X-37B Geheime Weltraumdrohne der Air Force nach Rekordflug zurück auf der Erde

Nach mehr als zwei Jahren ist ein Raumgleiter des US-Militärs auf die Erde zurückgekehrt. Was X-37B im All gemacht hat, ist unklar - auch über einen Spionageeinsatz wird spekuliert.
Die X-37B nach ihrer nächtlichen Landung - der Überschallknall schreckte Menschen in der Umgebung auf

Die X-37B nach ihrer nächtlichen Landung - der Überschallknall schreckte Menschen in der Umgebung auf

Foto: U.S. Air Force/ REUTERS

Um kurz vor vier Uhr an einem Sonntagmorgen muss man nicht allzu viele unerwünschte Zuschauer fürchten. Den Verantwortlichen der U.S. Air Force dürfte das durchaus recht gewesen sein. Schließlich ist das Militär um Geheimhaltung bemüht, wenn es um sein unbemanntes Weltraumfahrzeug X-37B geht, das am Wochenende nach einem Rekordaufenthalt im All wieder auf der Landebahn des Kennedy Space Centers in Florida aufgesetzt ist.

Es war der insgesamt fünfte Flug des Raumgleiters, der aussieht wie eine kleine Version der inzwischen ausgemusterten amerikanischen Space Shuttles: Neun Meter lang ist die X-37B und fünf Tonnen schwer. Sie hat eine Spannweite von viereinhalb Metern.

Keiner der bisherigen Einsätze dauerte länger als der aktuelle: 780 Tage am Stück war die X-37B im All, also mehr als zwei Jahre. Möglich sind solch lange Zeiträume, weil das Gerät seine Energie über Galliumarsenid-Solarpaneele bezieht.

Insgesamt 2865 Tage im Weltraum

Gebaut wurde die X-37B von Boeing, es existieren mindestens zwei Exemplare. Zusammengerechnet haben sie seit dem Jahr 2010 insgesamt 2865 Tage im Weltraum verbracht. Der Stückpreis der Geräte ist geheim, die Rede ist von je einer Milliarde Dollar. Der Start erfolgt mit einer Rakete, zuletzt mit der "Falcon 9" von SpaceX. Landen kann die X-37B dann wie ein Flugzeug oder einst die Space Shuttles auf einer Betonpiste - und zwar vollautomatisch.

Dieses Infrarotbild entstand nach einer Landung der X-37B im Jahr 2012. Flügel und Nase haben sich besonders stark aufgeheizt.

Dieses Infrarotbild entstand nach einer Landung der X-37B im Jahr 2012. Flügel und Nase haben sich besonders stark aufgeheizt.

Foto: Vandenberg Air Force Base/ AP

"Die X-37B zeigt weiterhin, wie wichtig ein wiederverwendbares Weltraumflugzeug ist", erklärte Barbara Barrett, die für die Air Force verantwortliche Staatssekretärin der Regierung von Präsident Donald Trump, nach der Landung. "Jede Mission bringt die Fähigkeiten unseres Landes im Weltraum voran."

Das Problem: Worin diese Fähigkeiten genau bestehen, erfährt die Öffentlichkeit kaum. So wenig wie die Landung vorab angekündigt wurde, berichtet die Air Force im Detail über die Experimente, die mit dem Shuttle durchgeführt werden. Vor dem Start im September 2017 war allgemein vom Test von Weltraumtechnologien die Rede, zum Beispiel für effiziente Wärmetauscher.

Außerdem hieß es, dass kleine Satelliten ausgesetzt werden sollten. Allerdings gibt es darüber keine Informationen, Einträge in entsprechende internationale Datenbanken hat das US-Militär nicht vorgenommen. Selbst bei ansonsten geheimen Satellitenmissionen ist das normalerweise üblich.

Immer wieder ist darüber spekuliert worden, dass die X-37B auch Waffen an Bord haben könnte. Das US-Militär hat dieses stets dementiert - auch weil das eine Verletzung des Weltraumvertrags von 1967 wäre. Denkbar und unter den Regeln des Vertrags zulässig ist aber, dass das Mini-Shuttle zu Spionagezwecken genutzt wurde und wird.

Ganz so geheim, wie es sich die Air Force wünscht, sind die Missionen von X-37B auch nicht immer. So hatte der niederländische Amateurastronom Ralf Vandebergh das Gefährt im Sommer am Himmel geortet und fotografiert.

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Und bei der Landung am Sonntag schreckte zumindest ein fieser Krach die Umgebung des Kennedy Space Centers auf: Es war der Überschallknall des bremsenden Raumfahrzeugs.

China, so war im vergangenen Jahr zu lesen, arbeitet inzwischen an einem vergleichbaren Projekt. Dieses Fluggerät soll allerdings nicht mit einer Rakete starten, sondern von einem Trägerflugzeug in die höheren Schichten der Atmosphäre gebracht werden, um dort seine Triebwerke zu zünden. Der Flug ist für 2030 geplant. Die nächste Mission des US-Mini Shuttles findet vermutlich deutlich früher statt - mit einem Starttermin bereits im kommenden Jahr.

chs
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