Testflug 2017 Europäer bauen am US-Raumschiff der Zukunft mit

Europa wird entscheidende Technik für das neue Raumschiff der Nasa liefern. Es soll Astronauten nicht nur zur Internationalen Raumstation fliegen, sondern auch zu ferneren Zielen. Los geht es wohl mit einer unbemannten Reise um den Mond.
"Multi Purpose Crew Vehicle" (künstlerische Darstellung): "Das ist ein Paradigmenwechsel"

"Multi Purpose Crew Vehicle" (künstlerische Darstellung): "Das ist ein Paradigmenwechsel"

Foto: AFP / Nasa / Esa

Berlin - Europa und die USA werden bei der Entwicklung des neuen Nasa-Astronautentransporters zusammenarbeiten. Hochrangige Vertreter der beiden zuständigen Raumfahrtorganisationen wollen die Details dazu am Mittwochnachmittag in Houston vorstellen. Klar ist bereits jetzt: Die Europäer werden das sogenannte Servicemodul für einen Testflug des neuen "Multi Purpose Crew Vehicle" (MPCV) liefern, der in gut vier Jahren stattfinden soll.

Eine Vereinbarung dazu war nach Informationen von SPIEGEL ONLINE bereits vor Weihnachten in aller Stille unterschrieben worden. Es soll um die Lieferung von technischem Gerät gehen, nicht nur um Konstruktionszeichnungen. Die Europäer steuern ihr Wissen aus dem Bau des unbemannten Esa-Frachters ATV für die Konstruktion des neuen Nasa-Raumschiffs bei. Der Testflug im Jahr 2017 soll es ohne Besatzung auf einer Bahn in Form einer Acht um den Mond führen.

Aus Europa werden auf diesem Flug unter anderem das Antriebs- und Avioniksystem des MPCV stammen. Die Esa hatte im vergangenen Sommer den Raumfahrtkonzern Astrium mit einer 6,5 Millionen Euro teuren Studie dazu beauftragt. Dort hofft man nun auch, das Servicemodul bauen zu dürfen. Im Kern geht es darum, möglichst viele Erkenntnisse aus der Konstruktion des ATV für das neue Raumschiff wiederzuverwenden. Das Servicemodul wird aber auch neue Bauteile brauchen, zum Beispiel ein größeres Haupttriebwerk.

Die Beteiligung an der Entwicklung des MPCV hilft den Esa-Staaten, ihren Beitrag zum Betrieb der Internationalen Raumstation bis zum Jahr 2020 zu leisten. Weil sie dafür kein Geld überweisen wollen, liefern die Europäer traditionell Sachleistungen. Zuletzt waren das vor allem Versorgungsflüge mit dem ATV. Da davon aber nur fünf Exemplare geplant waren, hätte es nach 2017 eine Finanzierungslücke gegeben - im Extremfall hätte die Esa dann eben doch Geld zahlen müssen.

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Dieses Szenario ist nun abgewendet - zumal nicht klar gewesen wäre, ob die klammen Mitgliedstaaten das Geld zum Weiterbetrieb der Station überhaupt zusammen bekommen hätten. Die Zusammenarbeit mit den Amerikanern könnte dagegen eine historische Chance bieten - denn noch nie hat sich die Nasa bei so wichtiger Technik auf eine Kooperation eingelassen.

Streit verhinderte Fortschritte

"Das ist ein Paradigmenwechsel, und wir sind sehr froh darüber", hatte Johann-Dietrich Wörner, Chef des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), bereits im vergangenen Jahr die Signale aus der Nasa-Spitze kommentiert. Doch quälend lange hatten sich die Europäer nicht auf das Gemeinschaftsprojekt mit den Amerikanern einigen können. Schuld war vor allem ein Streit zwischen Deutschland und Frankreich, bei dem es eigentlich um etwas anderes ging: die Zukunft der Ariane-Rakete.

Doch so lange die nicht geklärt war, gab es auch beim ISS-Beitrag keine Fortschritte. Deutschland machte sich für eine Weiterentwicklung des bisherigen Ariane-Modells und die MPCV-Kooperation mit der Nasa stark. Frankreich wollte dagegen eine ganz neue Rakete entwickeln - und nicht mit den Amerikanern zusammenarbeiten. In beiden Fällen hofften die Regierungen mit ihrer Strategie, möglichst viele Hightech-Arbeitsplätze im eigenen Land zu halten.

Auf dem Esa-Gipfel in Neapel knickten die Franzosen Ende November dann ein. Die französische Forschungsministerin Geneviève Fioraso verkündete, dass sich ihr Land mit 20 Prozent an dem sogenannten Barter-Element beteiligt. Zuvor hatte auch Großbritannien erklärt, die MPCV-Zuarbeiten mit einer Einmalzahlung zu unterstützen: "Mit 20 Millionen Euro machen wir den Weg frei, dass der Deal vorankommt", so der zuständige Staatsminister David Willetts.

Wie nachhaltig die Zusammenarbeit mit den Amerikanern sein wird, muss sich noch zeigen. Die Nasa war zuletzt zum Beispiel aus unbemannten Mars-Projekten mit der Esa ausgestiegen - aus Kostengründen. Weil das Budget der Organisation jährlich festgelegt wird, haben Finanzpolitiker durchaus Spielraum zur Profilierung. Sie könnten auch das MPCV-Projekt noch beschneiden.

Die aktuelle Vereinbarung umfasst zunächst auch nur die Lieferung eines Servicemoduls. Damit sind die ISS-Kosten bis 2020 abgedeckt. Die Europäer hoffen freilich auf eine Fortsetzung der Kooperation darüber hinaus.

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