Rückschlag für Boeing-Raumschiff Testflug von "Starliner" zur ISS fehlgeschlagen

Das Boeing-Raumschiff "Starliner" wird nicht wie geplant an die ISS andocken. Nach dem Start hatte es Probleme gegeben, bei denen offenbar zu viel Treibstoff verbrannt wurde.
Eine Atlas-5-Rakete mit Boeings Raumschiff "Starliner" startete vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Der Testflug ist gescheitert

Eine Atlas-5-Rakete mit Boeings Raumschiff "Starliner" startete vom US-Weltraumbahnhof Cape Canaveral. Der Testflug ist gescheitert

Foto: Foto: Terry Renna/AP/dpa

Der Testflug einer Raumkapsel, die das private Luftfahrtunternehmen Boeing für bemannte Raummissionen der US-Raumfahrtbehörde Nasa entwickelt hat, ist fehlgeschlagen. Nach dem Start vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral schlug "Starliner" einen falschen Kurs zur Internationalen Raumstation ISS ein. Das teilten Boeing und die Nasa mit. Daher werde die unbemannte Kapsel die ISS nicht erreichen.

Zunächst hatte Nasa-Administrator Jim Bridenstine auf Twitter geschrieben, die Kapsel sei in einer stabilen Umlaufbahn um die Erde. Allerdings habe ein Antrieb versagt, der für das Erreichen der ISS notwendig sei. Dafür könnte ein Softwarefehler verantwortlich sein.

Vor Journalisten sagte Bridenstine später, eine "Anomalie" an der Borduhr habe zu dem Problem geführt. "Das Raumfahrzeug befand sich in einer anderen Zeit als in der tatsächlichen", sagte Bridenstine. Weil die Bordinformatik suggeriert habe, dass der Flug bereits in einem späteren Stadium sei, als tatsächlich der Fall war, habe die Kapsel mehr Treibstoff verbraucht als geplant. Deshalb sei es nicht möglich, an die ISS anzudocken. Nasa-Angaben zufolge soll die Mission nun schon nach 48 Stunden mit der Landung auf der Erde wieder enden.

Eigentlich hätte das Raumschiff am Samstag erstmals 400 Kilometer über der Erdoberfläche an die ISS andocken sollen. Die Rückkehr war für den 28. Dezember geplant.

Der gescheiterte Testflug ist ein Rückschlag für die Bemühungen der USA, bei bemannten Raumfahrtmissionen von russischen "Sojus"-Raketen unabhängig zu werden. 2011 hatte die US-Raumfahrtbehörde ihr eigenes Shuttle-Programm nach drei Jahrzehnten eingestellt. Später wurde ein Strategiewechsel für eine Rückkehr zur bemannten Raumfahrt mit US-Raumkapseln eingeleitet: Statt selbst neue Shuttles zu entwickeln, wurden Privatunternehmen dafür angeheuert.

Nasa-Angaben zufolge soll die Mission nun schon nach 48 Stunden mit der Landung auf der Erde wieder enden

Nasa-Angaben zufolge soll die Mission nun schon nach 48 Stunden mit der Landung auf der Erde wieder enden

Foto: Joel Kowsky/NASA/dpa

Boeing wie auch sein Konkurrent SpaceX erhielten in der Folge Milliardenbeträge, um bemannte Raumfähren für die US-Raumfahrt zu entwickeln. SpaceX absolvierte bereits im März mit seiner für bemannte Missionen vorgesehenen Raumfähre "CrewDragon" einen erfolgreichen Testflug zur ISS. An Bord war, wie jetzt beim "Starliner", nur ein Dummy, also eine mit Sensoren versehene Puppe.

cop/dpa/AFP
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