Geplantes Passagier-Raumschiff "Starship" soll in Texas zu erstem Test abheben

Ein Raumschiff für 100 Reisende soll das "Starship" werden, das Elon Musks Firma SpaceX gerade baut. Der Milliardär warnt die Anwohner: Beim Test dürfte es laut werden. Und macht ihnen ein Angebot.

"Starship"-Prototyp in Boca Chica
Veronica Cardenas/ REUTERS

"Starship"-Prototyp in Boca Chica


Das glänzende Ding sieht irgendwie nach einem Comicfahrzeug von Tim und Struppi aus, nach der legendären Rakete aus dem Album "Reiseziel Mond". Oder aber, so drückt es Elon Musk aus, nach einer Maschine von einem Schrottplatz des Star-Wars-Wüstenplaneten Tatooine. Welche Assoziationen man auch immer hat: Nahe der Siedlung Boca Chica im Süden von Texas baut der US-Raumfahrtkonzern SpaceX gerade an einem ziemlich bemerkenswerten Gefährt.

Das "Starship" soll das Fundament für Musks Vision werden, Passagierflüge zum Mond und Mars anzubieten, gar auf den fernen Himmelskörpern Kolonien einzurichten. Bis zu 100 Menschen könnten darin Platz finden. Eine "BFR" genannte Superschwerlastrakete soll das Raumschiff einst an ihrer Spitze ins All bringen.

Ab dem kommenden Monat soll das "Starship" zu einem ersten Testflug von dem Örtchen am Golf von Mexiko abheben. Dieser Flug wird allerdings noch nicht in den Weltraum führen, sondern nur als etwa 20 Kilometer hoher Hüpfer in die höheren Schichten der Atmosphäre.

Im August hatte SpaceX bereits ein verkleinertes Modell, den "Starhopper", zu einem Test abheben lassen. Das Gerät erreicht eine Höhe von 150 Metern und kehrte dann sanft zur Erde zurück. Der "Starhopper" wurde bei seinem Flug von einem neuen Triebwerk namens "Raptor" angetrieben, das "Starship" verfügt jetzt über drei davon. In Zukunft könnten es sogar noch mehr werden. Und die Trägerrakete "BFR", die es bisher allerdings noch nicht gibt, soll sogar mehr als 30 dieser kraftvollen Motoren haben.

Testflug ab Mitte Oktober

Musk soll die weitere Planung für sein Raumschiff am Samstag in Boca Chica präsentieren. Ein Testflug ist nach den Unterlagen, die SpaceX an die US-Regulierungsbehörde FCC geschickt hat, ab Mitte Oktober denkbar.

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Weil es bei diesem und bei zukünftigen Starts extrem laut werden könnte, hat SpaceX den rund 30 Hausbesitzern von Boca Chica übrigens gerade angeboten, ihre Häuser kurzerhand zu kaufen. Das Unternehmen erklärte in einem Schreiben, man würde das Dreifache des üblichen Marktpreises zahlen. Die Summe sei nicht verhandelbar. Man würde potenziellen Verkäufern aber eine Zusicherung machen: Sie könnten an zukünftigen VIP-Startpartys teilnehmen, die normalerweise nicht für die Öffentlichkeit zugänglich seien.

Das "Starship" soll allerdings nicht nur von Texas, sondern auch von Florida aus zu Versuchsflügen abheben. In der SpaceX-Niederlassung am Cape Canaveral läuft bereits der Bau des zweiten Prototyps. Auch er soll für einen Test verwendet werden. Nach Planungen des Unternehmens könnte es den ersten "echten" Start der Super-Schwerlastrakete dann im Jahr 2021 geben.

Zwei Jahre später dann könnte ein Team um den japanischen Künstler Yusaku Maezawa zu einer Reise rund um den Mond aufbrechen. Dieser Zeitplan ist aber sehr ambitioniert. Gleichzeitig muss SpaceX noch andere technische Probleme lösen, dabei geht es um die deutlich kleinere "Dragon"-Kapsel, mit der Astronauten zur Internationalen Raumstation fliegen sollen. Hier hatte es im April eine Explosion bei einem unbemannten Bodentest gegeben. Dadurch kam es zu weiteren Verzögerungen in dem Programm.

chs



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