Startverbot für Space Shuttle Treibstoffanzeige spielte verrückt

Die sieben Astronauten waren bereits in ihren Sitzen festgeschnallt, als die Entscheidung zum Abbruch fiel. Ein Fehler in der Treibstoffanzeige hat den Start der "Discovery" im letzten Augenblick verhindert. Jetzt soll die Raumfähre frühestens am Samstag ins All starten.


"Discovery" nach dem Abbruch des Countdowns: Fehlerhafte Treibstoffanzeige
REUTERS

"Discovery" nach dem Abbruch des Countdowns: Fehlerhafte Treibstoffanzeige

Cape Canaveral/Washington - Wenn bis Samstag der Fehler behoben ist, sei um 20.40 Uhr MESZ ein neues Startfenster auf, sagte der stellvertretende Shuttle-Programm-Manager Wayne Hale gestern am Weltraumbahnhof in Cape Canaveral. Astronauten und Weltraumexperten äußerten sich allerdings skeptisch, dass die Ingenieure das Problem bis dahin in den Griff bekommen.

Weil die Weltraumbehörde Nasa den ersten Start nach dem "Columbia"-Unglück vor zweieinhalb Jahren mit mehr als hundert Kameras filmen und fotografieren will, kommt nur ein Start bei Tageslicht in Frage. Das ist noch bis Ende Juli möglich. Danach müsste die "Discovery" bis September am Boden bleiben.

Der für 21.51 Uhr MESZ vorgesehene Start war gestern zweieinhalb Stunden vorher abgesagt worden. Eine der vier Treibstoffanzeigen im Außentank klemmte bei einem Testlauf und ließ sich nicht auf "leer" umstellen. Das ist wichtig, weil diese Anzeige für den Fall, dass der Treibstoff knapp wird, automatisch ein Triebwerk abstellen würde. Das Problem war bereits bei Tests im April sporadisch aufgetaucht. "Als die Anzeigen verrückt spielten, beschlossen wir, dass es Zeit war, alles abzusagen", sagte Hale. "Bis jetzt handelt es sich um eine unerklärliche Anomalie", sagte Nasa-Direktor Michael Griffin.

Discovery-Besatzung: "Unerklärliche Anomalie"
REUTERS

Discovery-Besatzung: "Unerklärliche Anomalie"

Die Astronauten mussten unverrichteter Dinge wieder aussteigen. Der Tank der senkrecht auf der Startrampe montierten Raumfähre wurde entleert. Er enthält rund zwei Millionen Liter flüssigen Sauerstoff und Wasserstoff. Wenn Ingenieure das Problem nicht finden können, muss der Shuttle zurück in den Hangar gebracht werden. Damit würde sich der Abflug weiter verzögern. Im September sollte eigentlich die Fähre "Atlantis" mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter zur Internationalen Raumstation ISS starten.

Die Weltraumbehörde hatte nach dem "Columbia"-Unglück 1,1 Milliarden Dollar (rund 910 Millionen Euro) in die Verbesserung der Shuttles und einen völlig neu konzipierten Außentank gesteckt. Vom Tank der "Columbia" war vor zweieinhalb Jahren beim Start ein Stück Schaumstoff abgesprengt worden und hatte den Tragflügel beschädigt.

Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre traten durch den Riss heiße Gase ein, verglühten Kabel und Leitungen und ließen den Shuttle über Texas auseinander brechen. Sieben Astronauten kamen dabei ums Leben.

Die "Discovery" soll unter anderem Nachschub sowie Ersatzteile zur ISS bringen.



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