Riesige Supernova Astronomen staunen über Sternexplosion an ungewöhnlichem Ort

Das deutsche Weltraumteleskop »eRosita« hat einen spannenden Fund gemacht. Es handelt sich um den größten Supernova-Überrest, der jemals mit einem Röntgenteleskop aufgespürt wurde.
Supernova-Überrest »Hoinga« in einer Aufnahme, für die Radio- und Röntgendaten zusammengefügt wurden

Supernova-Überrest »Hoinga« in einer Aufnahme, für die Radio- und Röntgendaten zusammengefügt wurden

Foto: N. Hurley-Walker / eROSITA / MPE / CHIPASS / SPASS / ICRAR-Curtin

Wenn ein massereicher Stern alt wird, gerät er aus dem Gleichgewicht. Die Fusionsprozesse in seinem Inneren erzeugen dann nicht mehr genug Energie – und die Gravitation gewinnt gegenüber dem Strahlungsdruck die Oberhand. Der Stern kollabiert und wird durch eine Explosion vernichtet. Für kurze Zeit leuchtet er dabei so hell wie eine ganze Galaxie.

Solch eine Supernova kann am irdischen Himmel für einen Zeitraum von mehreren Wochen oder Monaten beobachtet werden. Doch im All lässt sie sich noch länger nachweisen, etwa hunderttausend Jahre. Das liegt an den Millionen Grad heißen Gasfetzen, die bei der Explosion entstehen.

Etwa 300 solcher Supernova-Überreste sind heute bekannt. Nun hat ein Team von Astronomen um Werner Becker vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik (MPE) in Garching mithilfe des Weltraumteleskops »eRosita« eine neue entdeckt. Im Fachmagazin »Astronomy & Astrophysics«  wird es in Kürze eine Veröffentlichung dazu geben.

Interessant ist: Die Zahl der bisher bekannten Supernova-Überreste ist viel niedriger als die 1200, die in unserer Heimatgalaxie theoretisch existieren sollten. Entweder schätzten die Astrophysiker also die Supernova-Rate bisher falsch ein, oder die große Mehrheit wurde bislang übersehen.

Der aktuelle Fund liefert Hinweise, dass der zweite Grund zutreffen könnte. Das neue, »Hoinga« getaufte Objekt befindet sich weit außerhalb der galaktischen Ebene. Und dort wurde bisher kaum nach Überresten explodierter Sterne gesucht. Das hat damit zu tun, dass auf der galaktischen Scheibe die Sternentstehungsaktivität am höchsten ist. Daher sollten stellare Überreste dort auch häufiger zu finden sein.

Aber offenbar nicht nur dort, wie die aktuelle Beobachtung zeigt. Weitere Funde scheinen möglich: »Wir sind überzeugt, viele der fehlenden Supernova-Überreste zu entdecken und damit zur Lösung dieses langjährigen astrophysikalischen Rätsels beizutragen«, so Forscher Becker.

Am Himmel so groß wie 90 Vollmonde

Dem Team zufolge ist »Hoinga« – benannt nach der mittelalterlichen Bezeichnung für Beckers Geburtsort Bad Hönningen am Rhein – nicht nur ungewöhnlich gelegen. Das Objekt ist auch sehr groß, mit einem Durchmesser von 4,4 Grad bedeckt es am Firmament eine Fläche von etwa 90 Vollmondscheiben.

Bei der Suche in archivierten Röntgen- und Radiodaten früherer Missionen fanden die Forscher, dass »Hoinga« – wenn auch nur sehr schwach – bereits in den 30 Jahre alten Daten des deutschen Röntgenteleskops »Rosat« zu sehen ist. Wegen seiner Leuchtschwäche und seiner Lage bei hohen galaktischen Breiten fiel das riesengroße, diffuse Objekt jedoch niemandem auf. »Wir sind die Radioarchivdaten durchgegangen, und dieses Objekt hat nur darauf gewartet, entdeckt zu werden«, so Co-Autorin Natasha Walker-Hurley vom International Centre for Radio Astronomy Research in Australien.

chs/AFP
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