Vernichtender Jet Schwarzes Loch feuert auf Galaxie

Mit einem kraftvollen Strom aus Strahlung und Partikeln nimmt ein supermassives Schwarzes Loch eine benachbarte Galaxie unter Beschuss. Die in dieser Form zuvor noch nie beobachtete kosmische Gewalt hat fatale Auswirkungen auf Planeten in dem Sternenhaufen: Atmosphärische Schutzschichten können vom Jet zerstört werden.


Der entdeckte Jet aus Gammastrahlung und nahezu mit Lichtgeschwindigkeit fliegenden Teilchen nötigt den Wissenschaftlern Respekt ab: "Wenn man weiß, wie tödlich ein Jet sein kann, dann möchte man nicht in der Nähe seiner Feuerrichtung sein", sagte Neil Tyson vom American Museum of Natural History in New York. Die Entdeckung sei faszinierend "und wir können froh sein, dass wir aus einer sicheren Entfernung zuschauen".

Der gewaltige Jet rast durch das System 3C321, das aus zwei Galaxien besteht, die umeinander kreisen. Die Strahlung entsteht im Zentrum der größeren Galaxie, wo sich ein supermassives Schwarzes Loch befindet. Dieses verschlingt permanent Materie, ein Teil davon wird jedoch in Energie umgewandelt und als Gammastrahlung oder Teilchenstrom weggeschleudert. Der Jet feuert senkrecht zur sogenannten Akkretionsscheibe, in der sich eingefangene Materie sammelt, und trifft genau die benachbarte Galaxie.

"Wir haben schon viele von Schwarzen Löchern erzeugte Jets gesehen", sagte Dan Evans vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts), "aber zum ersten Mal beobachten wir einen solchen Strahl, der eine andere Galaxie trifft". Entdeckt wurde der mächtige Strahl durch kombinierte Beobachtungen mit den Weltallteleskopen "Chandra", "Spitzer" und "Hubble" sowie dem Very Large Array (VLA) und dem Merlin Radioteleskop.

Die beiden Galaxien im System 3C321 liegen für kosmische Verhältnisse sehr nah beieinander - ihr Abstand beträgt nur 20.000 Lichtjahre. Dies entspricht ungefähr der Distanz von der Erde zum Zentrum unserer Milchstraße, also der Galaxie, in der sich unser Sonnensystem befindet.

Die gewaltige Energie des Jets hat nach Aussagen der Forscher fatale Auswirkungen auf alles, was von ihm getroffen wird. Die Kombination aus Gammastrahlung und schnell rasenden Teilchen könnte die Atmosphäre von Planeten schwer schädigen, schreiben die Forscher im Fachblatt "The Astrophysical Journal". Schützende Schichten wie etwa die Ozonhülle der Erde würden unter Umständen zerstört - damit wohl auch eventuell auf den Planeten vorhandenes Leben.

"Wir beobachten Jets im ganzen Universum, aber wir verstehen einige ihrer Grundeigenschaften immer noch nicht", sagte Marin Hardcastle von der britischen University of Hertfordshire. Das nun entdeckte System biete die Chance, herauszufinden, was mit ihnen passiere, wenn sie auf etwas träfen - etwa eine Galaxie -, und was danach mit ihnen passiere.

hda



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