"Stardust"-Mission Surfer sollen Kometenstaub finden

Die "Stardust"-Raumsonde bringt am Wochenende Staub eines Kometen zur Erde zurück. Den Forschern der Nasa graut es aber offenbar davor, 1,5 Millionen Fotos auswerten zu müssen. Die Lösung: Die Bilder sollen ins Internet gestellt und von Freiwilligen analysiert werden.


Astronomen müssen mitunter ziemlich stupide Arbeiten verrichten. Sie lichten über Monate kleine Ausschnitte des nächtlichen Himmels ab und suchen anschließend in den Tausenden Fotos nach unbekannten Objekten. So erging es etwa Clyde Tombaugh, der Ende der zwanziger Jahre am Lowell Observatory in Arizona nach einem bis dahin unbekannten Planeten fahndete. Im Februar 1930 entdeckte er schließlich die Nadel im Heuhaufen: den Planeten Pluto - ein Punkt, der nur auf wenigen Fotos zu sehen war.

"Stardust"-Sonde vor Komet "Wild 2" (Zeichnung): 30.000 Mannstunden für Auswertung
NASA

"Stardust"-Sonde vor Komet "Wild 2" (Zeichnung): 30.000 Mannstunden für Auswertung

Im Vergleich zu heutigen Forschungsprojekten wirkt die Suche nach Pluto geradezu unspektakulär - immerhin konnte sie ein Astronom allein bewältigen. Die "Stardust"-Mission wird Nasa-Forschern einen so großen Berg Arbeit bescheren, dass sie jetzt Freiwillige per Internet rekrutieren wollen.

Die "Stardust"-Sonde soll am Sonntagvormittag gegen 11 Uhr deutscher Zeit zur Erde zurückkehren. Der Landeplatz liegt in der Wüste von Utah; die Sonde wird mit einem Fallschirm landen. "Stardust" hatte sich vor zwei Jahren bis auf 300 Kilometer an den Kometen "Wild 2" herangepirscht und in dessen Schweif Staubpartikel eingesammelt - so hoffen die Forscher zumindest. Der Kometenstaub könnte neue Erkenntnisse über die Anfänge des Sonnensystems liefern.

Das Problem ist jedoch, dass die eingefangenen Körnchen extrem klein sind. Sie messen nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde zwischen 10 und 300 Mikrometern. Nur Speziallabore sind in der Lage, den Staub zu analysieren. Zudem dürften sich nur schätzungsweise 45 Teilchen in dem tennisschlägergroßen Kollektor verfangen haben. Er besteht aus einem Hightech-Material, das die rasenden Staubkörner sanft abbremst, ohne sie zu verändern.

Um die Staubkörner überhaupt finden zu können, muss die Oberfläche des Kollektors systematisch nach kleinen Löchern durchsucht werden, die von eingefangenen Teilchen stammen - eine Sisyphusarbeit mit dem Mikroskop. 30.000 Stunden müsste ein einzelner Arbeiter nach einer Schätzung der University of California investieren, um 1,5 Millionen hochauflösende Fotos des Kollektors vier Mal zu durchkämmen.

Um schneller zu Ergebnissen zu kommen, wollen die Wissenschaftler deshalb Hilfe von Außen gewinnen. Die Fotos sollen im Internet veröffentlicht und dann von einem Heer Freiwilliger analysiert werden. Die Nasa will die Hobbyforscher allerdings vorab auf ihre Eignung prüfen: Eine kurze Schulung und ein Test sind geplant.

Die ersten mikroskopischen Aufnahmen des Kollektors dürften im März vorliegen. Dann könnte die übers Netz verteilte Jagd nach Spuren von Kometenkörnchen beginnen. Die Beteiligung Freiwilliger an Forschungsarbeiten ist in der Astronomie nicht neu. So beteiligen sich Tausende an der Suche nach Außerirdischen im Projekt "Seti@home" - allerdings stellen sie dabei lediglich die Rechenpower ihrer Computer zur Verfügung.



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