Seltene Himmelskonstellation begeistert Astronomen Die Legende vom Weihnachtsstern

Zwei Planeten bewegen sich derzeit am Himmel immer näher aufeinander zu, bis sie kurz vor Heiligabend fast wie ein großer Stern erscheinen. Ist das der Ursprung des Sterns von Bethlehem?
Abendhimmel im September: Die Planeten Jupiter und Saturn rücken immer näher zusammen

Abendhimmel im September: Die Planeten Jupiter und Saturn rücken immer näher zusammen

Foto: imago images

Für Astronomen und Sternengucker ist die Weihnachtszeit dieses Jahr besonders aufregend. Am Abendhimmel verfolgen sie ein seltenes Schauspiel. Die Jagd zweier Planeten ist dort zu sehen, und man braucht nicht einmal ein Profiteleskop, um sie zu verfolgen.

Jupiter und Saturn, die beiden Gasgiganten in unserem Sonnensystem, liefern sich seit dem Sommer ein Rennen. Jeden Abend, wenn es dämmert, kann man sehen, dass sie sich am Himmel ein Stück näher kommen.

Jupiter, der mit einem Durchmesser von 143.000 Kilometern größte und nach der Venus zweithellste Planet kommt immer dichter an die Ringe des Saturn heran. Am 21. Dezember, wenige Tage vor Heiligabend, ist es schließlich so weit. Dann stehen die beiden so eng zusammen, dass man sie mit bloßem Auge leicht für einen großen, sehr hellen Stern halten könnte. Nur ein Fünftel des Vollmonddurchmessers trennt sie.

Fast könnte man meinen, es sei der Weihnachtsstern. Und tatsächlich beschäftigen sich Astronomen schon seit Jahrhunderten damit, ob es nicht eine seltene Planetenkonstellation von Jupiter und Saturn gewesen sein kann, die um Christi Geburt der Erzählung nach die heiligen drei Könige zu dem unscheinbaren Stall in Bethlehem geführt haben könnte.

Experten sprechen bei der Begegnung der beiden von einer sogenannten großen Konjunktion. Sie resultiert aus den unterschiedlichen Umlaufzeiten der Planeten. Der Jupiter benötigt auf der sonnennäheren Bahn etwa zwölf Jahre für eine Runde um die Sonne, der Saturn weiter außen mehr als 29 Jahre. Etwa alle 20 Jahre wirkt es von der Erde aus so, als würden sich die beiden Planeten sehr nahe kommen. Aber natürlich liegen sie von uns aus nur auf einer gemeinsamen Sichtlinie und stehen auf ihren Bahnen hinter dem Asteroidengürtel nach wie vor weit auseinander (siehe Grafik unten). Auch am 21. Dezember wird der Saturn etwa doppelt so weit von der Erde weg sein wie Jupiter. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt gibt seine Erdentfernung mit rund 1,6 Milliarden Kilometer  an.

Schon in der Antike bemerkten die Sternenbeobachter einen Unterschied zwischen den Fixsternen am Himmel und den beweglichen Planeten. Dass diese Himmelskörper mitunter merkwürdige Bahnen ziehen und sich gelegentlich überholen, hatten die Astronomen bereits im alten Babylon beschäftigt. Damals war die Beobachtung der Gestirne den Priestern vorbehalten. Und obwohl sie von einem falschen Weltbild ausgingen, in dem eine starre Erde das Zentrum bildete, konnten sie Planetenbewegungen schon recht präzise vorhersagen und mathematisch berechnen.

Aber vor allem der Grund für die phänomenalen Planetenkringel, den sogenannten Oppositionsschleifen, bei denen die Planeten eine kurze Zeit rückwärts zu laufen schienen, um dann wieder in die richtige Richtung zu wechseln, verwirrte sie.

Große Konjunktionen von Jupiter und Saturn wurden schon damals beobachtet. Bei manchen Konstellationen, wenn in einem Jahr drei nahe Begegnungen von Jupiter und Saturn stattfanden (dreifache große Konjunktion), befürchteten die Sternengucker gar ein schlechtes Omen – Astronomie und Astrologie war damals ein und dieselbe Zunft, und sie sollten es auch noch sehr lange bleiben.

Schematische Darstellung der diesjährigen großen Konjunktion

Schematische Darstellung der diesjährigen großen Konjunktion

Foto: Sternwarte-Kraichtal

Für die Planetenschleifen malten sich die Astronomen Theorien aus, die aus heutiger Sicht abenteuerlich wirken. Aristoteles, der große griechische Denker und Verfechter des geozentrischen Weltbildes mit der Erde im Mittelpunkt, glaubte an kleine Kreisbahnen, sogenannte Epizykel, auf denen die Planeten gewissermaßen Extrarunden drehten. Es ist wie bei einem Karussell, bei dem sich ein paar Gondeln auf einer Scheibe noch um sich selbst drehen. Claudius Ptolemäus zementierte mit seinem Standardwerk, dem »Almagest«, diese Theorie kurz nach Christi Geburt für Jahrhunderte.

