Sternfabrik Galaxie gebiert jeden Tag acht Sonnen

Am Ende der sichtbaren Welt verrät schwaches Leuchten erstaunliche Vorgänge, die sich recht kurz nach der Entstehung des Universums ereignet haben: In einer Galaxie entstehen jeden Tag acht Sterne.
Sternfabrik: 12,8 Milliarden Lichtjahre entfernt

Sternfabrik: 12,8 Milliarden Lichtjahre entfernt

Foto: ALMA/ ESO/ NAOJ/ NRAO/ NASA SSC

Astronomen haben nahe der Grenze des sichtbaren Universums die bislang produktivste Sternfabrik aufgespürt: In der fernen Galaxie mit der Katalognummer HFLS3 entstehen jedes Jahr rund 3000 neue Sterne - mehr als 2000-mal so viele wie in unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Täglich werden dort also gut acht Sonnen geboren.

Ein Team um Dominik Riechers von der Cornell University in Ithaca, New York hatte die ferne Sternfabrik mit zwölf Weltraum- und erdgebundenen Observatorien untersucht. "Es handelt sich um den detailliertesten Blick in die physikalischen Eigenschaften einer derart fernen Galaxie, der jemals gewonnen wurde", betont Riechers in einer Mitteilung des US-Radioobservatoriums NRAO, das an der Beobachtungskampagne beteiligt war.

Die Galaxie ist den Messungen zufolge, die im Wissenschaftsblatt "Nature" veröffentlicht wurden , 12,8 Milliarden Lichtjahre entfernt. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht in einem Jahr zurücklegt, und entspricht knapp zehn Billionen Kilometern. Damit sehen die Astronomen die Galaxie, wie sie vor 12,8 Milliarden Jahren kurz nach dem Urknall aussah. Das Universum ist etwa 13,7 Milliarden Jahre alt. Zwar scheinen sich die Vorgänge für Menschen aktuell zu ereignen, sie liegen aber bereits lange zurück - doch jetzt erreicht das Licht die Erde.

Neue Teleskope

Die große Entfernung macht HFLS3 zur frühesten derartigen Sternfabrik im jungen Universum, die bis jetzt gefunden wurde. "Detaillierte Informationen über solche Galaxien sind von zentraler Bedeutung, wenn wir verstehen wollen, wie sich Galaxien, Galaxiengruppen und Galaxienhaufen im jungen Universum gebildet haben", betont Riechers. "Diese Galaxie ist der Beleg dafür, dass sehr intensive Phasen der Sternentstehung bereits 880 Millionen Jahre nach dem Urknall existiert haben."

HFLS3 besitzt den Beobachtungen zufolge Sterne mit insgesamt 40 Milliarden mal der Masse unserer Sonne und dazu Gas und Staub im Umfang von hundert Milliarden Sonnenmassen. Sie ist nicht die einzige Sternenfabrik im jungen Universum. Mit dem gerade erst offiziell in Betrieb genommenen Radioobservatorium ALMA (Atacama Large Millimetre/Submillimetre Array) in der chilenischen Atacama-Hochwüste hat ein anderes Forscherteam mehr als hundert solcher frühen Sternfabriken katalogisiert und stellt diesen Katalog in einer der künftigen Ausgaben des Fachblatts "The Astrophysical Journal" vor.

"Astronomen haben über ein Jahrzehnt auf Daten wie diese gewartet", betont Erstautorin Jacqueline Hodge vom Heidelberger Max-Planck-Institut für Astronomie in einer Mitteilung der Europäischen Südsternwarte Eso, die das Observatorium betreibt. Dank der besseren Sehschärfe des neuen Observatoriums entdeckten die Forscher, dass manche Sternfabriken mit einer scheinbar sehr hohen Produktionsrate in Wahrheit zwei Einzelgalaxien sind, die sich optisch überlappen. Der Alma-Katalog soll nun eine Grundlage für die genauere Untersuchung der frühen Sternfabriken in anderen Wellenlängenbereichen bilden.

boj/dpa
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