Trotz "Columbia"-Absturzes Russischer Raumfrachter startet zur ISS

Auch die Mitarbeiter der russischen Raumfahrt reagierten auf die "Columbia"-Tragödie mit tiefer Betroffenheit. Ohne großen Jubel startete am Sonntag ein russischer "Progress"-Weltraumfrachter mit Nachschub für die Internationale Raumstation ISS.


Nachschub wird künftig schwierig: Andockmanöver einer Sojus-Mission an die Raumstation ISS
AP

Nachschub wird künftig schwierig: Andockmanöver einer Sojus-Mission an die Raumstation ISS

Moskau - Die Trägerrakete hob um 14 Uhr vom Weltraumbahnhof in Baikonur in Kasachstan ab, teilten die russischen Raketentruppen mit. Die russischen Raumfahrtbehörden hatten trotz des Unglücks der US-Raumfähre "Columbia" am Samstag an dem Starttermin festgehalten.

Der Nachschub an Lebensmitteln für die ISS-Besatzung und Treibstoff für die Station soll mindestens bis ins Frühjahr reichen. Alle Flüge der US-Shuttles zur ISS sind auf unbestimmte Zeit abgesagt worden.

Nach der "Columbia"-Tragödie liegt die Gesamtlast bemannter Flüge zur Internationalen Raumstation ISS derzeit auf den Schultern der russischen Raumfahrt. Auf noch nicht absehbare Zeit werden Astronauten nur mit den dreisitzigen russischen Kapseln "Sojus-TM" zur ISS fliegen können. Plätze sind ein knappes Gut, und die ehrgeizigen Pläne, allein in diesem Jahr 33 Raumfahrer auf die ISS zu bringen, müssen drastisch reduziert werden.

Es gibt keinen Vorrat an steuerbaren "Sojus"-Raumschiffen", sagte der Sprecher der russischen Raumfahrtbehörde Rosawiakosmos, Sergej Gorbunow, am Sonntag. Einsatzbereit sind nur die zwei "Sojus-TM" für bemannte Missionen und drei "Progress"-Raumfrachter, die in diesem Jahr zur ISS fliegen sollen.

Russische Experten schlossen deshalb die schlimmste Variante nicht aus: die derzeitige Langzeitbesatzung zurückzuholen und die ISS zeitweise unbemannt fliegen zu lassen. Das Risiko ist erheblich: "Ohne Kosmonauten, die ständig im All arbeiten, droht die Steuerungsfähigkeit einer so großen Station verloren zu gehen", warnte Gorbunow.



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