen

Doch knapp einen Monat vor dem geplanten Flug zur Internationalen Raumstation kommt nun das Aus für Kos Weltraumpläne. Grund ist ein Veto der Russen. Die sind wütend, weil der Koreaner angeblich mehrfach gegen interne Trainingsvorschriften verstoßen hat. Nach einem Bericht der "Korea Times" geht es um Schulungsunterlagen: Zum einen soll Ko sein persönliches Trainingshandbuch unerlaubt per Post nach Hause geschickt haben, zum anderen soll er verbotenerweise in einem Flugleitfaden der russischen Sojus-Piloten gestöbert haben. Die Russen empfanden das offensichtlich als Industriespionage - und baten die Koreaner offiziell, Ko San zurückzuziehen.

Am Kos Stelle soll nun eine Frau ins All fliegen. Yi Son Yeon ist Expertin für Nanotechnologie und hatte zusammen mit ihrem Kollegen das Training absolviert. Läuft alles nach Plan, wird sie am 8. April vom kasachischen Weltraumbahnhof Baikonur ins All starten und gut eine Woche im All bleiben. Ko bleibt immerhin ihr Ersatzmann, sollten in letzter Sekunde vor dem Start Probleme bei Yi Son Yeon auftauchen.

Im Dezember 2006 hatten die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos und die südkoreanische Raumfahrtorganisation Kari einen Vertrag über den ersten Raumflug eines Südkoreaners geschlossen. Die Koreaner zahlen dafür nach russischen Angaben bis zu 25 Millionen Dollar.

chs/dpa



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