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Verräterische Radarsignale Sonde entdeckt Eis am Mond-Nordpol

Mit Hilfe einer indischen Sonde haben US-Forscher größere Mengen Eis am Nordpol des Mondes aufgespürt. In gleich 40 Kratern fanden sie Hinweise auf gefrorenes Wasser, insgesamt ist von 600 Millionen Tonnen die Rede.

Washington - Seit Monaten schon kreist die indische Sonde "Chandrayaan-1" mucksmäuschenstill um den Mond. Ende August vergangenen Jahres war der Funkkontakt zu ihr überraschend abgebrochen. Doch zuvor hatte "Chandrayaan-1" eine Flut von Daten zur Erde geschickt, deren Auswertung zum Teil eine ganze Zeit dauerte. Deswegen können die Weltraumbehörden in den USA und Indien jetzt einen Erfolg melden, obwohl die Sonde schon längst nicht mehr funktioniert - und in absehbarer Zeit ungesteuert auf der Mondoberfläche abstürzen wird.

Ein kleines Radargerät ("Mini-SAR"), das die Nasa auf der Sonde mitgeschickt hatte, hat größere Mengen von Eis am Nordpol des Erdtrabanten nachweisen können. In gleich 40 kleineren Kratern habe man gefrorenes Wasser aufgespürt, erklärte die US-Weltraumbehörde. Die betreffenden Krater hätten Durchmesser von 1,6 bis 15 Kilometern.

Insgesamt habe das Radargerät Hinweise auf etwa 600 Millionen Tonnen Wassereis gesammelt, erklärte Paul Spudis vom Lunar and Planetary Institute in Houston (US-Bundesstaat Texas), einer der beteiligten Forscher. Die Wissenschaftler wollen ihre Erkenntnisse im Fachmagazin "Geophysical Research Letters" veröffentlichen. Eine erste Präsentation gaben sie aber bereits auf der derzeit laufenden Lunar and Planetary Science Conference in Texas.

"Nachhaltige menschliche Präsenz auf dem Mond möglich"

In Kratern an den Polen des Mondes gibt es Regionen, die dauerhaft im Schatten liegen. Dort, so hatten Forscher bereits seit längerer Zeit vermutet, könnte Wassereis lange Zeit überdauern - wegen der niedrigen Temperaturen von etwa minus 250 Grad. Deswegen spielten die Polarregionen immer wieder eine entscheidende Rolle bei Gedankenspielen zum Aufbau menschlicher Außenposten auf dem Mond.

"Jetzt können wir mit einigermaßen großer Sicherheit sagen, dass eine nachhaltige menschliche Präsenz auf dem Mond möglich ist", sagt auch Forscher Spudis. Die gefundenen Wasservorkommen würden Astronauten mit den nötigen Ressourcen versorgen können. Praktisch dürften die Funde aber einstweilen keine Rolle spielen, weil die USA ihre Pläne für eine Rückkehr zum Mond aus Kostengründen zurückgestellt haben.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Nasa größere Mengen von gefrorenem Wasser am Südpol des Mondes nachweisen können. Im November hatte die Datenauswertung der "LCROSS"-Mission den entscheidenden Beweis geliefert. Die Sonde war Anfang Oktober gemeinsam mit einer alten Raketenstufe gezielt auf dem Mond zum Absturz gebracht worden. Der Doppel-Crash hatte eine bis zu zehn Kilometer hohe Staub- und Trümmerwolke aufgewirbelt.

Die Analyse der Fontäne hatte den Forschern zunächst einige Schwierigkeiten bereitet. Spektrometerdaten des aufgewirbelten Materials hatten dann aber tatsächlich klare Hinweise auf die Zersetzung von Wassermolekülen im Sonnenlicht geliefert.

Und auch "Chandrayaan-1" hatte in der Vergangenheit bereits Indizien für Wasservorkommen auf dem Mond geliefert - wenn auch in einer ganz anderen Form als nun vorgestellt. Der "Moon Mineralogy Mapper" an Bord der Sonde hatte im vergangenen Jahr Hinweise auf eine dünne Schicht von Wassermolekülen und Hydroxylradikalen - sie bestehen aus einem Wasserstoff- und einem Sauerstoffatom - entdeckt, die den gesamten Mond bedeckt. Die Moleküle sind allerdings in den obersten Schichten des Mondbodens versteckt.

chs
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