Wachsende Dunkelheit Im All grassiert der Sternentod

Alte Sterne sterben, doch immer weniger neue Sonnen werden geboren: Das Universum vergreist. Schon in fünf bis zehn Milliarden Jahren, weit früher als bisher erwartet, taucht der Sternentod das All in Dunkelheit.


Sternengeburt in der Milchstraße: Alte Sonnen sterben schneller, als neue geboren werden
ESO

Sternengeburt in der Milchstraße: Alte Sonnen sterben schneller, als neue geboren werden

Wissenschaftler haben schon lange vorhergesagt, dass die Entwicklung von Sternen an Schwung verliert. Der Effekt fußt auf der einfachen Tatsache, dass nach jeder Entstehung einer neuen Sonne weniger Material für künftige Sternengeburten zur Verfügung steht.

Allerdings verdunkelt sich das All offenbar schneller als bisher angenommen. Ein Forscherteam um Alan Heavens von der University of Edinburgh hat jetzt errechnet, dass die Sterne vor sechs Milliarden Jahren, als auch unsere Sonne entstand, rund 30 Mal schneller auftauchten als heutzutage. Damit, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Monthly Notices of the Royal Astronomical Society", sterben die Sonnen schneller, als neue geboren werden.

Heavens und seine Kollegen schätzten die Gesamtzahl der entstehenden Sterne anhand von Daten des Sloan Digital Sky Survey (SDSS), eines Projekts zur koordinierten Erfassung des Nachthimmels. Anschließend verglichen sie die Wellenlängen des Lichts, das auf das Alter von Sternen schließen lässt, mit der Zahl der Sonnen verschiedener Altersklassen aus jeder der 40.000 Galaxien in der Nachbarschaft der Milchstraße.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass die Geschwindigkeit des Sternensterbens bisher unterschätzt wurde. Stellarforscher Martin Barstow von der University of Leicester erklärte gegenüber dem Online-Dienst "Nature Science Update", dass frühere Untersuchungen auf Beobachtungen von hellen, leicht zu erkennenden Galaxien basierten. Helligkeit aber sei ein Zeichen für die Geburt neuer Sterne, so dass die Daten nicht repräsentativ gewesen seien. "Die neue Studie ist die bisher beste Messung", meint Barstow, "weil sie auch schwach leuchtende Galaxien berücksichtigt."

Bis im All die Lichter ausgehen, bleit allerdings noch etwas Zeit. "Das Universum wird ein ziemlich dunkler Ort werden", sagt Heavens - allerdings erst in fünf bis zehn Milliarden Jahren. "Es wird wahrscheinlich eine Milliarde Jahre dauern, bis man überhaupt etwas merkt."



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