Theorie bestätigt Planeten entstehen aus Staubscheiben

Forscher haben erstmals eine Sonne entdeckt, die sowohl von einer gigantische Staubscheibe als auch von Planeten umkreist wird. Damit scheint eine alte Vermutung bewiesen: Planeten bilden sich beim Zusammenklumpen von Staub und Felsbrocken.


Stern mit Staubscheibe (Zeichnung): Planeten zwischen Sonne und Ring aus Staub
NASA/ JPL

Stern mit Staubscheibe (Zeichnung): Planeten zwischen Sonne und Ring aus Staub

In der Theorie waren sich die Astronomen schon lange weitgehend einig: Felsige Planeten bilden sich aus den Staubwolken, die junge Sterne umhüllen. Die Staubteilchen kollidieren miteinander, klumpen zusammen, und aus den immer größeren Brocken entstehen schließlich Planeten. Manchmal krachen die größeren Gebilde auch aneinander und zerbersten in viele kleine Einzelteile.

Die Reste solcher Crashs in der Sternumlaufbahn sammeln sich mit der Zeit in einem gigantischen Donut-förmigen Ring weiter außen - ähnlich wie im Kuiper-Gürtel unseres Sonnensystems. Erst im Oktober hat ein US-Forscherteam diese Theorie mit Computersimulationen untermauert.

Beobachten konnten Wissenschaftler bisher jedoch nur zwei Arten von Erscheinungen: junge Sterne mit Staubscheibe oder ältere Sterne mit großen Gasplaneten. Sterne mit Staubscheibe und Planeten zugleich waren den Forschern noch nicht untergekommen.

Roter Zwerg "AU Microscopii": Licht des Sterns lässt Staubscheibe leuchten
NASA/ ESA

Roter Zwerg "AU Microscopii": Licht des Sterns lässt Staubscheibe leuchten

Das Spitzer-Teleskop hat diesen "missing link" der Planetenentstehung nun beobachtet. Das um die Erde kreisende Superauge spürte gleich sechs verschiedene Staubringe auf, die sich jeweils um einen Stern ähnlich unserer Sonne drehen. Von diesen Sternen wussten Astronomen bereits, dass sie von Planeten umkreist werden.

"Junge Sterne besitzen große Mengen des Baumaterials für Planeten", sagte Charles Beichmann vom Jet Propulsion Laboratory der Nasa. "Älteren Sternen bleibt nur übrig gebliebener Schutt." Die Beobachtung passe zur bisherigen Theorie der Entstehung von Planeten. Die sechs vom Spitzer-Teleskop beobachteten Solarsysteme sind 50 bis 160 Lichtjahre von der Erde entfernt.

Sonnenähnlicher Stern HD 107146 mit Staubscheibe: "Mögliche Vergangenheit unseres Sonnensystems"
NASA/ ESA

Sonnenähnlicher Stern HD 107146 mit Staubscheibe: "Mögliche Vergangenheit unseres Sonnensystems"

Die Spitzer-Aufnahmen zeigen erstmals eine direkte Verbindung zwischen Planeten und Staubscheiben, betonte Beichmann. "Jetzt können wir die genauen Zusammenhänge untersuchen." Die Studien könnten bei künftigen Missionen zum Auffinden von Planeten hilfreich sein.

Das Nasa-Teleskop Hubble lieferte ebenfalls neue, beeindruckende Bilder von Sternen mit Staubscheiben. Allerdings umwaberten diese stets junge Sterne ohne Planeten. "Das neue Hubble-Foto ermöglicht uns den bisher besten Blick auf eine Scheibe um einen Stern, der so groß ist wie unsere Sonne", sagte David Ardila von der Johns Hopkins University in Baltimore. "Es zeigt eine der möglichen Vergangenheiten unseres Sonnensystems."



© SPIEGEL ONLINE 2004
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.