Waghalsiges Manöver Rosetta schießt erfolgreich am Mars vorbei

15 Minuten lang war die Spannung hoch: Dann meldete sich "Rosetta" nach einer Funkpause planmäßig zurück. Der Jubel im Kontrollzentrum war groß. Die europäische Forschungssonde hat das schwierige Manöver am Mars erfolgreich gemeistert.

Darmstadt - "Rosetta" hat heute Morgen eine wichtige Kurskorrektur und zugleich das bisher kritischste Ereignis seit dem Start der Mission vor zehn Jahren gemeistert: Sie flog in einer nur 250 Kilometer nahen Umlaufbahn um den Mars und nutzte die Schwerkraft des roten Planeten, um ihr Ziel, den Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, anzusteuern.

Die Sonde ist mit ihren Sonnensegeln eigentlich nicht darauf ausgerichtet, die dunkle Seite des Mars zu passieren:Zwischen 3.13 Uhr und 3.28 deutscher Zeit verschwand "Rosetta" - von der Erde aus gesehen - hinter dem Mars und durchflog dessen Schatten. In diesen 15 Minuten erhielt die Sonde daher kein Sonnenlicht zur Stromversorgung und, zum Stromsparen mussten alle nicht unbedingt notwendigen Systeme an Bord abgeschaltet werden oder in einen Energiesparmodus wechseln.

Eine minimale Abweichung hätte das Ende der Mission bedeutet. Als "Rosetta" um 3.40 Uhr wieder Sonnenenergie aufnahm und sich per Funk zurückmeldete, brach im Kontrollzentrum der Europäischen Weltraumbehörde (ESA) Jubel aus. "'Rosetta ist auf ihrem Kurs", sagte der Leiter der ESA-Mission, Manfred Warhaut.

"Rosetta" war auf das Manöver eigentlich nicht ausgelegt. Sie startete am 2. März 2004 in Kourou und soll 2014 als erste Sonde "weich" auf einem Kometen landen. Wegen einer Startverzögerung konnte sie nicht den geplanten Kurs auf einen anderen Kometen nehmen, der direkt ohne Marsumrundungen erreichbar gewesen wäre.

"Rosetta" braucht Schwung

Für ihren zehn Jahren dauernden und über sieben Milliarden Kilometer langen Flug muss sich "Rosetta" gleich mehrfach Schwung holen. Das erste sogenannte Swingby-Manöver geschah bereits vor zwei Jahren an der Erde. Einen zweiten Vorbeiflug an ihrem Heimatplaneten wird die Sonde am 13. November dieses Jahres absolvieren.

Auf dem weiteren Flug zum Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko wird "Rosetta" noch zwei weitere Zwischenstationen einlegen. 2008 und 2010 soll die Sonde die Kleinplaneten "Steins" und "Lutetia" im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter erreichen. Geplant ist dann, dass "Rosetta" aus nur wenigen tausend Kilometern Entfernung Fotos der beiden urzeitlichen Felsbrocken schießt und Daten zu ihrer Masse und Dichte sammelt. Wenn sie 2014 in eine Umlaufbahn um 67P/Churyumov-Gerasimenko eingetreten ist, soll sie ein Landegerät absetzen, das dann die Oberfläche des Kometen unter die Lupe nimmt.

Von der Untersuchung erhoffen sich die ESA-Wissenschaftler neue Erkenntnisse zur Entstehung des Lebens auf der Erde. Kometen sind Überreste des Urnebels, aus dem sich vor rund 4,6 Milliarden das Sonnensystem formte.

abl/AP/ddp

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