Staubiger Mars Von Ozeanen keine Spur

Ein Instrument an Bord der Sonde "Mars Global Surveyor" hat in der Marswüste Hinweise auf Wasser entdeckt. Riesige Seen und Ozeane dürfte es dort dennoch nicht gegeben haben.


Mars-Atmosphäre mit (rechts) und ohne Staub: Wasser ja, Meere nein?
NASA

Mars-Atmosphäre mit (rechts) und ohne Staub: Wasser ja, Meere nein?

Feiner roter Staub an der Oberfläche eines heißen Planeten - nicht unbedingt der Ort, um nach Spuren einstiger Wasservorkommen zu suchen. Geologen der University of Arizona haben es dennoch getan, und sie sind fündig geworden.

Wie das Team um Joshua Bandfield im Fachmagazin "Science" berichtet, haben die Forscher auf Aufnahmen der Sonde "Mars Global Surveyor" kleine Mengen so genannter Karbonate identifiziert. Die Mineralien, allen voran Magnesit, können entstehen, wenn das in der Mars-Atmosphäre allgegenwärtige Kohlendioxid in Kontakt mit Wasser und Gesteinen kommt.

Schon seit sechs Jahren umkreist der "Global Surveyor" den Mars. An Bord hilft ein spezielles Instrument, das die thermische Signatur der Oberflächenstrukturen registriert, unterschiedliche Mineralien zu erkennen. Karbonate wurden bislang allerdings nicht gefunden, zumindest nicht in den großen Ablagerungen an der Oberfläche des Planeten.

Auch Bandfield und Kollegen mussten ihre Messdaten lange bearbeiten, bis sie im Staub der Marsoberfläche unscheinbare Karbonat-Anteile entdeckten. Ein großer Erfolg für die Wassersucher, gleichzeitig ein womöglich herber Rückschlag für alle Astronomen, die von einst großen Wasservorkommen auf der Marsoberfläche ausgehen.

Denn die aktuellen Erkenntnisse lassen vermuten, dass auf dem Mars zwar Karbonate anzutreffen sind, deren Anzahl für riesige Meere aber viel zu klein ist. Vielmehr könnten die neu entdeckten Vorkommen durch das Zusammentreffen von kleinen Staubpartikeln und Wasser aus der Atmosphäre entstanden sein. "Wir sehen derzeit weder die Felsen von Dover noch andere Kalkfelsen", sagt Bandfield. "Statt auf hohe Karbonat-Konzentrationen stoßen wir überall, wo Staub ist, auf kleine Mengen des Minerals."

Offensichtlich war der Mars, so die Geologen, schon immer ein eiskalter Planet. Denn warme und feuchte Phasen, wie sie von vielen Forscher vermutet werden, hätten ausgedehnte Kalkschichten entstehen lassen. Durch die starke Erosion auf dem Mars müssten diese größtenteils verschütteten Strukturen zumindest an einzelnen Stellen an die Oberfläche treten - und somit für den "Global Surveyor" sichtbar werden.

Alexander Stirn



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