Uralte Meteorite Frühes Sonnensystem hatte Mini-Planeten

In der Urwolke aus der das Sonnensystem vor 4,6 Milliarden Jahren entstand, flogen schon richtige Mini-Planeten herum, glauben Forscher. Und sie hatten auch ein Magnetfeld wie die heutige Erde.


Knapp 4,6 Milliarden Jahre vor unserer Zeit: Eine gigantische Staubwolke befindet sich da, wo heute Merkur, Venus, Erde Mars und die restlichen Planeten ihre Bahnen ziehen. Das Sonnensystem ist im Begriff aus der Urwolke zu entstehen. Kleinere Brocken, Planetesimale genannt, klumpen sich zu größeren zusammen und formen die Planeten.

Planetenforscher um Benjamin Weiss vom MIT Planetary Lab im US-Bundesstaat Massachusetts glauben: Die Planetesimale, die in dieser Urwolke herumschwirrten, waren womöglich schon selbst knapp 160 Kilometer große Miniatur-Ausgaben unserer heutigen Planeten - mit einem Gesteinsmantel und einem flüssigen metallischen Kern.

Im Wissenschaftsmagazin "Science" berichten die Wissenschaftler von Untersuchungen uralter Meteorite, Angrite genannt. Diese 4,564 Milliarden Jahre alten Himmelskörper sind äußerst selten und magnetisch und müssen aufgrund ihres hohen Alters von diesen Planetenvorläufern stammen.

"Der Magnetismus in Meteoriten war lange Zeit ein großes Rätsel", sagte Weiss. Nun glaubt er, es gelöst zu haben: Die Angriten, so Weiss, sind Zeugnisse der einstigen Mini-Planeten, die selbst ein Magnetfeld hatten. Denn nach ihrer Entstehung schmolzen die Planetesimale vollständig. Dabei trennten sich schwere und leichte Bestandteile: Leichteres Gestein floss an die Oberfläche und formte einen Mantel. Schweres eisenreiches Material sammelte sich im Kern, begann zu rotieren und wurde so zu einem Dynamo. In den Angriten sei der einstige Magnetismus der Planeten-Vorläufer quasi eingefroren worden, als ihr Mutterkörper erkaltete, glauben Weiss und seine Kollegen.

Mini-Planet mit Mantel und Kern

In den Angriten sehen die Planetenforscher daher wichtige Zeugnisse, die die bisherigen Theorien zur Planetenentstehung über den Haufen werfen könnten. Bislang hatten Wissenschaftler nämlich angenommen, dass die Planeten-Vorläufer aus homogenem, felsigen Material bestanden. "Nun wird uns klar, dass die Bausteine der Planeten von heute selbst Mini-Planeten waren - mit Mantel und Kern", sagte Weiss.

Die Planetenvorläufer prallten dann gegeneinander, um die großen Planeten zu formen. Die Theorie der Mini-Planeten mit Magnetismus könnte unser Verständnis der Prozesse in den Frühzeiten der Planeten beeinflussen, so Weiss. Zudem könnte man daraus auch Aussagen über die Verteilung verschiedener Mineralien im Mantel und dem Kern der heutigen Erde ableiten.

Vor allem erstaunt Weiss, wie schnell sich damals alles zugetragen haben muss. Die Angrite hätten sich nur drei Millionen Jahre nach der Geburt des Sonnensystems gebildet. Und ihre Untersuchung deutet stark darauf hin, dass das Magnetfeld der Mini-Planeten bereits 20 bis 40 Prozent der Stärke des heutigen Magnetfeldes der Erde besessen haben könnte.

"Wir gehen davon aus, dass Magnetfelder in Gesteinsbrocken heute ein unübliches Phänomen sind", sagte Weiss. "Aber die kurzlebigen magnetischen Planetesimale von einst könnten vielleicht im frühen Sonnensystem sehr verbreitet gewesen sein."

lub



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