Weltraum-Veteran "Pioneer 10" meldet sich zurück

Fast 30 Jahre und rund zwölf Milliarden Kilometer fliegt sie schon, doch "Pioneer 10" ist noch lange nicht verstummt. Nach über einem halben Jahr Sendepause hat sich die Nasa-Sonde nun wieder gemeldet.

Von Alexander Stirn


Sie fliegt und fliegt und fliegt: Die große alte Dame der Nasa-Sonden, "Pioneer 10", lässt sich so schnell nicht unterkriegen. Auch nach dem offiziellen Ende der Mission am 31. März 1997 lieferte das Raumfahrzeug fortwährend Daten über die Bedingungen in den äußeren Regionen unseres Sonnensystems.

Nummer 10 lebt: Nach acht Monaten Funkstille hat sich die "Pioneer 10"-Sonde wieder gemeldet
AP

Nummer 10 lebt: Nach acht Monaten Funkstille hat sich die "Pioneer 10"-Sonde wieder gemeldet

Entsprechend groß war die Bestürzung, als am 19. August vergangenen Jahres der bislang letzte Kontakt mit dem Raumfahrzeug zu Stande kam. Seitdem herrschte Funkstille. Die Sonde, mittlerweile fast zwölf Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, schien verloren.

Doch "Pioneer 10" lebt, wie die Nasa jetzt freudig verkünden konnte: Es war Samstagabend, 19:27 Uhr MESZ, als die Station 63 des "Deep Space Network" im spanischen Madrid ein Signal der Veteranin empfangen konnte. Die Antwort der "Pioneer"-Flugkontrolle in Kalifornien ließ nicht lange auf sich warten: "Muchas gracias" - "Vielen Dank" -, riefen die Forscher am Ames Research Center der Nasa ihren Kollegen auf der anderen Seite des Atlantiks zu.

Doch wie es mit Fahrzeugen so ist, die langsam in die Jahre kommen: Auch an Bord der "Pioneer"-Sonde funktioniert nicht alles dergestalt, wie es sich die Ingenieure einst ausgedacht hatten. Nach Nasa-Informationen kann das auf lediglich acht Watt Leistung ausgelegte Kommunikationssystem des Raumfahrzeugs nicht mehr direkt Kontakt mit der Erde aufnehmen.

Um "Pioneer 10" dazu zu bringen, eine Verbindung zum Blauen Planeten aufzubauen, muss jeweils erst ein entsprechendes Signal an die Sonde geschickte werden, so Flugdirektor Ric Campo. Das allerdings gestaltet sich mehr als kompliziert: Auf Grund der großen Entfernung der Sonde brauchen die Funksignale, obwohl sie sich mit Lichtgeschwindigkeit ausbreiten, derzeit fast zwölf Stunden bis sie "Pioneer" erreichen. Noch einmal ein halber Tag vergeht, bis die Antwort der Sonde eintrifft.

Auf dem Weg zu fernen Sonnen

"Pioneer 10", am 2. März 1972 mit der ersten dreistufigen Atlas-Centaur-Rakete der Nasa ins All gestartet, war seinerzeit das schnellste Raumfahrzeug, das je die Erde verlassen hatte. In gerade einmal elf Stunden erreichte die Sonde den Mond, bevor sie mit einer Geschwindigkeit von mehr als 50.000 km/h Kurs in Richtung Jupiter einschlug.

Botschaft an die Aliens: Seid gegrüßt, Fremde!
NASA

Botschaft an die Aliens: Seid gegrüßt, Fremde!

Rund vier Monate nach dem Start durchquerte "Pioneer" den gefährlichen Asteroidengürtel - unbeschadet. Anfang Dezember 1973 passierte die Sonde den Planeten Jupiter in 130.000 Kilometer Entfernung. Dabei entstanden die ersten faszinierenden Detailaufnahmen des Gasriesen, der Strahlungsgürtel wurde vermessen und das Magnetfeld entdeckt.

Jupiter hat auf "Pioneer" einen bleibenden Eindruck hinterlassen: Beschleunigt durch die gewaltige Anziehungskraft des großen Planeten erreichte die kleine Sonde eine Geschwindigkeit von 130.000 km/h. 1983 verließ das Raumfahrzeug schließlich als erstes von Menschenhand geschaffenes Objekt das Sonnensystem.

Einst war "Pioneer 10" der große Star unter den Nasa-Sonden, eine Botschafterin des technisch Machbaren, ein Vorbild für die weitere Erkundung des Weltalls. Jetzt muss sie mit ihren jüngeren, technisch fitten Nachfolgerinnen um die begehrten Frequenzen des "Deep Space Networks" streiten. Und die Tatsache, dass die Kommunikation derzeit äußerst lange dauert, wird dieses Unterfangen nicht erleichtern. Im Zweifelsfall, das machen die "Pioneer"-Verantwortlichen jetzt bereits deutlich, werden Sonden wie "Cassini" oder "Galileo" den Vorzug bekommen.

Doch auch wenn die Signale eines Tages ganz ausbleiben, kann "Pioneer 10" noch immer eine wichtige Botschaft kommunizieren. An der Außenhülle des Raumfahrzeugs ist eine goldene Platte angebracht, in die grundlegende Informationen über die Menschen, die Erde und unser Sonnensystem geritzt sind. Bis diese jemand entziffern kann, dürften aber noch einige Jahre vergehen. Der Stern Aldebaran, auf den "Pioneer 10" derzeit zusteuert, wird von der Sonde wohl erst in zwei Millionen Jahren erreicht.



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