US-Pläne Mondbestattung für die Massen

Asche ins All: Eine US-Firma bietet künftig eine Mondbestattung als Massenware an - vergleichsweise billig und schon ab 2009. Ein Gramm von Verstorbenen soll mit einer Landekapsel auf den Erdtrabanten geschossen werden. Nur leider laufen die Missionen nicht immer problemfrei ab.


Houston - Eine All-Bestattung als Massenprodukt, das ist das Ziel der US-Firma Celestis. Rund 6500 Euro soll es kosten, verstorbene Verwandte oder Freunde auf eine letzte Reise zum Mond zu schicken. Für Ehepaare, die sich gemeinsam in der Stille des Mondes bestatten lassen wollen, gibt es Sonderpreise. Hinzu kommen allerdings noch die Kosten für die Einäscherung der Verstorbenen, um die sich die Hinterbliebenen selbst kümmern müssen.

Bereits im kommenden Jahr sollen die Mondflüge starten, bislang sind zwei Missionen geplant. Mit Landekapseln, zu deren Konstruktion das Unternehmen keine näheren Angaben gemacht hat, soll die Asche zur Mondoberfläche gebracht werden - und dort für immer bleiben.

Doch nur ein kleiner Bruchteil der Überreste eines verstorbenen Celestis-Kunden soll auf diese Weise ins All befördert werden: Für den genannten Preis wird lediglich ein Gramm Asche auf den Weg zum Erdtrabanten geschickt, der Rest wird bei einer Zeremonie in der Nähe des Raketenstartplatzes auf See verstreut. Außerdem wird der Name des Verstorbenen auf einer Plakette an der Mondfähre eingraviert.

Celestis, das sich für das Angebot mit zwei weiteren Unternehmen zusammentun will, hat bereits Erfahrungen mit Bestattungen im All und auf dem Mond. Im Sommer 1999 schickte die Firma einen Teil der Asche des verstorbenen US-Astronomen Eugene Shoemaker mit der US-Sonde "Lunar Prospektor" dorthin. Damit ist der Mitentdecker des Kometen Shoemaker-Levy 9 der erste Mensch, dessen sterbliche Überreste auf einem anderen Himmelskörper ruhen.

Vor zehn Jahren begann die Firma ihr Geschäft mit dem Start einer Rakete, die damals 24 Aschekapseln ins All brachte. Seit dem hoben im Auftrag der Kalifornier insgesamt sechs solcher Raketen ab. Zu den Passagieren gehörten unter anderem "Star Trek"-Schöpfer Gene Roddenberry.

Doch immer wieder kam es zu Problemen. Eine Taurus-Trägerrakete mit Asche an Bord legte im Jahr 2001 eine Bruchlandung im Meer hin. Und noch eine Panne gab es: Der als Scotty in den "Star Trek"-Filmen bekannt gewordene Schauspieler James Doohan und der frühere US-Astronaut Gordon Cooper setzten für ihren letzten Flug auf die Hilfe der Kalifornier. Doch ihre Rakete, die auch die Asche von 200 weiteren Menschen enthielt, verfehlte ihr Ziel - und die Kapsel stürzte bereits kurz nach dem Start ab. Nach mehrwöchiger Suche wurde die Kollektiv-Urne schließlich rund 50 Kilometer von der Abschussstelle entfernt in einem schwer zugänglichen Gebiet im US-Bundesstaat New Mexico gefunden.

chs/ddp



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