Unbemannter Rover Nasa muss Marsmission verschieben

Schlappe für die Nasa: Wegen technischer Probleme beim neuen Rover "Mars Science Laboratory" musste dessen Mission auf 2011 verschoben werden. China dagegen will schon im nächsten Herbst einen Orbiter zum Mars schicken - huckepack auf einer russischen Rakete.

Washington - Rückschlag für die Suche nach Leben auf dem Mars: Wegen technischer Probleme hat die US-Raumfahrtbehörde Nasa eine für kommendes Jahr geplante Forschungsmission zum Roten Planeten bis 2011 verschoben. "Wir werden den geplanten Termin für den Start des Mars Science Lab nicht einhalten können", sagte Nasa-Chef Michael Griffin am Donnerstag. Die Verzögerung kostet die US-Steuerzahler rund 400 Millionen Dollar zusätzlich.

Ein Start zum geplanten Termin 2009 bedeute "ein zu hohes Risiko", sagte Griffin. Die Verschiebung erlaube es, alle technischen Probleme zu lösen und alles gründlich zu testen, damit es beim Start keine Panne gebe, fügte Ed Weiler, der stellvertretende Leiter der wissenschaftlichen Missionen, hinzu. "Ein Scheitern der Mission können wir uns nicht leisten." Angesichts der Investitionen des Steuerzahlers müsse die Nasa bei den Vorbereitungen auf Nummer sicher gehen und dafür sorgen, dass die Mission zum Erfolg werde.

Starttermine für Missionen zu Nachbarplaneten lassen sich nicht nach Belieben wählen: Die Wissenschaftler sind darauf angewiesen, Zeitpunkte zu wählen, zu denen sich aus der Stellung von Start- und Zielplanet sowie ihrer relativen Bewegung zueinander eine möglichst günstige Flugroute ergibt. Das nächste Zeitfenster für einen Start zum Roten Planeten wird darum erst in 26 Monaten kommen, in den Monaten Oktober bis Dezember 2011. Die Verzögerung kostet die US-Steuerzahler rund 400 Millionen Dollar (313 Millionen Euro) zusätzlich. Die Gesamtkosten für den Einsatz des Mars Science Lab steigen damit nach Nasa-Schätzungen auf 2,3 Milliarden Dollar. Ähnliche Kostenprobleme hat auch die Esa bei ihrem Rover "Exomars".

Hauptgrund für die Verschiebung der Mission sind laut Nasa Probleme mit den Motoren für die Stellglieder an dem Rover. Das mobile Labor soll mit den modernsten Forschungsgeräten ausgestattet sein, die je auf den Mars geschickt wurden. Die sogenannten Aktoren sitzen in den Rädern des Rovers sowie in zahlreichen Gelenken des Roboterarms. Das Mars Science Laboratory verfügt über 31 dieser komplizierten Bauteile. Die derzeitigen Probleme führt die Nasa auf Fertigungsfehler zurück.

Durch die Verschiebung könnten sich auch andere Projekte zur Erforschung des Mars verzögern, räumte die Nasa ein. Eine Absage der Mission des Mars Science Labs stehe aber nicht zur Debatte, sagte Griffin. Die Raumfahrtbehörde möchte bis 2037 einen Menschen auf den Mars schicken.

Die Nasa hat bereits mehrfach Sonden auf den Mars geschickt. 2004 waren die Mars-Rover "Spirit" und "Opportunity" auf dem vierten Planeten des Sonnensystems gelandet, um dessen Bodenbeschaffenheit und die Atmosphäre zu untersuchen. Die Roboter hatten Belege für Wasser und Hinweise darauf geliefert, dass auf dem Mars einst Leben möglich gewesen sein könnte. Das Mars Science Lab wiegt dreimal so viel wie die nach wie vor funktionierenden Rover. Die mit einer Atombatterie ausgestattete Sonde soll ein Jahr nach ihrem Start auf dem Mars landen und Boden- und Gesteinsproben auf Spuren organischen Lebens untersuchen.

Die Konkurrenz kommt

Russland und China nutzten den düsteren Tag für die Nasa, um Details seiner eigenen Mission bekanntzugeben. Bereits im Oktober 2009 soll sich die chinesische Marssonde "Yinghuo 1" auf den Weg zum roten Nachbarplaneten machen - huckepack auf einer russischen Sonde, die den Mars umkreisen soll.

Auch diese Mission steht noch vor der Lösung einiger Probleme: Noch wissen die Chinesen nicht, wie sie ihre Sonde im Mars-Orbit mit genügend Energie versorgen sollen. Eine effektive Solarenergieversorgungs-Lösung fehlt noch, man arbeite aber daran. Dem selbstbewussten Optimismus der jungen Weltraum-Nation China tut das keinen Abbruch: Bereits zwei Jahre nach Beendung von Yinghuos Foto-Tour im Mars-Orbit soll 2012 ein erster chinesischer Forschungs-Roboter auf dem Nachbarplaneten landen. Weitere Einträge auf dem ambitionierten Weltraum-Wunschzettel der Chinesen: eine bemannte Mondlandung und eine eigene, auf 20 Tonnen geplante Raumstation im Erdorbit - alles bis 2020.

pat/AFP/Reuters
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