Umfrage Jungen US-Bürgern ist Nasa egal

Mit Podcasts und YouTube, mit Promis, Sponsoring und product placement sollen die künftigen Nasa-Missionen zu Mond und Mars beworben werden. Denn eine Umfrage zeigt: Junge Amerikaner scheren sich nicht um die Nasa-Pläne - obwohl sie mit ihren Steuern die teuren Ausflüge bezahlen.


Die kleinen Mars-Rover "Spirit" und "Opportunity" sind eine Ausnahme: Ihnen schlägt Sympathie und Interesse entgegen - auch von Seiten der Internetgeneration. Dass ansonsten aber die jungen US-Amerikaner zwischen 18 und 25 Jahren den Missionen der US-Weltraumbehörde ziemlich indifferent gegenüberstehen, ahnt die Nasa-Führung schon seit einer Meinungsumfrage im Jahr 2004. Nun sollte eine neue Studie der Marktforschungsfirma Dittmar Associates klären, was man gegen die mangelnde All-Begeisterung unternehmen kann.

Künftige Mond-Mission (Illustration): Der Mehrheit der jungen US-Amerikaner sind die Nasa-Pläne egal - oder gar ein Dorn im Auge
NASA

Künftige Mond-Mission (Illustration): Der Mehrheit der jungen US-Amerikaner sind die Nasa-Pläne egal - oder gar ein Dorn im Auge

Doch die Erhebung wartet zunächst mit weiteren Hiobsbotschaften auf. Sie zeigt, dass der Anteil der jungen Befragten, die Unterstützung für die zukünftigen Raumfahrtprogramme ausdrücken, gegenüber 2004 abermals geschrumpft ist. Jene mit neutraler, ablehnender oder gar stark ablehnender Haltung bilden inzwischen die Mehrheit.

Die online verfügbare Dittmar-Marktstudie mit dem Titel "Die Generation 18-25 mit einbeziehen" muss der Nasa wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen: "2006 betrachtet die Mehrheit der jungen erwachsenen Befragten die Nasa als irrelevant - und in mancher Hinsicht sogar ihren historischen Beitrag." So sagten etwa 39 Prozent der Teilnehmer der Altersgruppe, dass "nichts sinnvolles von der Nasa ausgegangen ist".

Dies mag einem generellen Forschungs-skeptischen Klima geschuldet sein oder der Tatsache, dass die Nasa als Bundesbehörde ähnlich wie das Washingtoner Establishment auf dem platten Land keinen allzu guten Ruf hat. Doch eben weil die Raumfahrtbehörde am Steuertropf der US-Regierung hängt, sind Umfrageergebnisse wie die von Dittmar Grund zur Sorge für die Houstoner: Denn 72 Prozent der jungen Befragten glauben, es wäre besser, das Budget der Nasa anderweitig zu verwenden.

Rezept: Junge Medien, alte Helden

Genau das wollen die Houstoner Raumfahrt-Bürokraten aber auf keinen Fall. Da die heute jungen US-Bürger ihr ganzes Berufsleben lang - das Programm "Visions for Space Exploration", in das auch die Mond- und Mars-Pläne von Präsident Bush eingebettet sind, ist auf 40 Jahre angelegt - die Steuerlast der Weltraumvisionen zu tragen haben werden, will die Nasa sie nun eiligst für die Raumfahrt begeistern. Neben Kongress-Abgeordneten zählen 18- bis 25-Jährige zur Top-Zielgruppe künftiger Raumfahrt-PR.

Mit neuen Mitteln wollen die Houstoner die Indifferenten erreichen: Podcasts und Videoschnipsel bei YouTube sollen das Image der Raumfahrt aufpolieren. Die Nasa und ihre Missionen sollen durch geschicktes Product Placement bei MTV, den Olympischen Spielen und der Rennserie Nascar untergebracht werden - ebenso wie in Hollywood-Spielfilmen.

Ob aber die PR-Berater der Weltraumbehörde selbst zur richtigen Generation gehören, mag man bezweifeln - angesichts ihrer Vorschläge, welche berühmten Schauspieler der Raumfahrt-Bürokratie ein persönliches Gesicht verleihen sollen: Patrick Stewart ("Star Trek: Die nächste Generation") und David Duchovny ("Akte X") werden erwähnt. Die dürften vielen jungen US-Amerikanern genauso egal sein wie die Apollo-Mondmissionen.

stx/AP



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