Ufo-Videos Alien-Alarm am Tempelberg

Haben Außerirdische Jerusalem besucht? Videos einer angeblichen Ufo-Sichtung über dem Tempelberg machen derzeit im Netz die Runde. Es tobt ein Streit, was von den Aufnahmen zu halten ist: Sind die Beweise eindeutig - oder ist das vermeintliche Raumschiff in Wirklichkeit ein Werbegag?

Die fremden Besucher hatten Gespür für einen spektakulären Auftritt - jedenfalls wenn man Videoaufnahmen glaubt, die derzeit bei YouTube kursieren. Sie zeigen eine helle Lichterscheinung, die am Morgen des 28. Januar über Jerusalem zu sehen gewesen sein soll - ausgerechnet über dem dortigen Tempelberg. Würde es sich um ein außerirdisches Raumschiff handeln, hätte sich dessen Crew einen der geopolitisch heikelsten Punkte unseres Planeten für ihre furiose Show ausgesucht.

Die vermeintlichen Augenzeugenvideos zeigen einen hellen, relativ kleinen Lichtfleck am Nachthimmel. Nachdem er zunächst absinkt, scheint er einige Zeit weitgehend unbeweglich über den religiösen Heiligtümern des Tempelbergs zu schweben. Dann schießt das Licht mit großer Geschwindigkeit nach oben. Anschließend zeigt mindestens einer der Filme kleine rote Punkte am Himmel. Zwei der Videos seien vom Armon-Hanatziv-Aussichtspunkt gefilmt, heißt es in den Beschreibungen bei YouTube.

Keine weiteren Augenzeugenberichte

Nun tobt im Netz ein Streit darüber, was von den Filmaufnahmen zu halten ist. Interessant ist zunächst, dass es mehr als ein Video mit dem Lichtball gibt. In einem Fall sind anscheinend Israelis im Hintergrund zu hören, in einem anderen Amerikaner. Auch die Perspektiven scheinen sich zu unterscheiden. Insgesamt vier verschiedene Blickwinkel sind bisher auf der Videoplattform zu sehen. Für Anhänger der Ufo-Hypothese erhöht das die Chancen, dass die vermeintliche Sichtung echt ist, gewaltig. Immerhin scheint es auf diese Weise gleich eine ganze Reihe von Zeugen zu geben.

Der britische Experte Nick Pope, der sich für seine Regierung jahrelang mit der Analyse vermeintlicher Ufo-Sichtungen befasst hatte, hält die Filme zumindest für gut gemacht. In US-Medien spekulierte er auch darüber, ob es sich möglicherweise um eine Drohne der israelischen Luftstreitkräfte handeln könnte.

Doch sind die Aufnahmen tatsächlich authentisch? Daran darf getrost gezweifelt werden: Im Netz wird besonders das Video mit den Stimmen der Amerikaner im Hintergrund sehr kritisch kommentiert. So wird der Vorwurf laut, dass sich außer dem vermeintlichen Ufo rein gar nichts in dem Film bewegt. Zu sehen sei also lediglich ein Foto - der Verwacklungseffekt und die Lichtshow seien nachträglich eingebaut worden. Auch die Stimmen der vermeintlichen Zeugen seien nur digital zusammengestückelt und dann eingefügt worden, heißt es in einem Video , das den angeblichen Ufo-Beweis als Fälschung entlarven soll.

Virales Marketing für einen Kinofilm?

"Ich nehme an, dass es sich um virales Marketing für den Kinofilm 'Battle: Los Angeles' handelt", sagt Werner Walter vom deutschen Ufo-Skeptikerverband Cenap ("Centrales Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene") im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Normalerweise seien zu jeder Tageszeit Gläubige am Tempelberg unterwegs - dennoch gebe es außer den Videos keine Berichte über einen Alien-Besuch.

Tatsächlich spielte die Lichtshow bis auf einen Bericht in der "Jerusalem Post" , der Tage nach dem vermeintlichen Ereignis erschien, quasi keine Rolle in der israelischen Presse. Und auch die Geschichte der "Post" zweifelt keine Sekunde daran, dass es sich bei den Videos um Fälschungen handelt. Benjamin Radford vom US-Magazin "Life's Little Mysteries" sieht das ähnlich. Auch er verweist darauf, dass es außer den Videos keine weiteren Augenzeugenberichte gebe. Außerdem sei das vermeintliche Raumschiff ein wenig armselig ausgefallen - mit geschätzt viereinhalb Meter Länge sei es "verdammt klein". Schließlich habe es ja angeblich das ganze Universum durchflogen.

Der amerikanische Ufo-Skeptiker Robert Sheaffer beschreibt , dass in den Filmen künstliche Verwacklungen eingefügt worden seien, um den Anschein der Authentizität zu vergrößern. Allerdings seien Artefakte der digitalen Nachbearbeitung in den Filmen erkennbar. So seien eigentlich leere Bereiche, die durch die künstliche Verwacklung auftauchen, mit Material von anderen Stellen des Bildes gefüllt worden. Moderne Bild- und Videobearbeitungssoftware erlaubt inzwischen verblüffende Effekte - schon diverse Male haben so entstandene vermeintliche Ufo-Dokumentationen für Aufsehen gesorgt.

Inzwischen gibt es sogar eine Art Anleitung, wie man einen Film wie die Jerusalemer Ufo-Show per Computer hinbekommt. Die Prozedur dauert nicht einmal vier Minuten .

chs
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