Tiefenradar Große Eismengen auf dem Mars entdeckt

Mit einem Spezialradar hat die europäische Raumsonde "Mars Express" tief unter die Oberfläche des Roten Planeten gespäht. Das Resultat: In den kalten Tiefen schlummern tatsächlich große Vorräte an Wassereis.

Schon lange haben Wissenschaftler den Verdacht gehegt, dass der Mars einst großflächig von Wasser bedeckt war. Daten der europäischen Sonde "Mars Express" und der beiden US-Roboter "Spirit" und "Opportunity", die seit fast zwei Jahren auf dem Mars umherfahren, haben bereits Beweise für frühere Wasservorkommen geliefert. Offen blieb lediglich, wie groß sie waren.

Neue Daten von "Mars Express" belegen jetzt, dass der Rote Planet in ferner Vergangenheit tatsächlich eine feuchte Welt war. Die Sonde hat mit Hilfe ihres Bodenradars "Marsis" (Mars Advanced Radar for Subsurface and Ionospheric Sounding) bis zu einen Kilometer tief unter die Oberfläche des Planeten geschaut. Schon die ersten Messungen in der Region Chryse Planitia zeigten ein unterirdisches Eisfeld mit einem Durchmesser von rund 250 Kilometern.

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Neue Messungen: Mars war einst eine feuchte Welt

Foto: ESA/OMEGA/HRSC

Zwei weitere unterirdische Lagerstätten, die nahe des Mars-Nordpols gefunden wurden, sind über einen Kilometer tief und bestehen aus nahezu reinem Wassereis, teilte die europäische Raumfahrtbehörde Esa heute in Paris mit. Das Eis sei nur zu zwei Prozent verunreinigt, schreiben die Forscher um Giovanni Picardi von der Universität Rom im Fachblatt "Science". In tieferen Zonen bestehe der Boden aus einer betonartigen Mischung aus Sand und Wassereis.

Milliarden Jahre altes Eisvorkommen

Der Planetenforscher Ralf Jaumann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sagte, das unterirdische Eisvorkommen habe sich bereits vor mehr als drei Milliarden Jahren gebildet. Vermutlich seien damals große Mengen Eis durch einen gewaltigen Vulkanausbruch geschmolzen und in die tief gelegene Region Chryse Planitia abgeflossen. Rund 90 Prozent des auf dem Mars noch vorhandenen Wassers stecke wahrscheinlich unter der Oberfläche. Die restlichen zehn Prozent befänden sich an den Polkappen und in der Atmosphäre.

"Wenn es einmal einen Ozean auf dem Mars gegeben hat, dann in Chryse Planitia", sagte Esa-Missionsanalytiker Michael Khan. Unter der Oberfläche vermutet er mehrere Hundert Kubikkilometer Wassereis. Nach Khans Worten bestärkt der Fund die Forscher auf der Suche nach Leben auf dem Roten Planeten. Einiges deute darauf hin, dass es neben Wassereis auch heute noch flüssiges Wasser auf dem Mars gebe - und damit die wichtigste Voraussetzung für Leben in seiner bekannten Form.

Bei der Untersuchung der Atmosphäre durch "Mars Express" habe sich auch gezeigt, das es Bereiche mit einer erhöhten Konzentration von Methan und Wasserdampf gebe, sagte Khan. "Es muss irgendwo eine Wärmequelle geben." Methan und Wasserdampf könnten durch geologische Prozesse oder aber von Lebewesen erzeugt werden.

"Omega"-Instrument zeigt wasserhaltiges Gestein

Daten des "Omega"-Instruments an Bord von "Mars Express" stützen die neuen Erkenntnisse. "Omega" hat nach Infrarotlicht gesucht, das von der Marsoberfläche reflektiert wird und dessen Spektrum Anzeichen bestimmter Minerale, sogenannter Phyllosilikate, enthält. Das Gestein entsteht, wenn vulkanisches Gestein mit Wasser reagiert.

Mit Hilfe von "Omega" haben die Wissenschaftler nun größere Mengen dieser Phyllosilikate entdeckt - allesamt in Gebieten, die aus der frühesten geologischen Phase des Mars vor 3,5 bis 3,8 Milliarden Jahren datieren. Der Planet entstand etwa zur gleichen Zeit wie die Erde, vor etwa 4,6 Milliarden Jahren.

François Poulet von der Université Paris-Sud und seine Kollegen schreiben im Fachblatt "Nature", dass der Mars in seiner frühesten Jugend offenbar zu großen Teilen von Wasser bedeckt war. Anschließend habe es eine relativ milde, trockenere Phase gegeben, während der die anderswo nachgewiesenen Sulfate entstanden seien.

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