Temperaturrekord im All Ein Planet - heiß wie die Hölle

In weiter Ferne haben Wissenschaftler den heißesten bisher bekannten Planeten entdeckt. Auf seiner Oberfläche herrschen geschätzt 2027 Grad Celsius - selbst Platin würde dort schmelzen wie Butter. Wie die Hitze zustande kommt, ist rätselhaft.


Sein Name ist eher profan: HD 149026b. Seine Eigenschaften jedoch qualifizieren ihn als Standort der Hölle im All: Mehr als 2000 Grad Celsius ist es auf seiner Oberfläche heiß.

Etwa 260 Lichtjahre ist der Planet entfernt, er gehört zu den 230 bisher bekannten sogenannten Exoplaneten (siehe Kasten). Das US-Forscherteam, das den schon früher entdeckten Planeten jetzt untersucht hat, geht von einem bisher nie beobachteten Verhalten aus: Die gesamte Energie, die mit dem Licht seines Zentralgestirns auf den Planeten fällt, wird sofort als Hitze wieder ins All zurückgeworfen.

Ein Phänomen, das sich die Astronomen auch nicht recht erklären können. Möglicherweise stecken dahinter ungewöhnliche, bisher unbekannte Vorgänge in der Atmosphäre des Planeten, schreiben Joseph Harrington von der Cornell University in Ithaca und seine Kollegen in der Fachzeitschrift "Nature".

HD 149026b ist erst der vierte Exoplanet, bei dem eine genaue Bestimmung der Oberflächentemperatur gelungen ist. In diesem Fall wandten die Astronomen ein Verfahren an, das in abgewandelter Form auch bei der Suche nach Planeten außerhalb des Sonnensystems genutzt wird: Sie beobachteten, wie stark sich die gemeinsame Infrarotstrahlung von Planet und Mutterstern verringert, wenn der Planet von der Erde aus betrachtet hinter dem Stern verschwindet. Aus der Vorher-nachher-Differenz lässt sich die Temperatur berechnen, die auf der dem Stern zugewandten Seite des Planeten herrschen muss.

2027 Grad Celsius ergab diese Berechnung - damit sei der Planet sehr viel heißer gewesen als erwartet, schreiben die Forscher.

Um derart effizient die Sonnenenergie seines Muttersterns aufzunehmen, müsste die Oberfläche des Planeten eigentlich tiefschwarz sein. Gleichzeitig müsste er die aufgenommene Energie in kürzester Zeit vollständig in Infrarotstrahlung umwandeln und sofort wieder abstrahlen. Wie HD 149026b das anstellt, ist für die Astronomen bisher ein Rätsel.

Möglicherweise beeinflussen auf irgendeine Art die gasförmigen Titan- und Vanadiumverbindungen die Temperatur auf der Oberfläche - sie kommen in der Atmosphäre in hohen Konzentrationen vor. Alternativ könnte es eine zusätzliche Wärmequelle im Inneren des Planeten geben. Um das genauer zu klären, seien dringend weitere Messungen notwendig, schreiben die Forscher.

Schon vor der neuen Entdeckung galt HD 149026b als ungewöhnlich: Für einen sogenannten "heißen Jupiter" ist der Gasplanet ziemlich klein - etwas kleiner als der Saturn. Er besitzt aber allein in seinem Kern Schätzungen zufolge 70- bis 90-mal die Masse der Erde. Auch vereinigt er mehr schwere Elemente in sich, als in unserem gesamten Sonnensystem mit Ausnahme der Sonne selbst vorkommen.

Außerdem gilt es als wahrscheinlich, dass auf dem Exoplaneten nicht überall die gleiche Temperatur herrscht, sondern dass er seinem Stern ständig nur eine Seite zuwendet - ähnlich wie es der Mond gegenüber der Erde tut.

cis/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.