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03. Januar 2008, 08:09 Uhr

Sternbild Hydrae

Forscher entdecken bislang jüngsten Exoplaneten

Er ist zehnmal so schwer wie Jupiter und höchstens zehn Millionen Jahre alt: Deutsche Astronomen haben den jüngsten bislang bekannten Exoplaneten aufgespürt. Die Entdeckung bestätigt auch die gängige Theorie zur Planetenentstehung.

Der Fund eines Planeten außerhalb unseres Sonnensystems ist heutzutage kaum noch eine Meldung wert - bereits mehr als 250 sind bekannt. Doch jener Koloss, der den etwa 180 Lichtjahre entfernten Stern TW Hydrae umkreist, ist etwas Besonderes: Er ist jünger als alle bisher bekannten Exoplaneten. Und je jünger ein Planet ist, umso leichter fallen Rückschlüsse auf seine Entstehungsgeschichte.

Exoplanet (Zeichnung): Erstmals direkter Beweis für Entstehung aus Staubscheibe
Johny Setiawan

Exoplanet (Zeichnung): Erstmals direkter Beweis für Entstehung aus Staubscheibe

Der Exoplanet bewegt sich an der Innenkante einer Staubscheibe, die den Zentralstern umschließt. "Seinen Mutterstern umgibt noch jene Gas- und Staubscheibe, aus der der Planet kürzlich geboren wurde", teilte das Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie mit. Damit sei erstmals der direkte Beweis erbracht, dass Planeten aus solchen scheibenförmigen Materiesammlungen um Sterne entstehen können, schreiben die Forscher um Johny Setiawan im Fachmagazin "Nature" (Bd. 451, S. 40).

Die Heidelberger Forscher hatten seit 2003 gezielt 200 sehr junge Sterne auf mögliche Planeten untersucht. Ein Planet kann maximal so alt sein wie der Stern selbst. Bei ihren Beobachtungen werteten die Wissenschaftler die sogenannten Radialgeschwindigkeiten der Sterne aus. Dies sind die Geschwindigkeiten, mit denen sich die Sterne auf einen Beobachter von der Erde zu- oder wegbewegen. Kleinste Schwankungen in dieser Geschwindigkeit sind Hinweise dafür, dass ein umkreisender Planet mit seiner Schwerkraft die Sternenbewegung leicht verändert.

Beim TW Hydrae im Sternbild Wasserschlange (Hydrae) haben die Forscher solche Schwankungen gefunden: Ein Exoplanet von der zehnfachen Masse des Jupiters kreist in nur dreieinhalb Tagen um den Stern. Sein Abstand beträgt dabei sechs Millionen Kilometer, was nur vier Prozent des Abstandes der Erde von der Sonne entspricht. Da TW Hydrae auf ein Alter von acht bis zehn Millionen Jahre geschätzt wird, müsse der TW Hydrae b genannte Exoplanet in dieser Zeit entstanden sein, erklären die Forscher. Unsere Sonne ist bereits rund 500 Mal so alt.

Heiße Angelegenheit: Der Exoplanet umkreist TW Hydrae auf einer kleinen Umlaufbahn in nur dreieinhalb Tagen
Johny Setiawan

Heiße Angelegenheit: Der Exoplanet umkreist TW Hydrae auf einer kleinen Umlaufbahn in nur dreieinhalb Tagen

Aus Beobachtungen mit dem Hubble-Weltraumteleskop ist bekannt, dass sich um TW Hydrae eine Materiescheibe aus Staub und Gas befindet. Die Forscher wollen nun mit weiteren Beobachtungen und Computersimulationen den genauen Ablauf der Planetenentstehung untersuchen.

Die systematische Erforschung der extrasolaren Planeten, also der Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, hat Mitte der neunziger Jahre begonnen. Bei den 250 seither entdeckten extrasolaren Planeten handelt es sich meist um Gasriesen. "Da Planeten nahe bei einem hellen Stern wie Glühwürmchen neben einem Flutlichtstrahler erscheinen, lassen sie sich meist noch nicht direkt beobachten", heißt es in der Mitteilung des Heidelberger Instituts. Die Astronomen sind daher auf indirekte Nachweismethoden angewiesen (siehe Kasten).

hda/ddp/dpa

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