Trip ins All Nächster Weltraumtourist trainiert schon

Ein ehemaliger Microsoft-Manager wird der nächste Weltraumtourist sein: Charles Simonyi, geboren in Ungarn, reich geworden in den USA, soll in fünf Monaten zur Internationalen Raumstation fliegen. In Russland hat er mit dem Training für das All begonnen.


Kaum ist die Weltraumtouristin Anousheh Ansari von ihrem Trip ins All zurückgekehrt, steht der Internationalen Raumstation ISS schon der nächste Gast ins Haus: Charles Simonyi, ein Softwareentwickler und ehemaliger Microsoft-Manager.

Zwar fliegt der Milliardär aus den USA erst im März 2007. Doch schon jetzt laufen die Vorbereitungen, immerhin muss solch ein außergewöhnlicher Urlaubstrip gut geplant und vorbereitet sein - zumal Simonyi mit 58 Jahren nicht mehr der Jüngste ist. Zurzeit steht Training auf dem Programm. Momentan wird er im Sternenstädtchen in der Nähe von Moskau fit gemacht, dazu muss er auch Probefahrten in der größten Zentrifuge der Welt, der TSF-18, überstehen. Er habe diese und alle anderen bisherigen Trainingseinheiten problemlos absolviert, sagte er gestern auf einer Pressekonferenz.

Am 9. März nächsten Jahres soll Simonyi abheben: An Bord einer russischen "Sojus"-Kapsel fliegt er dann zur Internationalen Raumstation ISS, wo er voraussichtlich acht Tage bleiben wird. Der Weltraumtourist will aber nicht nur die Reise genießen, sondern sich auch für medizinische Experimente zur Verfügung stellen.

Ausflug ins All wird 20 bis 25 Millionen US-Dollar kosten

Simonyi wurde in Budapest geboren und wanderte mit 17 Jahren nach Dänemark aus, wo er als Computerprogrammierer arbeitete. 1968 zog er in die USA, wo er erst studierte und dann die Karriereleiter bis zum Microsoft-Manager hinaufstieg. Nach 20 Jahren bei dem Softwareunternehmen, wo er an der Entwicklung der Programme Word und Excel beteiligt war, gründete der gebürtige Ungar die Intentional Software Corporation. Zuletzt wurde sein Vermögen vom Magazin "Forbes" auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Den Trip ins All lässt sich Simonyi zwischen 20 Millionen und 25 Millionen US-Dollar (16 Millionen bis 20 Millionen Euro) kosten.

An der Raumfahrt sei Simonyi interessiert, seit die Sowjetunion 1957 mit "Sputnik" den ersten Satelliten ins All befördert habe, sagte der Weltraumtourist am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Seattle. Mit dem Fliegen habe er auch schon Erfahrungen: Er habe Pilotenscheine für Hubschrauber und Düsenflugzeuge und schon über 2000 Stunden in der Luft verbracht.

Wie es sich hingegen in der Schwerelosigkeit und im Raumanzug anfühlt und wie er sich weiterhin auf den Weltraumtrip vorbereitet, will er demnächst in seinem Blog berichten. "Ich möchte all das, was ich lerne, mit jedem teilen, vor allem mit den Kindern."

Erst Ende September war Anousheh Ansari von einem Besuch auf der ISS sicher zur Erde zurückgekehrt. Die amerikanisch-iranische Geschäftsfrau hatte sich knapp zwei Wochen an Bord der ISS aufgehalten – und sie war die erste Frau, die für einen Trip ins All bezahlte. Vor ihr gab es drei männliche Weltraumtouristen: Dennis Tito, Mark Shuttleworth und Greg Olsen. Der gebürtige Ungar Simonyi ist damit der fünfte zahlende Gast auf der ISS.

fba/AP



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