Satellitenbild der Woche Diabolischer Wind

In Kalifornien toben die schlimmsten Waldbrände in der Geschichte des US-Bundesstaats. Das Satellitenbild zeigt einen der Gründe für die Katastrophe.
Rauchwolken über dem Pazifik

Rauchwolken über dem Pazifik

Foto: ESA/ Copernicus Sentinel Data

Leicht könnte man die weißen Schwaden auf dem Bild für harmlose Wolken halten. Doch dabei handelt es sich in Wirklichkeit um Rauch, der in diesem Fall alles andere als harmlos ist.

Die Aufnahme ist eine Woche alt. Sie wurde am 9. Oktober gemacht und zeigt die Region im Norden des US-Bundesstaats Kalifornien sowie die Pazifikküste - nur einen Tag, nachdem dort schlimme Brände ausgebrochen sind. Sie wüten seit Tagen, glaubt man den Behörden, sind es die schlimmsten seit Beginn der Aufzeichnungen.

40 Tote sind bereits geborgen worden, doch mehrere hundert Menschen werden noch vermisst. Die Feuer brannten bereits etwa 78.000 Hektar Land nieder, insbesondere in der Weinbauregion Sonoma und dem Nachbarbezirk Napa mit dem bekannten Napa Valley sind die Schäden groß. Mehr als 3500 Häuser und Gebäude wurden zerstört, darunter einige Weingüter. Das Inferno forderte schon jetzt mehr Menschenleben und zerstörte mehr Häuser als die verheerenden Brände von 1991 in den Hügeln der Stadt Oakland. Damals kamen 25 Menschen ums Leben.

Doch warum konnten sich die Feuer diesmal so schnell ausbreiten?

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Foto: Joshua Stevens/ NASA

Auf der Aufnahme, die der Erdbeobachtungssatellit "Sentinel-3A" gemacht hat, ist die Bucht von San Francisco gut zu erkennen. Von den Bränden betroffen ist die Region weiter nördlich zwischen Sacramento und um Santa Rosa. Ein starker, trockener Wind hat die Rauchwolken auf das Meer hinaus getrieben, das zeigt die Aufnahme deutlich.

Diese sogenannten Diablo-Winde werden von atmosphärischen Hochdrucksystemen über dem Great Basin im Osten, hauptsächlich in Nevada, angetrieben. Sie blasen von Nordosten nach Südwesten über die kalifornischen Bergketten und durch die Täler und können ein Feuer schnell vorantreiben.

Dazu kommt, dass eine lang anhaltende Dürrephase die Vegetation in Kalifornien stark ausgetrocknet hat. "Nach mehr als einem Jahrzehnt Dürre wirken trockene Gras- und Buschlandschaften wie ein Brandbeschleuniger bei solchen Feuern", sagt William Patzert, Klimatologe bei der Nasa.

"Nur noch Asche und Knochen übrig"

Unter solchen Bedingungen kann aus einem kleinen lokalen Feuer schnell eine große Katastrophe werden. Zwar ist der genaue Auslöser für die unterschiedlichen Brandherde noch nicht bekannt. Aber möglicherweise könnten sie durch im Sturm umgestürzte Stromleitungen verursacht worden sein, hieß es.

Die sich extrem schnell ausbreitenden Brände haben auch erfahrene Feuerwehrleute wie David Shew überrascht. Er arbeite seit 30 Jahren in dem Job, sagte er der Nachrichtenagentur AFP, und habe schon einige große Feuer gesehen. "Aber das ist außergewöhnlich." Auch der Polizeichef von Sonoma County schilderte die Lage dramatisch: "Wir finden Leichen, die fast unversehrt sind, von anderen sind nur noch Asche und Knochen übrig".

Zum Glück sind die Winde inzwischen abgeflaut, auch die Temperaturen sanken etwas. So gelang es den mehr als 11.000 Feuerwehrleuten, die fünfzehn größten Brandherde einzudämmen. Doch bis alle Opfer gefunden und identifiziert worden sind, wird noch viel Zeit vergehen.

joe
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