Weltraum Gesteinstrümmer in Doppelsternsystem entdeckt

Noch nie haben Forscher einen Gesteinsplaneten entdeckt, der zwei Sterne gleichzeitig umkreist. Nun fanden sie Hinweise auf ein solches System - in Form von 100 Milliarden Tonnen losem Material.
Gesteinsscheibe, die einen weißen Zwerg und einen braunen Zwerg umgibt (künstlerische Darstellung)

Gesteinsscheibe, die einen weißen Zwerg und einen braunen Zwerg umgibt (künstlerische Darstellung)

Foto: Mark Garlick/ dpa

Astronomen haben in rund 1000 Lichtjahren Entfernung von der Erde Hinweise auf Gesteinstrümmer in einem Doppelsystem um einen Weißen Zwergstern erspäht. Der Fund belegt den Forschern zufolge erstmals, dass es auch in Doppelsternsystemen Gesteinsplaneten geben kann.

Die Wissenschaftler um Jay Farihi vom University College London beschreiben ihre Beobachtungen im Fachblatt "Nature Astronomy" . 1000 Lichtjahre sind die Strecke, die das Licht in 1000 Jahren zurücklegt.

"Die Formierung von Gesteinsplaneten um zwei Sonnen ist eine Herausforderung, denn die Schwerkraft beider Sterne kann gewaltig ziehen und schieben und die Gesteins- und Staubstückchen daran hindern, sich zu ausgewachsenen Planeten zusammenzuballen", erläuterte Farihi. Bisher handelt es sich bei allen bekannten Planeten von Doppelsternen um Gasriesen - ähnlich dem Jupiter in unserem Sonnensystem -, die sich in den Außenbezirken ihres Systems entwickelt haben dürften.

100 Milliarden Tonnen Material

Nun hat das Team um Farihi einen sogenannten Weißen Zwerg untersucht, den übrig gebliebenen Kern eines ausgebrannten Sterns. Dabei zeigte sich, dass der Sternenrest mit der Katalognummer "SDSS 1557" einen Braunen Zwerg als Begleiter besitzt. Braune Zwerge sind gescheiterte Sonnen, die nicht die ausreichende Masse erreicht haben, um das Kernfusionsfeuer in ihrem Inneren zu zünden. Der Braune Zwerg von "SDSS 1557" hat etwa 60 Mal so viel Masse wie der Planet Jupiter.

Die Forscher beobachteten, wie mindestens 100 Milliarden Tonnen Material auf den Weißen Zwerg herabregneten. Die genaue Analyse zeigte die Signale von chemischen Elementen wie Silizium und Magnesium, aus denen Gesteinsplaneten und Asteroiden bestehen. Die registrierte Menge entsprach einem Asteroiden mit mindestens vier Kilometern Durchmesser.

"Wir kennen Tausende Doppelsysteme wie 'SDSS 1557', aber dies ist das erste Mal, dass wir Asteroiden-Trümmer und -Verunreinigung gesehen haben", betonte Ko-Autor Steven Parsons von der Universität Sheffield. "Die Entdeckung der Asteroidentrümmer im 'SDSS-1557'-System liefert klare Signaturen der Entstehung von Gesteinsplaneten über den Weg großer Asteroiden", ergänzte Farihi. "Das hilft uns zu verstehen, wie Gesteinsplaneten in Doppelsternsystemen entstehen." In der Milchstraße existieren die meisten Sterne als Teil eines Doppelsternsystems.

Ein Planet wie Tatooine?

Die Forscher vergleichen ihre Entdeckung mit dem Wüstenplaneten Tatooine, der fiktiven Heimat des Weltraumhelden Luke Skywalker in der Kinosaga "Krieg der Sterne". Allerdings gibt es da entscheidende Unterschiede.

Statt einem Planeten haben die Forscher nur Hinweise auf herabregnendes Material entdeckt, dessen chemische Zusammensetzung auf Asteroiden und ähnliche Gesteinsbrocken schließen lassen. Aus diesen könnten wiederum Gesteinsplaneten entstehen.

Zum anderen besteht das Doppelsystem aus einem ausgebrannten Sternenrest und einem verhinderten Stern. Skywalkers Heimatplanet Tatooine kreist hingegen um die beiden Sonnen Tatoo I und Tatoo II.

jme/dpa
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.