Erst die Astronomen der Renaissance rüttelten an diesem Modell und leiteten die Wende hin zu unserem heliozentrischen Weltbild ein, bei dem die Sonne im Zentrum steht. Die größte Leistung vollbrachte dabei Johannes Kepler mit seinen drei Gesetzen über die elliptischen Bewegungen der Planeten und die Stellung der Sonne. Nun verstand man die Oppositionsschleifen richtig und brauchte keine Epizykel mehr.

Die Planeten bewegen sich schneller, wenn sie sich der Sonne nähern, und überholen langsamere auf den äußeren Bahnen – wie der Jupiter nun den Saturn. Vergleichbar ist das mit einem Leichtathletikstadion, wenn in der Kurve ein schneller Läufer auf der Innenbahn einen langsameren auf einer äußeren Bahn überholt. Aus der Sicht des schnellen Läufers wirkt es dann vor dem Hintergrund der sitzenden Zuschauer einen kurzen Augenblick so, als würde der Langsamere rückwärts laufen.  

Modell mit den beiden Planeten Jupiter (l.) und Saturn

Modell mit den beiden Planeten Jupiter (l.) und Saturn

Foto: themotioncloud / iStockphoto / Getty Images

Kepler war es auch, der sich Gedanken über die Große Konjunktion machte. Zuletzt standen sich Jupiter und Saturn am Himmel zu seinen Lebzeiten so nah wie dieser Tage. Das war 1623, als der deutsche Astronom in Linz lebte. Allerdings war damals davon nicht viel zu sehen, denn das Ereignis fand nahe der Sonne statt. Aber schon zwanzig Jahre vorher hatte Kepler eine große Konjunktion beobachtet.

Dann sah er ein knappes Jahr später an fast derselben Stelle ein helles Leuchten. Heute wissen wir, dass es wohl eine Supernova war, das Ende eines Sterns. Und dass dieses Ereignis in keinem Zusammenhang zu einer großen Konjunktion steht. Aber Kepler glaubte, er sei Zeuge einer Sternengeburt geworden und dass die Begegnung von Saturn und Jupiter dieses Ereignis angekündigt habe. Das alles konnte kein Zufall sein. Denn für ihn standen hinter dem Himmelsphänomen zwar Naturgesetze. Aber auch die waren für den Mathematiker Teil eines größeren, göttlichen Plans.

Nach Keplers Analysen könnte im Jahr 7 vor Christus so ein Stern unter ähnlichen Bedingungen entstanden sein – vielleicht war es der Stern von Bethlehem. Schließlich wird in der Bibel im Matthäus-Evangelium von Sterndeutern berichtet, die aus dem Osten kamen und sich von einem aufgehenden Stern leiten ließen, der sie zum Geburtsort von Jesus führte. Der arme Astronom, der sich sein Geld teils als Horoskopschreiber für den Adel verdienen musste, lag aber daneben. Zwar wird die Planetenkonjunktion der Gasriesen für diesen Zeitraum beschrieben. Über eine Supernova ist aber nichts bekannt.

Selbst der Vatikan zweifelt am Weihnachtsstern

Der Ursprung der Weihnachtsstern-Legende liegt also wohl nicht im Planetenrennen zwischen Jupiter und Saturn. Dafür spricht auch, dass die beiden Lichtpunkte bei ihrem Planetentanz zu unterscheiden sind. Die Bibel erwähnt dagegen nur einen einzigen Stern. Auch andere populäre Theorien wie die eines Kometen, der um Christi Geburt gesichtet worden sein könnten, bleiben zweifelhaft. Kometen galten damals als eher schlechtes Omen.

Und so liegt der Schilderung in der Bibel vielleicht am Ende gar kein astronomisches Ereignis zugrunde. Stattdessen steckt wohl eher ein christliches Symbol dahinter. So sehen es übrigens auch die Forscher der Vatikan-Sternwarte. Der Jesuit und Astronom Guy Consolmagno hatte schon vor Jahren in einem Interview gesagt , man werde die Wahrheit über den Stern von Betlehem niemals mit Sicherheit erfahren. Und das sei auch gut so.

Trotzdem darf man die kosmische Begegnung von Jupiter und Saturn am kommenden Montag mit ein wenig weihnachtlicher Vorfreude genießen. Erst im Jahr 2080 wird es wieder eine so enge Konjunktion der beiden geben. Bei freiem Himmel sollte das Schauspiel mit bloßem Auge zu sehen sein. Allerdings nur, wenn man zügig nach der Dämmerung Richtung Südwesten blickt. Denn die beiden Planeten stehen sehr tief am Himmel. Jupiter ist der hellere der beiden, der Ringplanet Saturn erscheint in einem gelblichen Licht. Gegen halb sieben versinkt das Gasplanetenduo dann hinter dem Horizont. Das alles setzt natürlich freie Sicht voraus. Dichte Wolken haben schon etlichen Astronomen die Beobachtung von wichtigen Himmelsereignissen vermiest.

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