USA Unidentifiziertes Metall-Objekt durchschlägt Hausdach

Ein kartoffelgroßer Klumpen ist in New Jersey in ein Wohnhaus gekracht. Von einem Flugzeug kann er nicht stammen. Experten tippen auf einen Meteoriten, einen besonders ungewöhlichen - denn eine schwarze Kruste hat der metallische Brocken nicht.


"Er fiel vom Himmel. Wenigstens darüber sind sich alle einig", beginnen die Reporter der Zeitung "The Star-Ledger" ihre Schilderung vom Schauplatz eines seltsamen - möglicherweise kosmischen - Kontakts. Ein kleines Loch im Dach eines Wohnhauses im Freehold Township (US-Bundesstaates New Jersey), zeugt von dem Einschlag eines kleinen, schnell fallenden Objekts. Bewohner und Astro-Fans spekulieren darum seit gestern, ob in Monmouth County - gut 100 Kilometer nordöstlich von Philadelphia - zum ersten Mal seit über 175 Jahren ein Meteorit gefunden wurde.

Unidentifiziertes Metallobjekt: Die Polizei von Freehold zeigte den Brocken, der ein Hausdach in New Jersey durchschlug
AP

Unidentifiziertes Metallobjekt: Die Polizei von Freehold zeigte den Brocken, der ein Hausdach in New Jersey durchschlug

Das Objekt befindet sich im Gewahrsam der örtlichen Polizei. Die Beamten haben es in eine Plexiglasröhre gesteckt und der Öffentlichkeit gezeigt: knapp neun Zentimeter lang, etwa fünf Zentimeter breit, rund 350 Gramm schwer, von silbrig-metallischer Farbe. Es sei "extrem dicht" sagte einer der Ermittler dem "Star-Ledger".

Die Polizisten wunderten sich, dass der silbrige Brocken es durch die Schindeln und Spanplatten des Hausdachs geschafft hat. Im zweiten Stock des Gebäudes beschädigte der Klumpen eine Fußbodendiele in einem Badezimmer, prallte ab und blieb schließlich in einer Wand stecken.

Kein Flugzeugteil

Arlene Murry, eine Sprecherin der US-Luftfahrtbehörde FAA, sagte, dass der Gegenstand kein Teil eines Flugzeugs sein könne. Auch um gefrorene Reste aus einer Jet-Toilette - sogenanntens Blue Ice - handele es sich nicht.

Die Polizisten selbst hatten überprüft, ob das Teil radioaktiv sein könnte (war es nicht), und ob es metallisch ist (ja, ist es, ein Magnet haftete daran). Für eine genauere Analyse habe man mehrere Bundesbehörden herangezogen, sagte Robert Brightman, Sprecher der Polizei von Freehold Township. Er hoffe, dass binnen 72 Stunden geklärt werden kann, um was genau es sich handelt.

Sollte sich der Klumpen als Meteorit herausstellen, wäre es der erste, der seit dem 15. August 1829 in der Gegend gefunden wird, sagte der Astronom Kevin Conod vom Newark Museum. Weder er, noch der ebenfalls befragte Experte Denton Ebel konnten aber ausschließlich anhand von Fotos und Filmaufnahmen bestätigen, dass es sich bei dem Brocken tatsächlich um Gestein aus dem Weltall handelt. Ebel ist der für Meteoriten zuständige Kurator am American Natural History Museum in New York.

"Sieht so aus, als ob die da einen Meteoriten hätten"

Jedem Laien springt ins Auge: Dem Teil fehlt die typische schwarze Kruste, die von der Reibungshitze beim Eintritt in die Erdatmosphäre herrührt. Conod wies jedoch auf tropfenförmige Strukturen an der Oberfläche des Brockens hin: Diese könnten auf Schmelzen unter großer Hitze hindeuten.

"Wenn das Ding vom Himmel gefallen ist und magnetisch ist, kann man nicht ausschließen, dass es sich um einen Meteoriten handelt", sagte Ebel. Sein Kollege Conod war um einiges optimistischer: "Demnach, was ich gesehen habe, sieht es wirklich so aus, als ob die da einen Meteoriten hätten. Und das ist ziemlich aufregend."

Schätzungsweise 20 bis 50 Brocken und Bröckchen fallen täglich vom Himmel, sagte Carlton Pryor, Astronom von der Rutgers University. Allerdings gehen fast alle über Meer oder in unbewohnten Gegenden nieder. Selten erregt ein Feuerstreif am Himmel die Aufmerksamkeit der Menschen, noch seltener wird ein Meteorit gefunden.

Die Besitzer des getroffenen Hauses in Freehold - sie wollen aus Angst vor Schaulustigen und Souvenirjägern anonym bleiben - hätten dann großes Glück gehabt. Weil der möglicherweise kosmische Brocken am frühen Morgen ins Bad rauschte, als die Bewohner schliefen. Und weil schon kleiner Besuch aus dem All durchaus ein Feuer auslösen könnte. Erst im Oktober war in Troisdorf bei Bonn eine Schrebergartenlaube in Flammen aufgegangen. Ein Geschoss aus dem Weltall sei "die wahrscheinlichste Brandursache" für das ungewöhnliche Feuer, hatte die Polizei später mitgeteilt. Der Besitzer der Laube war bei dem Brand verletzt worden.

Die unterschiedlichen Begrifflichkeiten sorgen leicht für Verwirrung: Meteoroide oder Meteoride nennt man kleine Objekte, welche die Erdbahn kreuzen. Treten sie dabei in die Atmosphäre ein und erzeugen einen Feuerschweif, werden sie Meteor genannt. Falls von einer solchen Sternschnuppe Überreste auf der Erdoberfläche aufschlagen, spricht man von Meteoriten.

stx/AP



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