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Voyager Golden Record: Eine Scheibe für die Aliens

Foto: AP/ NASA

Voyager Golden Record Die Musik für Aliens kann man jetzt kaufen

Vor 40 Jahren starteten zwei Raumsonden, um das Sonnensystem zu erforschen und in den interstellaren Raum vorzudringen. Mit an Bord sind goldene Schallplatten mit Botschaften der Menschheit. Kopien davon werden jetzt auf Kickstarter angeboten.

Um das unseren jüngeren Lesern gleich vorweg zu erklären: Ja, Schallplatten waren für große Teile der Weltbevölkerung tatsächlich mal das bevorzugte Format, um Musik zu speichern, zu hören und zu transportieren. Und ja, sie hatten zwei Seiten, es gab keine Zufallsfunktion, keine Playlisten, und um alle Musik hören zu können, musste man die Platten nach der halben Laufzeit umdrehen.

Wenn man sich diese kurze Beschreibung anschaut, fragt man sich, wie lange die Wissenschaftler der Nasa seinerzeit wohl darüber gebrütet haben, wie man außerirdischen Lebenwesen, Aliens, erklären könnte, was eine Schallplatte ist. Gar nicht davon zu reden, den Fremden klarzumachen, wie man sie abspielt. Und das alles ohne ein gemeinsame Sprache, ohne zu wissen, wie die Empfänger der Botschaft aussehen, kommunizieren und denken.

Doch genau das war die Aufgabe, nachdem die amerikanische Raumfahrtbehörde Anfang der Siebzigerjahre beschlossen hatte, zwei Sonden ins Weltall zu schicken. Sonden, die nicht nur unser eigenes Sonnensystem erkunden, sondern danach auch noch in den interstellaren Raum vordringen sollten. Und Sonden, die eine Botschaft der Menschheit ins All tragen sollten, eine Botschaft an fremde Lebenwesen, gespeichert auf einer goldenen Schallplatte.

Grußbotschaften in 55 Sprachen

Die Nasa beauftragte damals ein Team von Wissenschaftlern damit, die Platten und deren Inhalt zu entwerfen. Federführend war der Astrophysiker und Exobiologe Carl Sagan, dem unter anderem die Science-Fiction-Autoren Isaac Asimov und Arthur C. Clarke zur Seite standen.

Das Resultat ihrer Arbeit waren die sogenannten Voyager Golden Records , vergoldete Kupferschallplatten, auf denen 115 Fotos, Grußbotschaften in 55 Sprachen, verschiedene Geräusche und insgesamt 90 Minuten Musik gespeichert sind.

Die Originale dieser goldenen Schallplatten sind an der Außenhülle der beiden "Voyager"-Sonden angebracht. Beide starteten 1977. "Voyager 2" befindet sich mittlerweile in einer Entfernung von fast 17 Milliarden Kilometern von der Erde , am Rand des Sonnensystems. "Voyager 1" hat das Sonnensystem bereits verlassen, befindet sich in einer Entfernung von rund 20 Milliarden Kilometern im interstellaren Raum.

Voyager Golden Record

Voyager Golden Record

Foto: HO/ AFP

Bisher gab es nur sehr wenige Kopien der Platten. Eine davon war dem damaligen US-Präsidenten Jimmy Carter überreicht worden. Privatpersonen hatte keine Chance, eine zu bekommen, bis jetzt.

Ein Kickstarter-Projekt  hat es sich zur Aufgabe gemacht, die goldenen Schallplatten der Voyager-Missionen wieder aufzulegen. Dieses Mal allerdings nicht für Aliens, sondern für Enthusiasten, die sich die Botschaft an fremde Intelligenzen zu Hause anhören wollen und es sich leisten können.

Federführend ist dabei freilich kein Wissenschaftler, sondern David Pescovitz vom Tech-Portal BoingBoing . Mit sieben Jahren habe er von dem Plan erfahren, eine Botschaft an Außerirdische zu schicken. Die Idee habe ihn bis heute nicht losgelassen, und so sei ihm der Gedanke gekommen, die legendären goldenen Schallplatten neu aufzulegen.

Chuck Berry und "Die Zauberflöte"

Zum Schnäppchenpreis gibt es die freilich nicht. 98 Dollar muss zahlen, wer das "Voyager Golden Record Box Set" haben möchten. Neben drei goldfarbenen Vinylschallplatten gibt es dafür ein paar Beigaben, wie etwa ein Buch mit Bildern von der "Voyager"-Missionen. Zu der Musik, die man von den Platten abspielen kann gehören Mozarts "Zauberflöte" ebenso wie Chuck Berrys "Johnny B. Goode" und balinesische Gamelan-Musik.

Abzuschrecken scheint der Preis offenbar kaum jemanden. Allein das Standardangebot haben schon fast 5700 Fans bestellt. Das Finanzierungsziel von 198.000 Dollar ist längst erreicht, mittlerweile sind Bestellungen im Wert von knapp 850.000 Dollar eingegangen.

Doch wer einfach nur mal reinhören will in das, was die Menschheit möglichen Außerirdischen als exemplarisch für die Menschheit ins All geschickt hat, kann das auch kostenlos: Die 55 Grüße in verschiedenen Sprachen  und 19 Beispiele für irdische Klänge  kann man sich bei Soundcloud anhören.

mak
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