Staubanalyse "Rosetta"-Komet hat verblüffend viel Kohlenstoff

Die Raumsonde "Rosetta" gibt es längst nicht mehr - doch ihre Daten werden noch lange ausgewertet. Eine neue Analyse von Staubkörnern zeigt nun: Der Komet 67P gehört zu den kohlenstoffreichsten Körpern im Sonnensystem.

Oberfläche von 67 (im September 2016)
ESA / Rosetta / MPS / UPD / LAM / IAA / SSO / INTA / UPM / DASP / IDA / dpa

Oberfläche von 67 (im September 2016)


Der von der europäischen Raumsonde "Rosetta" erforschte Komet Tschuri spuckt Staub ins All, der etwa zur Hälfte aus organischen Molekülen besteht. Zudem gehört das Material zu dem ursprünglichsten und kohlenstoffreichsten, das in unserem Sonnensystem bekannt ist. Es habe sich seit der Entstehung unseres Sonnensystems kaum verändert, so das Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) in Göttingen.

Die Forscher hatten Daten des "Cosima"-Instruments an Bord von "Rosetta" ausgewertet. Die Sonde hatte den kurz Tschuri genannten Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko von August 2014 bis September 2016 umkreist und untersucht. In der Fachzeitschrift "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society" berichtet ein Forscherteam, zu dem auch Wissenschaftler des MPS gehören, umfassend über die chemische Zusammensetzung des Kometen.

Das unter Leitung des Max-Planck-Instituts für Extraterrestrische Physik entwickelte und gebaute "Cosima"-Instrument hatte insgesamt mehr als 35.000 Staubpartikel gesammelt. Die kleinsten maßen nur 0,01 Millimeter im Durchmesser, die größten etwa einen Millimeter.

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"Rosetta"-Mission: Finaler Crash auf Tschuri

Das Instrument erlaubte es, die einzelnen Partikel zunächst mit dem Mikroskop zu betrachten. In einem zweiten Schritt wurden sie mit einem hochenergetischen Strahl aus Indium-Ionen beschossen. Die so ausgelösten Sekundär-Teilchen ließen sich dann im "Cosima"-Massenspektrometer analysieren.

45 Prozent organische Moleküle

Für die aktuelle Analyse beschränkten sich die Forscher demnach auf 30 Staubpartikel, deren Eigenschaften sich besonders gut auswerten ließen. Ihre Auswahl umfasste Staubkörnchen aus allen Phasen der "Rosetta"-Mission und aller Größen.

"Unsere Auswertungen zeigen, dass die Zusammensetzung all dieser Partikel sehr ähnlich ist", erläuterte der MPS-Forscher Martin Hilchenbach, Leiter des "Cosima"-Teams.

Die Forscher schließen daraus, dass der Kometenstaub aus denselben Zutaten besteht wie der Kometenkern selbst und somit an seiner statt untersucht werden kann. Weit oben auf der Zutatenliste stehen laut Studie organische Moleküle - sie machen etwa 45 Prozent des Gewichts des festen Kometenmaterials aus.

"Der 'Rosetta'-Komet gehört damit zu den kohlenstoffreichsten Körpern, die wir im Sonnensystem kennen", erklärte der MPS-Forscher Oliver Stenzel, der dem "Cosima"-Team angehört. Die übrigen 55 Prozent des Gewichts steuern mineralische Stoffe bei, hauptsächlich Silikate.

Die "Rosetta"-Mission der europäischen Raumfahrtbehörde Esa gilt als eine der erfolgreichsten in der Raumfahrtgeschichte. "Rosetta" hatte den Schweifstern aus einer Umlaufbahn erforscht und im November 2014 das Landegerät "Philae" auf dem Kometen abgesetzt. Der kleine Roboter landete unglücklich, konnte aber 60 Stunden lang wissenschaftliche Daten sammeln. "Rosetta" selbst wurde im September 2016 kontrolliert zum Absturz gebracht.

chs/AFP



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