Weltraumlabor "Columbus" ist eingeweiht

Neues Kapitel für die europäische Raumfahrt: Einen Tag nach dem erfolgreichen Ankoppeln an der Internationale Raumstation ISS ist das europäische Weltraumlabor "Columbus" eingeweiht worden. Der Franzose Leopold Eyharts betrat als erster Astronaut das Labor.

Oberpfaffenhofen - Mit einer Lampe, Atemmaske und Schutzbrille schwebt Leopold Eyharts in das neue europäische Weltraumlabor "Columbus". "Auf den ersten Blick sieht Columbus gut aus", meldet der französische Astronaut zur Erde. Nach dem erfolgreichen Andocken des Labors an die Internationale Raumstation ISS öffnete Eyharts zusammen mit seinem deutschen ESA-Kollegen Hans Schlegel gestern erstmals die Luke zu dem noch unbeleuchteten Labor. Danach inspizierten auch ISS-Kommandantin Peggy Whitson und andere Crewmitglieder das Labor. Bis zum späten Abend waren die Mannschaft und das "Columbus"-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen bei München weiter damit beschäftigt, Systeme zum Laufen bringen.

Mit Dichtigkeits- und Drucktests hatte die Crew vorher sichergestellt, dass "Columbus" kein Leck hat. Die Brille trugen die Astronauten beim ersten "Betreten" des Labors zum Schutz vor möglichen Splittern - für den Fall, dass bei der Reise Teile der empfindlichen Einrichtung zu Bruch gegangen waren. "Das ist aber sehr unwahrscheinlich", sagt Markus Bauer von der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Die Atemmaske sollte unter anderem vor Staubpartikeln schützen. Mit der Öffnung des Labors übernimmt das "Columbus"-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen die Kontrolle über das Weltraumlabor. Das in Bremen gebaute Labor war am Montag nach jahrelanger Verzögerung an der ISS angedockt worden.

Schlegel bereitet sich zudem auf den für Mittwochnachmittag geplanten Außeneinsatz vor. Dazu müssen Astronauten ein sogenanntes Camp-out absolvieren: Sie schlafen in der Nacht zuvor in der Schleuse, bei reduziertem Druck von 0,7 Bar - "um  den Stickstoff aus dem Blut zu bekommen", sagt Sobick. "Damit die Astronauten danach nicht an der Dekompressionskrankheit leiden."

Hans Schlegel hatte seinen für Sonntag geplanten Außenbordeinsatz nicht wahrnehmen können. Seinen morgigen Außeneinsatz soll er zusammen mit Rex Walheim durchführen. Dabei werden neue Stickstofftanks für das äußere Kühlsystem der ISS installiert. Schlegel soll nach Thomas Reiter der zweite Deutsche sein, der im Raumanzug im All schwebt.

Für die europäische Raumfahrt beginnt mit "Columbus" ein neues Kapitel. Das Weltraumlabor als rund 880 Millionen Euro teurer Beitrag zur ISS macht die ESA zum wichtigen Partner. Die Europäer dürften nun über 8,3 Prozent der Ressourcen auf der ISS verfügen. Die "New York Times" bezeichnete "Columbus" als "Kronjuwel" der europäischen ISS-Beteiligung. "Wir haben jetzt ein eigenes Labor an Bord der ISS, wir sind da Herr im Haus und können sehr attraktive Wissenschaft machen", sagte der Chef des Deutschen Raumfahrtkontrollzentrums, Klaus Wittmann.

cjp/AFP/dpa

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