Weltraum-Träume im Weißen Haus Georges Mondfahrt

Es soll ein nationaler Kraftakt werden und die Nation zusammenschweißen: US-Präsident Bush will möglicherweise schon bald ein neues Weltraumprogramm ankündigen. Im Gespräch sind eine Mondstation und ein bemannter Flug zum Mars. Das Weiße Haus dementiert, doch US-Zeitungen nennen bereits den Termin für die Verkündung.

Die USA könnten schon bald viele Milliarden Dollar in einen Neustart der bemannten Raumfahrt pumpen. Wie die "Washington Post" und der US-Sender CNN übereinstimmend berichten, werden im Weißen Haus neue Weltraumpläne geschmiedet. Womöglich schon in wenigen Wochen, so berichten die US-Medien, werde Präsident George W. Bush die ehrgeizigen Technologieprojekte ankündigen. CNN meldete unter Berufung auf regierungsnahe Quellen, dass eine Rückkehr zum Mond innerhalb der nächsten 15 Jahre angedacht sei. Weiterhin diskutierten Regierung und Weltraumbehörde über

  • Vorschläge für eine bemannte Mission zum Mars,
  • ein Datum zur Außerdienststellung der Space-Shuttle-Flotte,
  • die Konstruktion eines neuen Raumschiffs für bemannte Flüge,
  • Kosten und Nutzen einer permanenten Basis auf dem Mond,
  • einen Zeitplan zum Ausstieg aus dem Projekt der Internationalen Raumstation ISS.

Aufbruch zum Mond: Start der Saturn-V-Rakete mit der Raumfähre Apollo 11 in Cape Kennedy

Aufbruch zum Mond: Start der Saturn-V-Rakete mit der Raumfähre Apollo 11 in Cape Kennedy

Foto: DPA
Das Apollo-Kommandomodul mit Astronaut Michael Collins von der Landefähre aus gesehen

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Foto: AP
Nationalstolz: Neil Armstrong and Edwin "Buzz" Aldrin hissen bei ihrem ersten Ausflug auf dem Mond eine US-Flagge

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Foto: DPA
Neil Armstrong in der Mondlandefähre kurz nach dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche

Neil Armstrong in der Mondlandefähre kurz nach dem Aufsetzen auf der Mondoberfläche

Foto: AP
Die Mannschaft von "Apollo 11": Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin

Die Mannschaft von "Apollo 11": Neil Armstrong, Michael Collins und Edwin Aldrin

Foto: DPA
Absprung: Edwin Aldrin auf der untersten Stufe der Leiter der Mondfähre

Absprung: Edwin Aldrin auf der untersten Stufe der Leiter der Mondfähre

Foto: DPA
Die Mondfähre über dem Mond kurz vor dem Ankoppeln an die Apollo-11-Kapsel

Die Mondfähre über dem Mond kurz vor dem Ankoppeln an die Apollo-11-Kapsel

Foto: DPA
Experimente: Edwin "Buzz" Aldrin trägt wissenschaftliche Ausrüstung

Experimente: Edwin "Buzz" Aldrin trägt wissenschaftliche Ausrüstung

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Erdaufgang: Der blaue Planet beim Aufstieg über den Mondhorizont aus der Perspektive von "Apollo 11"

Erdaufgang: Der blaue Planet beim Aufstieg über den Mondhorizont aus der Perspektive von "Apollo 11"

Foto: AP

Die Initiative könnte nach Einschätzung von Beobachtern auch von Chinas jüngsten Erfolgen im Weltraum angetrieben sein. Laut CNN sehen einige Falken im Weißen Haus Pekings Raumfahrtprogramm als Bedrohung an, da das Land eine Raumstation für Raketentests benutzen könnte.


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Hinter den Gerüchten um Bushs Technologie dürfte allerdings auch das zeitlich näher liegende Interesse stehen, die Präsidentschaftswahl 2004 zu gewinnen. Nach Informationen der "Washington Post" hoffen Bushs Berater auf einen "Kennedy-Effekt". Präsident John F. Kennedy hatte 1962 einen spektakulären politischen Erfolg erreicht, als er in einer Rede ankündigte, innerhalb von zehn Jahren den ersten Menschen auf den Mond zu schicken.

Kritiker warnten dagegen vor der Wiederholung eines Fehlers, den Präsident George Bush, der Vater des jetzigen Amtsinhabers, 1989 beging. Als er anlässlich des 20. Jahrestags der Mondlandung neue Pläne für eine Erforschung des Sonnensystems, eine Rückkehr zum Mond und einen Flug zum Mars vorstellte, reagierte die Nasa mit Entwürfen für ein 400 Milliarden Dollar schweres Programm, das jeden Etat gesprengt hätte und schon bald in den Schubladen verschwand.

Jetzt aber scheinen die Chancen für eine Wiederbelebung des Raumfahrtprogramms wieder zu steigen. Schon seit August bastelt eine überbehördliche Gruppe unter Leitung des Weißen Hauses an Plänen für interplanetare bemannte Reisen, heißt es in der "Washington Post". Sie sollen der Nasa nach der "Columbia"-Katastrophe neue Ziele für die kommenden 20 bis 30 Jahre geben.

Befürworter einer Mondbasis etwa argumentieren, dass eine solche Station zur Entwicklung neuer Technologien, als Standort für astronomische Beobachtungen und Basis für eine bemannte Mission zum Mars dienen könnte. Ein Berater des Weißen Hauses sagte der Zeitung, dass eine solche Initiative der US-Wirtschaft und insbesondere der Technologiebranche neue Impulse geben könnte.

Bush könnte die Initiative bei den Feiern zum 100. Jahrestag des ersten Motorflugs der Gebrüder Wright am 17. Dezember oder in seiner Rede zur Lage der Nation Ende Januar vorstellen, hieß es. Das Weiße Haus ist den Berichten zufolge wenig erfreut darüber, dass ranghohe Nasa-Mitarbeiter wie Wendell Mendell in Interviews offen über eine Rückkehr zum Mond sprechen. Bush ließ die Meldungen prompt von seinem Sprecher Scott McClellan dementieren. Es gebe "in der nahen Zukunft" keine Pläne für eine neue Raumfahrtinitiative.

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