Suche nach zweiter Erde Astronomen finden 32 neue Exoplaneten

Astronomen haben eine ungewöhnlich große Zahl von Exoplaneten aufgespürt. Viele der Himmelskörper sind kaum schwerer als unser Heimatplanet. Eine zweite Erde befindet sich zwar nicht unter ihnen - aber ihre Entdeckung halten Forscher nur noch für eine Frage der Zeit.


Genf - Die gute Nachricht zuerst: Bei der Suche nach fernen Welten haben europäische Forscher einen riesigen Schritt nach vorn gemacht. Auf einer Fachkonferenz in Portugal konnten Astronomen auf einen Schlag die Entdeckung von 32 Exoplaneten bekanntgegeben. Besonders begeistert sind die Wissenschaftler um Stéphane Udry von der Universität Genf, weil ein Großteil der neu entdeckten Himmelskörper vergleichsweise leicht ist. Die Anzahl der Exoplaneten in dieser Kategorie sei mit der Neuentdeckung um ein Drittel gestiegen, teilte die Europäische Südsternwarte (Eso) mit.

Der Beutezug gelang mit Hilfe des Harps-Instruments ("High Accuracy Radial Velocity Planet Searcher") des 3,6-Meter-Teleskop im chilenischen La Silla. Die Wissenschaftler nutzten die Tatsache, dass Planeten die Bewegung ihres Zentralgestirns minimal beeinflussen. Der Stern gerät auf einen Schlingerkurs, bewegt sich minimal auf den Betrachter zu und anschließend wieder von ihm weg (siehe Kasten links). Die periodischen Änderungen in der Wellenlänge des ausgesendeten Lichts lässt sich mit Instrumenten wie Harps nachweisen.

Fünf Jahre haben die Forscher mit dem Gerät den Nachthimmel abgesucht. In 2.400 Metern Höhe liegt das Observatorium in Chile - und bietet damit exzellente Sichtbedingungen. Harps habe dabei geholfen, gut 75 der etwa 400 derzeit bekannten Exoplaneten zu entdecken, so die Wissenschaftler. Nun geht die fünfjährige Beobachtungsperiode zu Ende - und zum Abschluss sollte es noch einmal einen richtigen Kracher geben. Deswegen wurde die Pressekonferenz zu den 32 Neuentdeckungen einberufen.

Allerdings, und das ist die weniger gute Nachricht: Den Fund einer zweite Erde, das Traumziel aller Planetenforscher, konnten die Wissenschaftler auch diesmal nicht erreichen. Für diese Aufgabe ist Harps schlicht nicht präzise genug, sagen sie. Udry und Kollegen verkünden aber stolz, dass sie zwei Exoplaneten mit etwa fünf Erdmassen und zwei weitere mit etwa sechs Erdmassen entdeckt hätten. Nur seien die viel zu kalt, um Leben zu beherbergen, sagt Xavier Bonfils vom Lisbonne Observatory in Portugal. Er war ebenfalls an der Entdeckung beteiligt.

Weitere Entdeckungen in sechs Monaten

Vor gut einem Monat hatten Astronomen erstmals durch direkte Messungen bewiesen, dass der Exoplanet CoroT-7b aus Fels bestehen muss. Die Forscher bestimmten Durchmesser und Masse und konnten so die mittlere Dichte des 500 Lichtjahre entfernten Himmelskörpers berechnen. Sie ist mit 5,6 Gramm pro Kubikzentimeter nur wenig größer als die der Erde mit 5,15 Gramm pro Kubikzentimeter. Trotzdem rechnen die Forscher nicht mit Leben auf CoroT-7b, denn er umkreist seinen Stern in gebundener Rotation: Eine Seite des Planeten ist stets dem Stern zugewandt, die andere ihm abgewandt. Die Sonnenseite von CoroT-7b ist geschätzte 2.000 Grad heiß und besteht vermutlich aus Lava und kochenden Ozeanen. Die Nachtseite dürfte mit minus 200 Grad ebenso lebensfeindlich sein.

Mit der Neuentdeckung der 32 Exoplaneten verstärkt sich ein Eindruck, den viele Forscher schon seit längerer Zeit haben: Exoplaneten in fernen Sternensystemen sind alles andere als eine Seltenheit. "40 bis 60 Prozent der sonnenähnlichen Sterne haben Planeten", sagt Udry. Die Milchstraße wiederum besteht aus 100 bis 300 Milliarden Sternen - weshalb viele Forscher die Entdeckung einer zweiten Erde nur noch für eine Frage der Zeit halten."In weniger als sechs Monaten werden wir weitere Entdeckungen bekanntgeben", sagt Udry.

chs



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