Jurist zu Weltraumplänen von Tom Cruise "Notfalls vielleicht im Klo einsperren"

US-Schauspieler Tom Cruise plant angeblich einen Filmdreh auf der Internationalen Raumstation. Klingt spektakulär? Der Weltraumrechtler Stephan Hobe, nun ja, erdet die Aktion etwas.
Ein Interview von Christoph Seidler
SpaceX-Kapsel an der Internationalen Raumstation (künstlerische Darstellung)

SpaceX-Kapsel an der Internationalen Raumstation (künstlerische Darstellung)

Foto: SPACEX HANDOUT/EPA-EFE/Shutterstock

Der Nasa-Chef war aufgeregt. Man arbeite mit Tom Cruise an einem Film, der auf der Internationalen Raumstation (ISS) entstehen solle, verkündete Jim Bridenstine am Dienstag. "Wir brauchen populäre Medien, um eine neue Generation von Ingenieuren und Wissenschaftlern zu inspirieren." Diese sollten dann die ehrgeizigen Pläne der US-Weltraumbehörde Wirklichkeit werden lassen, so Bridenstine. Gemeint dürfte zum Beispiel die Rückkehr zum Mond sein, die Präsident Donald Trump angewiesen hat.

Von Tom Cruise selbst gab es bisher noch keine Bestätigung für das Filmprojekt, über das als Erstes das Branchenblatt "Deadline.com" berichtet hatte. Doch Elon Musk, mit dessen "Crew Dragon"-Kapsel der Superstar angeblich fliegen soll, twitterte: "Das wird ein Riesenspaß!"

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Bisher gab es sieben Privatleute auf der ISS, allesamt reiche Individualtouristen. Im Gegensatz zu Profi-Astronauten blieben sie für gewöhnlich deutlich kürzer auf der Station, normalerweise zwischen ein und zwei Wochen.

Alle zahlenden Gäste sind bisher mit russischen Kapseln geflogen. Russland plant auch weitere kommerzielle Starts. Einen Privatflug mit SpaceX hat es bisher noch nicht gegeben, doch das ist Teil des geplanten Geschäftsmodells der Firma, die eines Tages auch zum Mond und Mars fliegen will. Zunächst müssen Musk und seine Leute aber einen wichtigen Meilenstein erreichen: Ende des Monats sollen sie erstmals zwei Nasa-Astronauten zur Raumstation bringen.

Wenn das geklappt hat, kann die Firma an weitere Transporte denken. Zum Beispiel an Tom Cruise. Doch welche Regeln würden für den Gast auf der Station gelten? Stephan Hobe, 62, ist Direktor des Instituts für Luftrecht, Weltraumrecht und Cyberrecht an der Universität Köln und kennt die Antworten.

SPIEGEL: Angenommen, Tom Cruise flöge tatsächlich zur Internationalen Raumstation, was dürfen Weltraumtouristen wie er dort eigentlich machen?

Hobe: Diese Gäste haben keine volle Ausbildung. Sie fliegen auf eigene Gefahr und sind genau genommen auch gar keine Astronauten, sondern nur sogenannte spaceflight partcicipants. Als Besucher an Bord müssen sie sich den Befehlen des Kommandanten unterordnen. Und sie dürfen nur das machen, was vorher vertraglich vereinbart wurde. Das heißt, in manche Module der Station kämen sie vielleicht gar nicht hinein.

SPIEGEL: Und was ist mit Experimenten?

Hobe: Damit hatten die bisherigen Gäste auf der Raumstation nichts zu tun. Die waren einfach nur dort oben und haben ihre Zeit genossen.

SPIEGEL: Tom Cruise ist ja vor allem für seine Action-Filme bekannt. Für Action ist aber auf der ISS kaum Platz, oder?

Hobe: Ja, ich würd da nicht zu viel erwarten. Cruise wird auf der ISS ein bisschen herumschweben und sich dabei filmen lassen. Um die Technik an Bord sorge ich mich auch nicht, da wird schon die Nasa darauf achten.

SPIEGEL: Wie steht es mit einem Ausstieg in den freien Weltraum?

Hobe: Derlei Details müssten vorher vereinbart werden. Ich kann mir aber einen Weltraumspaziergang für einen Gast wie Cruise kaum vorstellen. Das hat es bisher zumindest noch nicht gegeben, schließlich muss man dafür lange und intensiv trainieren.

SPIEGEL: Was passiert, wenn Gäste etwas auf der Raumstation kaputt machen?

Hobe: Auch das muss im Vertrag geregelt werden. Im Prinzip brauchen die Leute eine private Haftpflichtversicherung, die einen solchen Schaden abdeckt. Es war mal ein südafrikanischer Softwareunternehmer auf der ISS zu Gast, der hat gesagt: Wenn ich etwas kaputtmache, dann bezahle ich den Schaden selbst. Es ist aber nichts passiert.

SPIEGEL: Was passiert, wenn sich Gäste nicht an Ansagen des Kommandanten halten?

Hobe: Der Kommandant hat die Bordgewalt. Der ist der Herrscher über die Kapseln, über die Module, über die gesamte Station. Der kann unbotmäßige Gäste zurechtweisen.

SPIEGEL: Und wenn Worte nichts bewirken? Können renitente Gäste auch eingesperrt werden?

Hobe: Der Kommandant darf, wie übrigens auch der Pilot eines Passagierflugzeuges, notfalls auch physische Gewalt gegen einen Fluggast anwenden. Ob das in der Schwerelosigkeit und der Enge der Station überhaupt möglich ist, kann ich aber nicht beurteilen. Notfalls muss man einen so renitenten Gast dann vielleicht im Klo einsperren.

SPIEGEL: Die Internationale Raumstation ist ein Gemeinschaftsprojekt. Können die anderen Partner ihr Veto beim Besuch von Gästen einlegen? Es könnte ja sein, dass der Chef der russischen Raumfahrtbehörde kein Fan von Tom Cruise ist.

Hobe: In diesem Fall müsste er seine Bedenken vorher anmelden, dann dürfte Cruise gegebenenfalls auch nicht an Bord. Wenn man sich aber einmal darauf geeinigt hat, muss man den Gast auch auf die Station lassen. Dann darf man ihn nicht mehr abweisen.