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27. Juni 2019, 19:07 Uhr

Tiefen des Weltalls

Forscher bestimmen Ursprung von rätselhaftem Radioblitz

Sie sind extrem kurz und setzen trotzdem gewaltige Energie frei. Schnelle Radioblitze geben Forschern viele Rätsel auf. Nun haben sie erstmals die Herkunft eines Exemplars entschlüsselt.

Astronomen haben erstmals den Ursprung eines schnellen Radioblitzes in den Tiefen des Alls aufgespürt. Das Teleskopsystem Askap in Australien hatte den extrem kurzen Ausbruch von Radiostrahlung am 24. September 2018 registriert. Wie Forscher um Keith Bannister von der australischen Forschungsorganisation CSIRO nun berichten, hatte er seinen Ursprung in einer 3,6 Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie.

Schnelle Radioblitze leuchten typischerweise nur tausendstel Sekunden am Firmament auf, setzen dabei aber gewaltige Energie frei. Welcher Mechanismus hinter dem Phänomen steckt, ist ungeklärt. Die mysteriösen Blitze waren 2007 erstmals beobachtet worden. Seitdem wurden 85 plötzliche Ausbrüche von Radiostrahlung registriert. Fast alle Blitze sind einmalige Ereignisse. Nur in zwei Fällen wurden wiederholt schnelle Radioblitze an derselben Stelle beobachtet.

Den Ursprung einer dieser seltenen Blitzserien haben Forscher bereits bestimmt. Sie wurde 2017 einer drei Milliarden Lichtjahre entfernten Zwerggalaxie zugeordnet. Ein Lichtjahr ist die Strecke, die das Licht - und auch der Radioblitz - in einem Jahr zurücklegt: rund 9,5 Billionen Kilometer. Den Ursprung eines einzelnen, extrem kurzen Radioblitzes haben Forscher nun erstmals ausfindig gemacht, wie sie im Fachblatt "Science" berichten.

"Der große Durchbruch"

"Das ist der große Durchbruch, seit Astronomen die schnellen Radioblitze 2007 entdeckt haben", erklärt Bannister. Für ihre Entdeckung nutzten die Forscher einen auf schnelle Radioblitze spezialisierten Modus des "Australian Square Kilometre Array Pathfinder" (Askap). Das Teleskopsystem soll einmal Teil des "Square Kilometre Arrays" (SKA) werden, das den Himmel zehntausendmal schneller absuchen soll als bisherige Anlagen.

Die Position des Radioblitzes am Himmel ermittelten die Forscher über die leicht unterschiedlichen Ankunftszeiten bei den insgesamt 36 Parabolantennen des Askap. "Aus diesen winzigen Zeitdifferenzen - nur Bruchteile einer milliardstel Sekunde - konnten wir die Heimatgalaxie des Ausbruchs bestimmen und sogar seinen exakten Ausgangspunkt", erklärt Ko-Autor Adam Deller von der Swinburne University in Melbourne.

Demnach stammt der Blitz aus einer mittelgroße Galaxie im Sternbild Kranich am Südhimmel und ist 13.000 Lichtjahre von ihrem Zentrum entfernt entstanden.

Die Dichte der Materie im intergalaktischen Raum bestimmen

"Das ist, als würde man vom Mond aus die Erde beobachten und nicht nur Bescheid wissen, in welchem Haus eine Person lebt, sondern auch auf welchem Stuhl am Tisch im Esszimmer sie sitzt", so Bannister. Forscher haben die Heimatgalaxie des Blitzes inzwischen mit einigen der größten Teleskope der Welt untersucht. Sie hoffen, dass ihre Untersuchungen helfen zu verstehen, wie die schnellen Radioblitze entstehen.

Außerdem wollen Wissenschaftler die kurzen Blitze nutzen, um zu bestimmen, wie viel Materie sich zwischen einzelnen Galaxien befindet. Denn die Radioblitze werden von der Materie, die sie auf ihrem Weg passieren, in charakteristischer Weise verändert. Aus den Eigenschaften eines Blitzes lässt sich daher ablesen, wie viel Materie er durchkreuzt hat.

Lässt sich die Länge seiner Flugstrecke messen, wie es jetzt gelungen ist, ergibt sich daraus die Dichte der Materie im intergalaktischen Raum. Für aussagekräftige Analysen muss zunächst allerdings die Herkunft einer ausreichenden Zahl von Radioblitzen bestimmt werden.

jme/dpa

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