Vatikan-Astronom Aliens? Warum nicht. Zweiter Jesus? Nein.

Außerirdische sind aus theologischer Sicht kein Problem, sagt der Chef-Astronom des Vatikans. Dass wir ihnen eines Tages gegenüberstehen, hält José Funes aber für unwahrscheinlich.

Vatikan-Astronom Funes: "Einmaliges Ereignis in der Geschichte der Menschheit, des Universums"
AFP

Vatikan-Astronom Funes: "Einmaliges Ereignis in der Geschichte der Menschheit, des Universums"


José Funes ist ein pragmatischer Mann. Für den Chefastronomen des Vatikans schließen sich der Glaube an Gott und die Existenz außerirdischer Lebensformen nicht aus. Der aus Argentinien stammende Forscher ist Jesuit wie Papst Franziskus. Außerdem leitet er die im Apostolischen Palast in Castel Gandolfo untergebrachten Sternwarte des Vatikans, eine Außenstelle gibt es auch in der Nähe von Tucson (US-Bundesstaat Arizona). Das selbst erklärte Ziel der Sternengucker: zu beweisen, dass sich Naturwissenschaft und Religion nicht ausschließen. So ist auch Funes zugleich studierter Theologe und Astronom.

Zuletzt lieferte die Wissenschaft immer mehr Hinweise darauf, dass wir eventuell nicht allein im All sind. So bejubelte die Nasa den Fund eines Exoplaneten namens Kepler-452b, der erstens womöglich aus Gestein besteht und zweitens - noch einmal womöglich - seinen Stern gerade im richtigen Abstand umkreist, sodass es dort flüssiges Wasser geben könnte. Damit lässt sich wieder einmal darüber spekulieren, ob der Exoplanet eine Art zweiter Erde sein könnte, mit Leben und allem Drum und Dran.

Kepler-452b (künstlerische Darstellung): "Großartige Nachricht"
REUTERS / NASA / Ames / JPL-Caltech / T. Pyle

Kepler-452b (künstlerische Darstellung): "Großartige Nachricht"

Näher untersuchen lassen wird sich diese Frage ohnehin einstweilen nicht - der betreffende Planet ist 1400 Lichtjahre von uns entfernt. Doch allein die Spekulationen über fremdes Leben könnte die Kirche ja durchaus vor eine Herausforderung stellen.

In einem Interview mit der Nachrichtenagentur AFP erklärte der katholische Chefastronom Funes nun aber, die Entdeckung von Kepler-452b sei eine "großartige Nachricht". Es sei aus seiner Sicht durchaus wahrscheinlich, dass es irgendwo dort draußen im All Leben gebe - "vielleicht eine Form von intelligentem Leben". Und dennoch, so stellte Funes klar, glaube er nicht an ein Treffen mit diesen Außerirdischen: "Ich glaube nicht, dass wir jemals einem Mr. Spock begegnen werden." Angesichts der im All zu überwindenden Distanzen klingt das durchaus plausibel.

Eine Sache ist José Funes außerdem wichtig: Selbst wenn es bisher unbekannte Lebensformen auf fremden Planeten gäbe - dann hätte aus seiner Sicht trotzdem nur ein einziger Jesus existiert: "Die Menschwerdung von Gottes Sohn ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte der Menschheit, des Universums".

Kompliziert wird die ganze Sache allerdings, wenn man an dieser Stelle die unter Forscher nicht unpopuläre Theorie der Paralleluniversen hinzunimmt. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.

Paralleluniversen

chs



insgesamt 219 Beiträge
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Seite 1
mczeljk 31.07.2015
1.
Für manch einen Akademiker mag es ja unter einen Hut zu bringen sein, Glauben und Wissenschaft, allerdings sollte nicht unerwähnt bleiben, dass dazu einiges an geistiger Verrenkung notwendig ist!
Jasro 31.07.2015
2. Allerdings...
Zitat aus dem Artikel: (...) Eine Sache ist José Funes außerdem wichtig: Selbst wenn es bisher unbekannte Lebensformen auf fremden Planeten gäbe - dann hätte aus seiner Sicht trotzdem nur ein einziger Jesus existiert: "Die Menschwerdung von Gottes Sohn ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte der Menschheit, des Universums". (...) Außerirdische werden wohl hoffentlich intelligent genug sein, so einen Quatsch nicht zu glauben.
Georg_Alexander 31.07.2015
3. Aussichtsloses Unterfangen
"Die Menschwerdung von Gottes Sohn ist ein einmaliges Ereignis in der Geschichte der Menschheit, des Universums" Warum sollte dieser Gott gerade unsere Erde ausgesucht haben? Stehen wir im Zentrum des Universums? Wohl eher nicht. Je weiter man ins All vordringt (und sei es nur durch technische Geräte), desto sinnloser wird die Frage nach Existenz von Göttern. Allein die 'Komunikationswege' dürften unüberwindlich sein. Nein - es gibt sie nicht, all die Götter auserkoren aus der menschlichen Fantasie :-) Wir sind absehbar allein in relativ weitem Umkreis...
maxgil 31.07.2015
4. Jetzt
Rudern die schon, bevor wir den Beweis erbracht haben! Vorkurzem waren die doch noch der Meinung, die Sonne dreht sich um die Erde! Wird immer enger, was?
noonecares 31.07.2015
5. lächerliche Rettungsversuche
wieso sollte ein Alien "Gottes" vermenschlichung werden. Und woher möchte dieser Jesuit wissen, dass es einmalig ist und sein wird? Ist er selber Jesus? Zumindest Jesuit...
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