Sternbild Schütze Astronomen finden Mini-Exoplaneten

Rund 300 ferne Planeten haben Forscher bislang im Universum aufgespürt - aber der nun entdeckte ist ein ganz besonderer: Der Himmelskörper ist nur mal dreimal so schwer wie die Erde und damit der leichteste bekannte Exoplanet.


St. Louis - Rasanter geht's kaum: Vor 20 Jahren waren Exoplaneten nur Theorie. Dass ein Tausende Lichtjahre von der Erde entfernter Stern von einer Art Erde umkreist wird, war denkbar, aber ein Nachweis dafür fehlte. 1992 wurde der erste Exoplanet entdeckt, mittlerweile sind es rund 300, die Astronomen mit unterschiedlichen Methoden aufgespürt haben.

Entdeckter Exoplanet (Zeichnung): Vermutlich von Wasser bedeckt
DPA

Entdeckter Exoplanet (Zeichnung): Vermutlich von Wasser bedeckt

Nun hat ein internationales Astronomenteam den bislang kleinsten Planeten außerhalb unseres eigenen Sonnensystems gefunden. Diese "Super-Erde" hat nur dreimal so viel Masse wie unser Heimatplanet und umkreist eine Mini-Sonne im Sternbild Schütze, wie die Forscher jetzt auf der Jahrestagung der American Astronomical Society (AAS) in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri berichtet haben.

Abgesehen von dem exotischen Begleiter eines Neutronensterns waren die kleinsten bekannten Exoplaneten bislang zwei Gesteinsplaneten mit mindestens fünfmal so viel Masse wie die Erde. Der jetzt entdeckte ferne Planet besteht vermutlich vor allem aus Eis und Gestein. Die Wissenschaftler glauben, dass der Planet komplett von einem tiefen Ozean bedeckt ist. Konkrete Hinweise auf Wasser oder gar Leben haben sie allerdings nicht.

Der rund 3000 Lichtjahre entfernte Exoplanet umkreist sein Zentralgestirn in etwa demselben Abstand wie die Venus unsere Sonne. Der Stern ist ein sogenannter Brauner Zwerg, der nur etwa sechs Prozent der Masse unserer Sonne hat. Damit ist er vermutlich zu leicht, um das Kernfusionsfeuer eines echten Sterns zu zünden. Dieses ist erst ab 0,07 Sonnenmassen möglich.

"Unsere Entdeckung zeigt, dass selbst die kleinsten Sterne Planeten haben können", sagte Teamleiter David Bennett von der University of Notre Dame im US-Bundesstaat Indiana. Bislang hätten alle Heimatsterne bekannter Exoplaneten mindestens 20 Prozent der Sonnenmasse - sie seinen also schwer genug, damit die Kernfusion in Gang kommt.

Der Braune Zwerg schimmert nach Darstellung der Forscher schwach fliederfarben am Himmel der neu entdeckten Welt und versorgt sie nur spärlich mit Wärme. Der ferne Planet verfügt nach Angaben der Forscher jedoch wahrscheinlich über eine dicke Atmosphäre, die höhere Temperaturen ermöglichen könnte.

Die Astronomen haben den Planeten mit der wissenschaftlichen Bezeichnung MOA-2007-BLG-192-Lb nicht direkt gesehen. Sie entdeckten die ferne Welt über einen Effekt der Allgemeinen Relativitätstheorie, demzufolge der Planet das Licht eines hinter ihm liegenden Sterns wie ein Brennglas bündelt, wie sie in einer der kommenden Ausgaben des Fachblatts "The Astrophysical Journal" berichten. Für diesen sogenannten Gravitationslinsen-Effekt müssen Erde, Planet und Hintergrundstern exakt in einer Linie liegen.

Die meisten der derzeit rund 300 bekannten Exoplaneten wurden dagegen bei sehr viel näheren Sternen entdeckt und verrieten sich durch ihre Schwerkraft, mit der sie an ihrem Heimatstern hin- und herzerren. Bei ihnen handelt es sich meist um riesige, jupiterähnliche Gasplaneten.

hda/dpa



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