Verräterische Gase Neue Hinweise für Leben auf dem Mars

Neueste Daten der Esa-Sonde "Mars Express" zeigen eine verdächtige Überlappung von Wasserdampf und Methan in der Mars-Atmosphäre. Forscher spekulieren bereits, dass Mikroben der Grund für das gemeinsame Auftreten der Gase sein könnten.


Krater in der Elysium-Region: Auffällige Häufung von Wasser und Methan
ESA

Krater in der Elysium-Region: Auffällige Häufung von Wasser und Methan

Ob es Leben auf dem Mars gibt (oder gab), haben auch die diesjährigen, äußerst erfolgreichen Missionen von Nasa und Esa nicht hundertprozentig klären können. Es gibt gute Beweise für Wasser und Methan, aber Spuren von Leben konnten "Mars Express" sowie die Rover "Spirit" und "Opportunity" nicht finden - zumindest vorerst.

Doch nun sorgen jüngste Messungen von "Mars Express" für neue Spekulationen. Daten des so genannten Planetaren Fourier-Spektrometers (PFS) zeigen, dass die Vorkommen von Wasserdampf und Methan in der Mars-Atmosphäre deutlich miteinander überlappen.

Untersuchungen mit dem PFS hatten ergeben, dass Wasserdampf in der Mars-Atmosphäre in einer Höhe von 10 bis 15 Kilometern recht gleichmäßig verteilt ist. Näher an der Oberfläche hingegen konzentriert sich der Wasserdampf bevorzugt in drei breiten Regionen um den Äquator: Arabia Terra, Elysium Planum und Arcadia-Memnonia. Hier maßen die Forscher zwei- bis dreimal so hohe Wasserdampfkonzentration wie in anderen beobachteten Gebieten.

Eisschichten unter der Marsoberfläche

Neuere, detaillierte Auswertungen der PFS-Daten zeigen, dass auch Methan in der Atmosphäre nicht gleichmäßig verteilt ist, sondern an einigen Stellen konzentriert vorkommt - genau dort, wo auch Wasserdampf in größerer Menge gemessen wurde. Das PFS-Team um Vittorio Formisano stellte nun fest, dass sich die Gebiete mit den höchsten Methan- und Wasserdampfkonzentrationen mit den Regionen überschneiden, in denen Eislagerstätten vorkommen. Die Nasa-Sonde "Odyssey" hatte in geringer Tiefe unter der Marsoberfläche eine Eisschicht aufgespürt.

Flussbett auf dem Mars: Leben auf rotem Planeten bisher nicht nachgewiesen
ESA

Flussbett auf dem Mars: Leben auf rotem Planeten bisher nicht nachgewiesen

Diese Überlappung von Wasserdampf und Methan sei möglicherweise auf eine gemeinsame, in den Bodenschichten des Mars liegende Quelle zurückzuführen, erklärte Formisano heute auf einer Internationalen Mars-Konferenz der Italienischen Raumfahrtagentur ASI in Ischia (Italien).

Das unterirdische Eis gilt als eine mögliche Erklärung. Geothermische Wärme könnten die Gase aus dem Planeteninneren in Richtung Oberfläche befördert haben, lautet eine These. Dagegen sprechen jedoch die sehr niedrigen Oberflächentemperaturen von minus 50 Grad Celsius, die das Wasser gefrieren lassen würden, noch bevor es an die Oberfläche gelangt.

Woher kommt das Methan?

Wissenschaftler spekulieren auch, dass es unter dem Eis flüssiges Wasser gibt. Dort, so die Hypothese, könnten Formen primitiven Lebens existieren, die Methan und andere Gase produzieren, die anschließend Richtung Oberfläche und in die Atmosphäre aufsteigen. Formisano sagte, das PFS-Instrument habe in der Mars-Atmosphäre auch Spuren anderer Gase entdeckt. Die Daten müssten jedoch noch detailliert ausgewertet werden.

Für das Vorkommen von Methan auf dem Mars hatte der italienische Wissenschaftler bereits im März entweder Vulkane oder aber dort lebende Organismen verantwortlich gemacht. Als Methanquelle kommen auch fremde Himmelskörper in Frage. Doch daran glaubt Formisano nicht so recht: "Kometen oder Asteroiden halte ich als Ursache für extrem unwahrscheinlich."

Selbst wenn nicht Mikroben, sondern Vulkanismus die Ursache des Methans in der Atmosphäre wäre, könnte eine solche Entdeckung die Chancen auf marsianisches Leben erhöhen: Die Wärme, spekulieren Geologen, könnte unter der Oberfläche eingeschlossene Wasservorkommen flüssig halten und so eine lebensfreundliche Umgebung schaffen.



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